Zahlreiche Western widmen sich einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Völkermord an den Indianern in Nordamerikaner. Filme wie "Das Wiegenlied vom Totschlag" oder "Der mit dem Wolf tanzt" verbildlichen die brutale Ausrottung, die weiße Siedler und ihr Militär zu verantworten haben. Doch auch in zahlreichen anderen Regionen der Erde ereigneten sich vergleichbare Genozide, so etwa auch in Australien, auch wenn sich die Situation dort teilweise nicht plump blutig sondern auch perfide eingefädelter darstellt. Die naturverbundene Philosophie und Lebensweise der Aborigines, der Ureinwohner des Inselkontinents, schien mit der ach so hochentwickelten Kultur der weißen Siedler in Australien nicht in Einklang gebracht werden zu können und so nahmen sich die vornehmen oberen Herren der Politk zum Ziel, das "Problem" mit dem sogenannten "Aboriginal Act" endgültig in Angriff zu nehmen.
Eine Vermischung der Rassen sollte verhindert werden und zu diesem Zweck wurden den Familien der Ureinwohner ihre Kinder entrissen, um sie in Umerziehungsanstalten systematisch den Sitten und Lehren ihrer Stämme zu entwöhnen und den Eingeborenen in ihnen drin Generation für Generation kontrolliert wegzuzüchten. Dieses unfassbare Unterfangen hatte bis ins Jahr 1970 (!) Bestand und der Film "Rabbit-Proof Fence" setzt diesen "stolen generations" ein spätes filmisches Denkmal anhand der auf Tatsachen basierenden ergreifenden Geschichte dreier Aborigine-Schwestern.
Molly und ihre zwei kleineren Schwestern Gracie und Daisy werden 1931 auf Befehl des Chief Protectors Neville, der in dieser Region die Vormundschaft auf jedes Aborigine-Kind für sich beansprucht, in eine christliche Umerziehungsanstalt verschleppt. Doch Molly, als Älteste der drei nicht mehr so leicht zu beeinflussen, fasst den Entschluss zu fliehen und so machen sich die drei gemeinsam auf den langen Heimweg. Einen Fährtenjäger und die Staatsgewalt an ihren Versen marschieren sie zu Fuß hunderte von Meilen quer durch ödes Land auf dem Weg nach Hause zu ihrer Mutter. Als Orientierungshilfen dienen die Sonne und vor allem ein sich durch halb Australien ziehender (titelgebender) Kaninchenzaun. Unterwegs müssen zahlreiche brenzlige Situation überstanden, mit Tricks Gefahren aus dem Weg gegangen und gegen Hitze, Hunger, Durst, Blasen an den Füßen und den Drang aufzugeben angekämpft werden.
Auch wenn "Rabbit-Proof Fence" filmisch außer den beeindruckenden, vor Hitze förmlich schwelenden, Bildern des australischen Outbacks einen eher soliden inszenatorischen Stil aufweist, profitiert er durch die pure bedrückende Substanz der Hintergründe der Geschichte und vor allem durch das intuitive, scheinbar selbstsichere Schauspiel der drei Kinderdarsteller, die der ohnehin auf Tatsachen beruhenden Geschichte noch mehr Authenzität verleihen! Auch wenn der Chief Protector in seinem Wesen mit seinem fehlgeleiteten Intellekt durchaus differenziert dargestellt wird, wirken seine Aufnahmen dagegen etwas steif und hölzern, was jedoch nicht weiter schlimm ist, passt es doch zu den verstockten, verrannten Plänen dieser brutalen Rassenpolitik.
Fazit: Sehenswertes Drama, das anhand der Einzelschicksale dreier Kinder den "Aboriginal Act" anprangert. (7,5/10)