Die nächste Verfilmung eines Romans von Bret Easton Ellis, dessen „American Psycho“ zu den kontroversesten Werken der Neunziger gezählt werden muss. Angenommen hat sich dem Ganzen Möchtegern-Kultfilmer Roger Avery, der seinen Ruhm alleine seiner schriftstellerischen Mitarbeit bei den frühen Tarantino-Werken verdankt und dessen bekanntester Film „Killing Zoe“ deutlich überschätzt wird. Mit dem Ellis-Stoff „Rules of Attraction“ ist er ebenfalls deutlich überfordert, obwohl er in visueller Hinsicht durchaus einige nette Gimmicks parat hält.
Woran der Film aber eindeutig krankt, ist seine völlige Inhaltslosigkeit. Alle Akteure steuern hier völlig orientierungslos von Party zu Party, von Drogenrausch zu Drogenrausch, von Fick zu Fick. Vornehmlich ist das Sean Bateman (jüngerer Bruder des Psychopathen Patrick aus „American Psycho), der zwar nahezu jedes Mädchen auf dem Campus ins Bett kriegt, seine Flamme Lauren aber nicht. Er bemerkt dabei nicht, dass die ständigen Liebesbriefe, die er erhält, nicht von Lauren, sondern von einer ganz anderen sind, weshalb alle Beteiligten auf eine Katastrophe zusteuern.
Ungefähr das ist die Story von „Rules of Attraction“, die aber in einem Konglomerat aus Fick- und Partyszenen völlig untergeht. Der Campus als Sündenpfuhl, seine Studenten als ambitionslose Psychowracks, und um das zu verdeutlichen, unterteilt Avery den Film nicht in Zeit- sondern in Partyabschnitte, fährt damit aber alles andere als gut. Die Sequenzen wirken unmotiviert aneinandergeschnipselt, bringen weder Figuren noch den Zuschauer weiter. Die Akteure bleiben deshalb seelenlose Statisten, die zudem völlig unsympathisch rüberkommen. Wenn hier ein Rezensent die Studenten als „sympathisch“ beschreibt, kann ich das nicht nachvollziehen, wirken sie doch allesamt wie ein verzogenes Pack reicher Eltern, die ihre Zukunft weggeschmissen haben, bevor sie überhaupt begonnen hat und sich für ein Leben zwischen Joints und schnellem Sex entschieden haben.
Allerdings lässt sich der optische Reiz des Films nicht leugnen, denn Avery spielt mit vielen Bildverfremdungstechniken und lässt ganze Sequenzen rückwärts ablaufen. Vor allem aber liefern die Cutter eine großartige Arbeit ab, so ist beispielsweise der Schnitt, bei dem sich Lauren und Sean zunächst in zwei Bildausschnitten gegenüberstehen und das dann in ein Einzelbild übergeht, mehr als nur genial.
Immerhin bietet „Rules of Attraction“ also einige Aha-Effekte, was das Visuelle angeht, aber man hätte sich doch wünschen können, dass der ganze Film so an die Substanz geht wie die Badewannenszene (zu Harry Nielsens „Without you“), unbestreitbar ein echter Nackenhaaraufsteller. Etwas Provokantes hat „Die Regeln des Spiels“ durchaus, aber mit den paar Nacktszenen kann man zumindest im „alten Europa“ niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken.
War es Averys Absicht, mit der Aussparung jeglichen Inhalts und jeglicher Charakterisierung zu verdeutlichen, dass die Studenten hier völlig ziellos und innerlich leer sind, so ist ihm das immerhin gelungen. Bezeichnend für den ganzen Film ist der völlig abrupt einsetzende Abspann (oho, rückwärts ablaufend, welch Stilbruch!), der uns Seans Moral von der Geschicht’ vorenthält. Nihilismus, wohin man blickt, von Avery gleichermaßen eintönig und brachial in Szene gesetzt.