Mit Auto Focus erzählt Paul Schrader ein weiteres Psychogramm, diesmal allerdings ein im Vergleich zu z.b TAXI DRIVER oder DER GEJAGTE recht seichtes, die Geschichte von dem B - Actor Robert Crane und seiner Sexsucht, die in den 60er Jahren Amerikas natürlich wenig erfreulich aufgenommen wird, und letztlich nicht nur seine Karriere sondern auch sein Leben zerstört.
Besetzt ist das Ganze mit Greg Kinnear, der zwar den Prototyp des bieder - sympathischen amerikanischen Mittelstands hervorragend verkörpert [ weil er es ist ], als Schauspieler selber aber zu wenig Ausdruck und Präsenz besitzt, um allein durch seine Darstellung eine Sogwirkung zu erzielen. Ein weiteres Manko ist, dass er zu weich wirkt, bei Crane selbst konnte man sich vorstellen, dass er nachts mit einer Videokamera um eine nackte Frau scharwenzelt, Kinnear wirkt oft wie überfallen.
Wirklich unterstützt von Schrader's Regie und dem flapsigen voice over wird er dabei aber auch nicht, es bleibt alles etwas distanziert und simpel abgefilmt, teilweise sogar als Komödie, wobei der Sprung ins Dramatische ab einer bestimmten Szene - Crane bekommt die 2ten Scheidungspapiere zugestellt - schon sehr plump erscheint. Es wird nämlich einfach dunkler und kälter in den Farben, nicht mehr so quietschbunt - fröhlich wie zuvor, und Kinnear bekommt graue wirre Haare und einen Schmerbauch verprasst, wenig sensibel.
Ansonsten hangelt man sich auch recht standardmässig von einer Szene zur nächsten, bis auf einen wirklichen Ausfall Crane's während einer Kochsendung spürt man auch nicht, wo nun das wirkliche Problem liegt. Sicher, er ist sexsüchtig, er nutzt andere Frauen und auch seinen ständigen Begleiter John Carpenter [ Willem Dafoe ] aus, aber die eigentliche Ursache für seinen Niedergang ist das Ausbleiben der Rollen, nicht die Sucht selbst, und es wird auch nicht erklärt, wie das im Zusammenhang stehen sollte.
Interessant ist der Film destotrotz, allerdings schadet eine gewisse Vorkenntnis der Crane - Rolle in HOGAN'S HEROES nicht.