Review

Komme gerade aus 'ner Sneak und bin total perplex. Da rechnet man mit nichts Schlimmen und dann stellt sich heraus, dass die Verfilmung von Bret Easton Ellis' "Rules of Attraction" läuft. Wow. Das erste, was mir nach Ende des Films durch den Kopf schoss, war einfach nur "Ey boah, ey!" Meiner Meinung nach ein dreckiges Meisterwerk, das definitiv polarisieren wird.

Die meisten werden "Die Regeln des Spiels" wohl schlicht für einen kranken, vulgären Haufen Scheiße halten und angewidert den Saal verlassen, oder den Film als belanglos, langweilig, einen typischen weiteren Tabubruch(, der da weiter macht, wo "American Pie" und co oder aktuell "Jackass" aufgehört hat), eben als schlecht schnell vergessen haben.

Und ja: Roger Avary's (bzw Ellis') Werk IST dreckig, krank und vulgär. Aber gleichzeitig so was von bitter böse, sarkastisch, eigentlich schon gehässig, ja sogar gleichzeitig rührend und vor allem ehrlich. Diese Ehrlichkeit aber zeichnet ein Bild der totalen Verrotung von Gefühlen, von Menschen, die schon lange überhaupt nichts mehr fühlen und von einem Leben, das eigentlich keins ist. Hier wird gesoffen, gekifft, gefixt, also generell gezecht, geflucht, gefickt und gleichzeitig gekotzt, gekackt, gedröhnt und, falls doch noch jemand nicht cool genug ist und in dieser Welt ohne Gefühle bzw Gefühlsunterdrückung nicht klar kommt, gestorben. Das Ganze wird mit einer Wucht präsentiert, die nahezu erschlagend ist.

Aber worum geht's eigentlich? Tja, das kann man recht schnell vollkommen aus den Augen verlieren. Kurz und knapp kann man sagen, dass sich der (wirklich verdammt) lässige Sean Bateman(ja, DER Bateman, bzw sein Bruder), genial von Dawson's Creek Strahlemann James Van Der Beek verkörpert, neben ficken und zechen in die 'unbefleckte' Lauren wirklich verliebt hat, die, was er nicht weiß, auch in ihn verliebt ist. Auch der schwule Paul hat sich in Sean verguckt, der aber gar nicht von ihm beachtet wird. Sean macht nun so etwas wie eine Veränderung durch, die ihn vielleicht dazu befähigt, sich Laurens Liebe als 'würdig' zu erweisen.

Soweit, so schlecht. Denn die zarte Lauren ist eigentlich einer der wenigen Charaktere, der anders, als der dumpfe Rest ist. Warm, gefühlvoll, man kann sagen, sie ist von emotionaler Intelligenz. Und wirkt eben deshalb so verloren und hoffnungslos. Das hat sie wohl auch gemerkt und mischt um 'dazu zugehören' auch ordentlich mit.

Sofort am Anfang des Films erfahren wir, dass das aber so überhaupt nicht gut geklappt hat. Hier bin ich auch ein einem Punkt angelangt, der "Die Regeln des Spiels" zu einem Erlebnis macht, nämlich der Kameraführung und des restlichen cinematographischen Schnickschnacks. Die ersten Minuten nämlich erzählen quasi dreimal die gleiche Geschichte auf einer Party, nur aus verschiedenen Perspektiven. Am Ende der jeweiligen Episode, wird alles in SlowMo zurückgespult und weiter gehts mit dem nächsten Schicksal, während die Kamera wie gesagt Einiges leistet. Wir lernen die drei 'Protagonisten' (also Laura, Sean und Paul) und, wie sich das für eine Literatur-Verfilmung gehört, deren Gedanken kennen. Und sofort merkt man: das ist kein Film für zwischendurch.

Laura wacht aus einer Bewusstlosigkeit auf und stellt fest, dass sie gerade von einem sabbernden und nachher auf sie kotzenden Penner entjungfert und noch dazu von einem anderen gefilmt wird, Sean fickt irgendso eine Alte, nachdem er diverse Alternativen durchdacht hat, die natürlich vom Regisseur bebildert wurden, und stellt fest, dass er schon lange keinen nüchternen, sprich guten, Sex mehr hatte und Paul scheitert daran, einen Kerl zu verführen, der ihn darauf fast zusammenschlägt und vor Publikum bespuckt.

Darauf fängt der Film eigentlich erst richtig an und bis man wieder bei der gleichen Nacht angekommen ist, vergehen zahlreiche Episoden, die an Skurilität teilweise fast nicht mehr zu übertreffen sind. Vor allem für die Lachmuskeln wird so Einiges geboten. Die Personen werden in den jeweiligen Situationen sowas von genau charakterisiert bzw persifliert, dass es nur so eine Freude ist. Obwohl die Grundstimmung zwar eigentlich zum Heulen ist, hagelt es so einige Brüller.

Irgendwann nach einer langen Nacht treffen sich Sean und Lauren jedenfalls das erste Mal zum Unterricht, der eigentlich stattfinden sollte, wegen des verkaterten Lehrers aber ausfällt. Und gerade diese Szene hat es mir angetan. Vielleicht fünf Minuten lang verfolgen wir die beiden via Splitscreen (aufstehen, anziehen, zur Uni gehen) , bis sie sich schließlich begegnen und die Kamera langsam die zwei Bildhälften miteinander verschmilzen lässt. Spätesten da war ich überzeugt davon, dass der Film grandios wird.

Ich will eigentlich nicht zu viel verraten, aber dass diese Begegnung in kein Happy End führen wird, sollte schon am Anfang, also Ende des Films, klar sein. Für mich war's jedenfalls ein Erlebnis sondergleichen, das zum Analysieren Bild für Bild gerade zu einläd. Ein Werk voll von traurigen Charakteren und deren traurigen, teilweise niederschmetternden und zu gleich oft zum Brüllen komischen Erlebnissen. Ansehen! Und sei es nur wegen der filmtechnischen Verpackung (Kamera, Schnitt, Musik usw), hinter der auch die 'Story' nicht zu leiden hat.

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