Review

Dieser Film hat bei mir einen äußerst zwiespältigen Eindruck hinterlassen:

Einerseits geht er für einen amerikanischen Teenager-Film wirklich recht weit und zeigt Dinge, die zartbesaitete Gemüter wahrscheinlich schon nach wenigen Minuten aus dem Kino vertreiben werden. So gibt es z.B. gleich zu Anfang eine der unromantischsten und ekeligsten Sexszenen, die ich je in einem Film gesehen habe...

Andererseits kann ich es völlig verstehen, wenn sich viele Leute über die uninteressanten Charaktere und die fehlende Handlung aufregen, denn bei der Umsetzung für den Film wurden die grundlegenden Handlungselemente des Buches weitgehend fallengelassen.
Im Buch sind die Hauptpersonen durch ein kompliziertes Geflecht von Liebes- (oder Sex-)beziehungen miteinander verbunden, im Film sind davon nur unglückliche Verliebtheit und unverständliche Gespräche übergeblieben, die sich auf Elemente der Handlung beziehen, welche im Film nicht gezeigt werden...

Zum Glück hat der Film aber eine ganze Reihe schockierender und brüllend komischer Momente zu bieten, die für die fehlende Handlung entschädigen. Außerdem sind alle Charaktere perfekt besetzt, und eine 3-minütige Passage, welche die komplette (!) Europareise eines amerikanischen Backpackers (Victor) zeigt, ist so phänomenal komisch, daß sie allein schon das Eintrittsgeld wert ist!

Für alle, die den Film als Liebhaber des Buches anschauen: Bret Easton Ellis hat in einem Interview diesen Film als die bisher beste Umsetzung eines seiner Bücher bezeichnet. Das ist jedoch kein allzu großes Lob, wenn man die vorherigen Filmadaption ansieht: Bei "Less Than Zero " wurden eigentlich nur die Namen der Personen beibehalten & bei "American Psycho" wurden fast alle schockierenden und emotional verstörenden Passagen des Buches ausgelassen, was den Film zu einer ganz netten & völlig belanglosen schwarzen Komödie machte. Dieser Film trifft zumindest den Tonfall des Buches recht gut und ist auch wesentlich schonungsloser als die anderen Verfilmungen seiner Bücher, vereinfacht dafür aber die Charaktere sehr stark und beseitigt die sexuelle Ambivalenz der Personen und ihre Liebesbeziehungen, was auch diesen Film eher enttäuschend macht. Offensichtlich ist auch heutzutage ein bisexueller Hauptdarsteller dem Kinopublikum nicht zumutbar...

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