Der Film bringt uns direkt in die 80er Jahre ans Vermont College. Sean Bateman (James Van Der Beek) ist Drogendealer und schuldet seinem Dealerfreund Rupert 3000 Dollar. Außerdem verliebt er sich in die Jungfrau Lauren (Shannyn Sossamon), von der er denkt, Liebesbriefe zu bekommen. Diese hebt sich allerdings nur für ihren Ex-Freund Victor auf, der zurzeit auf Europareise ist. Der bisexuelle Paul möchte mit Sean zusammenkommen und Laurens Mitbewohnerin Lara (Jessica Biel) gibt sich jedem sexuellen Abenteuer hin...auch mit Sean und Victor. Das hört sich zunächst nach einer schlechten Teeniekomödie an, aber alle Charaktere verlieren sich in selbstzerstörerischen Lieben, die keine Aussicht auf Erwiderung haben. Und genau hier kommt Tiefe in Avarys Verfilmung des Romans von Bret Easton Ellis. Man verrät nicht zuviel, wenn man sagt, dass es bei den Charakteren von "Rules of Attraction", die immer wieder lernen müssen, dass gefühlloser Sex keine echte Liebe ersetzen kann, keine Gewinner gibt.
Gespielt werden diese von frischen, aber dennoch bekannten Hollywoodsternchen, wie Dawson's Creek Hauptdarsteller James van der Beek, Jessica Biel und Shannyn Sossamon. Sie verkörpern ihre Rollen alle mit der für diesen Film benötigten Routine und geben ein gutes Bild ab. Dies kann man auch von den meisten Nebendarstellern behaupten, auch wenn einige davon vielleicht nicht immer 100%ig überzeugen.
Avary bedient sich vieler Trickeffekte, um seine Message an die Zuschauer zu bringen. Bei der Vorstellung diverser Charaktere zu Beginn lässt er ganze Passagen samt Sprache rückwärts ablaufen. Einige Szenen zeigt er komplett aus den Blickwinkeln der Charaktere und kurz später wird das Splitscreenverfahren angewandt, um zwei Figuren gleichzeitig zu verfolgen. Bekannt aus diversen Indepentfilmen wirken diese Effekte meist amateurhaft oder nervend, aber nicht so bei "Rules Of Attraction". Sie fließen gekonnt ins Gesamtwerk ein und der Zuschauer gewöhnt sich relativ schnell an die mainstream-untypischen Effekte. Auch Retrospektiven kommen zum Einsatz - zwar vorhersehbar, aber dennoch effektiv.
Über einige Szenen lässt sich trotzdem streiten. Dabei meine ich nicht die "Skandalszenen" wie einen masturbierenden van der Beek oder das Mädchen, dass sich die Pulsader aufschlitzt. Viel eher stören leicht überzogene Szenen wie die, in der Sean zum ersten Mal im Film seinen Dealerfreund besucht. Die passen mit ihrer übertriebenen und lächerlichen Art nicht immer ins bitterbös-ironische Gesamtkonzept des Films, welches übrigens mit einem durchwegs sarkastischen Soundtrack unterstrichen wird. Über diesen kann man sicher auch geteilter Meinung sein - gleiches gilt für das abrupte Ende des Streifens.
Doch die Grundaussage des Films bleibt dennoch unverschleiert erhalten. Der Satz "I just want to know you" wird gen Ende zum Leitmotiv. Was du nicht willst, das tu keinem anderen an! Der Film kritisiert gekonnt die Ignoranz, das Abweisen, die Kälte und die seelischen Grausamkeiten, die sich Menschen jeden Tag gegenseitig antun - aber auch die Sinnlosigkeit von Leben und Sex. Er stellt die Fragen "Was ist Liebe? Was ist sie wert? Wie schnell kann sie nichtig werden? Wie schmerzhaft kann sie sein? Wie sehr kann man sich in Menschen täuschen?"... Die Willkürlichkeit und Grausamkeit des Lebens wird dem Zuseher rücksichtslos ins Gesicht gespuckt...und das effektvoll. Nur oberflächlich wirkt der Film banal und geistlos, in Wirklichkeit versteckt sich hinter "Rules Of Attraction" allerdings eine anspruchsvolle und durchdachte Reise durch die Abgründe der menschlichen Psyche ... eine bittere Symphonie selbstzerstörerischer Ironie mit einer boshaften Moral.
Roger Avarys Werk ist eine nicht immer ganz originelle aber verstörte und beeindruckende Bilderflut, die zeigt, dass das Leben gemein und herzlos ist, dass sich Menschen immer wieder wehtun und nie aus ihren eigenen Fehlern lernen. Selbst wenn "Rules Of Attraction" keinen Meilenstein der Filmgeschichte darstellt, so ist er dennoch einen Blick wert. Fans des soliden und ehrlichen Independentkinos dürften diesen Film gierig verschlingen.