Nach dem mit „American Psycho“ eine Bret Easton Ellis Verfilmung Anklang fand, setzte man als nächstes sein „Rules of Attraction“ filmisch um.
Erzählt wird die Geschichte dreier Collegestudenten: Als erstes wäre da Lauren Hynde (Shannyn Sossamon), die zwar strebsam ist und ihre Jungfräulichkeit nur mit jemandem besonderes verlieren möchte, aber sich auch mal besäuft, Drogen nimmt oder sonst wie über die Stränge schlägt. Sie gehört aber noch zu den bravsten Gestalten in der Horde verlotterter Rich Kids, die wohl nicht so ganz wissen, dass die Uni eigentlich als Bildungsanstalt gedacht ist.
Nummer zwei ist Sean Bateman (James Van Der Beek), Sohn einer reichen New Yorker Familie und zu kaum echten Gefühlen fähig. Er benutzt seine Mitmenschen eiskalt, verletzt deren Gefühle und dealt nebenher noch mit Drogen, die er von einer zwielichtigen Horde bekommt. Sean Bateman ist der Bruder Patrick Batemans aus „American Psycho“ (und hatte ja auch zumindest im Roman „American Psycho“ einen Auftritt), denn Ellis vernetzt seine Stoffe ja ganz gerne untereinander.
Der letzte ist Victor (Kip Pardue) ein schwuler Zyniker, der sich in Sean verguckt. Sean wiederum fühlt sich von Lauren angezogen, die nicht genau weiß, ob sie auch etwas für ihn empfindet. Für die drei beginnt eine turbulente Zeit…
„American Psycho“ war ja als Film ganz passabel, aber deutlich schwächer als das Buch. Im Falle von „Rules of Attraction“ ist mir das Buch zwar unbekannt, aber es kann an sich nur besser als der Film sein. Denn von satirischem Witz ist hier nichts zu merken, stattdessen sieht der Film wie der missglückte Versuch eines bösen Bruders von „American Pie“ aus, der unentschlossen zwischen Realismus und Comedy (z.B. sind Seans Zulieferer bloß gnadenlos überzeichnete Knallchargen) schwankt. So sind die Collegekids einfach zu übertrieben verrucht gezeichnet und scheinen nur noch triebgesteuert zu agieren, sodass sich jeglicher Anflug von Realismus oder Sympathie für die Protagonisten blitzschnell verabschiedet. Lediglich gegen Ende kann „Rules of Attraction“ ein paar wirklich glaubhafte emotionale Momente fabrizieren, wenn die Protagonisten vom Schicksal enttäuscht werden, aber meistens wünscht man die ganze unsympathische Bande zum Teufel.
Zudem schien der Drehbuchautor keine Ahnung zu haben, wie man eine interessante Handlung aufbaut und klatscht lieblos Szene um Szene aneinander. Spannung kommt nie auf, stattdessen scheinen die Studenten keine anderen Beschäftigungen außer Sex, Drogenexzessen und Suizidversuchen im Kopf zu haben. Wenige Handlungsfäden werden verfolgt (z.B. die Liebesbriefe, die Sean ständig erhält), aber meist wirkt das Geschehen wie zusammengestückeltes Flickwerk.
Wäre ja alles nicht so schlimm, wenn das Ganze wenigstens witzig genug wäre, aber der Humor erweist sich oft als Rohrkrepierer. Einige witzige Momente hat der Film ja (z.B. als die Schwulen ihren Kumpan nach einer Überdosis ins Krankenhaus bringen und Victor dabei dauernd zynische Sprüche reißt), aber viele Witze sind extrem platt (z.B. das Vollkotzen beim Sex ist einfach nur widerlich und keineswegs amüsant). Über weite Strecken versagen also dann sowohl Witz als auch Dramatik, sodass „Rules of Attraction“ oft anödet und langweilt. Schade, denn Regisseur Roger Avary hat immerhin einige visuell interessante Einfälle (z.B. das Mehrfacherzählen von Szenen, Einleitung von Szenen, indem man das vorherige Geschehen rückwärts laufen lässt usw.).
Ebenso wenig Schuld am Misslingen des Films tragen auch die Darsteller, denn die legen sich mächtig ins Zeug. Vor allem Kip Pardue, den in „Driven“ ja reichlich blass war, liefert eine erstklassige Leistung, aber auch Shannyn Sossamon und James Van Der Beek sind ziemlich gut. Die Nebendarsteller sind ganz OK, darunter auch Jessica Biel, die aber hier ziemlich agiert.
Unterm Strich erweist sich „Rules of Attraction“ als gut inszenierter und gut gespielter, aber ziemlich öder und reichlich verquaster Mix aus derber, oft unwitziger Komik und Drama-Elementen, die aber aufgrund des Mangels an Realismus auch nur wenig ansprechend sind.