Na los, wer kennt Patrick Bateman nicht? Der durchgeknallte ständig zugedröhnte "American Psycho", Bret Easton Ellis bekannteste Romanfigur, erfolgreich verfilmt. Um dessen jüngeren Bruder Sean Bateman rankt sich die Geschichte "Die Regeln des Spiels". Eigentlich spielt es im selben Milieu, es geht um Sex und Drogen - und ist doch etwas anders gestrickt als der Erfolgsroman bzw. die Erfolgsverfilmung "American Psycho".
Während das große Vorbild einen Handlungsverlauf hat, die Charaktere beleuchtet und gespickt mit Gesellschaftskritik spannungsgeladen einer Aussage hinfiebert wabert "Regeln des Spiels" in einem Sumpf aus durchgeknallten jugendlichen College-Junkies sinnentleert vor sich hin. Easton Ellis verwendete viel Zeit und Energie in der Romanvorlage um jugendliche Gefühlswirrungen zwischen Hetero und Homo, zwischen klarem Denken und Drogenrausch, sexueller Enthaltsamkeit und Flucht in jegliche Abenteuer zu differenzieren, auszuschmücken und in einem jugendlich-romantischen Licht darzustellen. Der junge Geist weiß nicht wohin er will, irrt ziellos umher, immer auf der Suche nach seiner Selbst und doch verloren im 80er-Jahre-Milieu.
Roger Avary schafft nicht ansatzweise die Umsetzung der Zielvorgabe, sondern verfilmt nach starren Regeln eine Handlungsabfolge, die eigentlich gar keine ist. Er beleuchtet zwar die Szenerie, die wilden Partys, die sexuellen Entgleisungen und die Schattenseiten des Drogenkonsums, sogar Seans Verehrerin darf sich wirkungsvoll in der Badewanne das Leben nehmen - aber alles plätschert vor sich hin. Eines muß man ihm zugute halten: Die Zusammenhänge werden schlüssig dargestellt, allerdings ist dies nur mit auf Dauer ermüdenden immer wiederkehrenden Effekten möglich: Die Einblendung der Protagonisten-Namen, die ständige Kamerarückfahrt zum Ausgangspunkt einer Szene, um dann mit einem anderen Charakter weiterzuarbeiten - hier merkt man deutlich die Pulp-Fiction-Gene von Avary, was dort aber spannend und gekonnt wirkt, verläuft im hier vorliegenden Fall zu einem gelangweilt wirkenden Plätschern. Die Überfrachtung dieser Effekte stumpft ab, so geht der Großteil der gewünschten Wirkung verloren.
Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Collegestudentin ist bis über beide Ohren in Sean Bateman verliebt, schreibt ihm jeden Tag Briefe. Dieser denkt, sie wären von Lauren, verliebt sich in diese und merkt zu spät, daß seine sexuellen Spielereien alles zerstören. Auch der homosexuelle Paul ist in Sean verliebt, wird dabei nur brüsk ausgenutzt und schlußendlich zurückgewiesen. Die Quintessenz des ganzen wird schlußendlich zwar gezeigt und nachvollziehbar transparent gemacht, aber die Aussage fehlt. Wie sieht das Gefühlsleben der Menschen aus? Bei der charakterstarken Lauren wird viel zu viel übergangen, die Ansätze reichen bei weitem nicht aus um der Romanvorlage gerecht zu werden.
Unterm Strich bleibt ein passabler B-Movie zurück, eine ordentliche, aber keine gelungene Verfilmung. Für Easton Ellis Fans ein Muß, für unbedarfte empfiehlt sich eher der Griff zu "American Psycho".
(4/10)