Achtung, dies ist eine Warnung!
Der Genuß dieses Films könnte ihrem filmischen Geschmack schaden.
Die folgende Rezension dieses Stücks cineastischen Sondermülls ist bitte stets unter diesem Gesichtspunkt zu lesen. Es wimmelt übrigens von Spoilern, aber glauben sie mir, die sind notwendig...
Also bitte folgen sie mir an das Ende jeglichen Geschmacks...
Seien wir doch mal ehrlich! Wir die wir die Schund- und Schlitzerfilme schon im Dutzend eingepfiffen haben, sind doch hartgesotten. Finden wir nicht immer etwas Positives, weswegen sich eine Ansicht lohnt?
Das können wir hier vergessen. "Battlefield Earth" ist nicht einmal mehr eine Attacke auf den schlechen Geschmack, er ist schlicht und ergreifend wertlos. Ein sinnfreies, nutzloses Stück Dreck, daß einen Haufen Geld gekostet hat. Eine Zelluloidleiche ersten Grades, einfach nur scheiße.
Und dabei haben wir schon einen Haufen Müll gesehen. "The Watcher" z.B.! Aber letzterer war so schlecht, daß er wütend machte, aufgebracht, daß man es wagen konnte, den Leuten so einen Dreck anzudrehen. B.E. ist jenseits solcher Kategorisierungen - man kann nur noch in fassungslosen ungläubigen Staunen zusehen, wie wenig Intelligenz einem selbst als Zuschauer zugetraut wird und wie wenig man davon in einen Film investieren kann.
Übrigens kann man den Scientology-Unsinn, der im Zusammenhand mit diesem Film so gern verbraten wird, getrost vergessen, denn erstens ist die Lernmaschine der einzige Bezug, den man sich phantasievoll basteln kann (so a la Bewußtseinserweiterung) und zweitens schrieb Hubbard seine Romane einige Jährchen bevor er in einem Anfall geistiger Umnachtung (oder unheimlicher Geldgier) die größte Nepp-Sekte des Planeten aus der Tasche kramte.
Wenn B.E. beginnt, informiert uns erst einmal eine Schrift über die Ereignisse der vergangenen 1000 Jahre zwischen unserer Zeit und der Filmhandlung. Als erklärte Lieblingseinführung schlechter Filme hätte uns das schon warnen sollen, aber wir müssen ja wissen, wo und wann die bösen Aliens uns überfallen haben, um den Planeten auszubeuten.
Daraufhin wird erst mal unser Held eingeführt, Jonnie Goodboy Tyler, der zwar bisher in einem Stamm lebt, der sich mit einem Pfahlzaun schützt, aber trotzdem zwei Vornamen und einen Nachnamen hat! Und seine wehenden blonden Haar pflegt er offenbar auch mit Überresten von Shampoos, die seidenweichen Glanz verleihen. Unlogischerweise schmeißt man ihn auch gleich aus dem Kral, erklärtermaßen wegen erwiesener Neugier. Wir ahnen schon, gegen soviel introvertiertes Menschsein muß was getan werden und als persönliches Schicksal gibt auch Jonnies Vater gleich das Besteck ab. Also reitet er auf seinem weißen Hengst gen ehemaliger Zivilisation, den angeblichen Städten der Götter. Die erweisen sich als Ruinensiedlung in erstaunlich gutem Zustand, denn obwohl 1000 Jahre vergangen sind, sehen die Autowracks noch erstaunlich neu aus. Wir ahnen schon, General Motors ist unverwüstlich. Mit zwei aufgegabelten Partnern wird sich dann auch erst gar nicht der Handlungsentwicklung hingegeben, nein, die Aliens tauchen auf und betäuben die drei erstmal.
Hier gönnen wir uns die erste Actionsequenz, die eindrucksvoll beweist, daß Barry Pepper ein sportlicher Läufer ist (zu mehr kommt er leider nicht). Derlei sinnlose Fluchtversuche darf er dann übrigens noch den halben Film über unternehmen, damit er was zu tun hat.
In punkto Action leidet Regisseur Roger Christian offenbar unter dem Zwang, alles verlangsamt abzulichten, den Ton weg und den Score hochzudrehen, denn das wird er jetzt ständig wiederholen, wann immer Action angesagt ist. Wäre vielleicht noch zu ertragen, wenn der Score nicht so bodenlos langweilig und ideenarm wäre.
Nach erfolgter Gefangennahme kastelt man die drei ein und bringt sie in den Dom, eine Art Alienheimstatt, wo deren für Menschen giftige Atmosphäre herrscht, weswegen auch alle Sklaven einen Beatmungsschlauch an der Nase tragen, der in einer formschönen Nasenklammer endet. Der Sinn des Schlauchs ist bekannt, nur wie das Ganze funktionieren soll, bleibt ein Rätsel. (Habe kein Filter- oder Umwandlungsgerät entdecken können, daß jetzt die Luft umgewandelt hätte). Jedenfalls zischt es immer schön, wenn man es rauszieht.
Endlich dürfen wir auch einen Blick auf die Fremden werfen und siehe da, sie sehen wirklich so lustig aus, wie alle gespottet haben. Die drei Meter Größe halten wir zwar ein, wenn auch die Größenunterschiede ein wenig variieren, nur scheinen sich die Aliens auf ihren Stelzen ääh.. Beinen nicht sehr sicher zu fühlen. Zu Fuß sind sie so beweglich wie ein Storch im Treibsand, weswegen auch die Idee mit der rasanten Eroberung derErde dringender Erklärung bedarf .
Ansonsten erinnert der Look ein wenig an eine Kreuzung zwischen Rastafari, einem billig kostümierten Alien aus der Dr.Who-Serie und den Blaumiesen aus Yellow Submarine (sehr passend, denn die Psychlos mögen auch keine Farben, Natur und dergleichen).
Jonnie, Rebell der er nun mal ist, macht sich gleich beliebt und legt schnell einen Aufseher um.
Auftritt John Travolta. Der spielt den Sicherheitschef Kerl, der auf seinem Posten auf der Erde gar nicht glücklich ist. Trotzdem spielt er ihn so arrogant-ironisch-aufdringlich wie schon in "Schnappt Shorty", "Face/0ff" oder "Broken Arrow". Sehr außerirdisch, nicht wahr?
Außerdem kann er gar nicht glauben, daß ein Tiermensch wie Jonnie das fertigbringt, mal abgesehen vom bürokratischen Papierkram, den er nicht ausfüllen will. Während wir uns schon wiehernd wegrollen, drückt er Jonnie zum Beweis eine Knarre in die Hand und der legt auch noch einen zweiten um.
Das gibt einen Heiterkeitserfolg sondergleichen, nur die erwartete Liquidierung fällt aus.
Mmh, muß ja nicht alles logisch sein.
Dann folgt die Hochdruckreinigung der Tiermenschen, sinnvollerweise in vollen Urwaldklamotten. Da macht Jonnie natürlich auch nicht mit und haut wieder auf die Kacke.
Jeder Hund wäre schon eingeschläfert worden, Jonnie bleibt bei uns.
Das ist um so unglaublicher, als das Vaporisieren (aka Liquidieren) bei den Psychlos offenbar ein Volkssport ist, unentbehrlich bei einer Gesetzesstruktur, die sogar festlegt, nach wem man aufs Klo zu gehen hat.
Deswegen will Travolta ja auch weg. Gen Heimat. Darf er aber nicht, weil er mit der Tochter vom Imperator...naja, das ist also das Konfliktpotential. Klingt wie Sitcom? Ist auch so gespielt!
Während Jonnie in seinem Käfig seinen Artgenossen ein paar Menschenrechtsideen einpflanzt (jeder darf gleichzeitig aus dem Schweinetrog naschen), heckt Travolta einen fiesen Plan aus, um sich eine Goldader zu sicher, die noch nicht bekannt ist. Dazu braucht er aber Tiermenschenarbeiter, denn offiziell müßte er sie melden.
Nun dürfen Menschen aber nicht Metalle abbauen und können das offiziell auch nicht. Warum, weiß keiner, denn sie schleppen im Dom schon ordentlich Schrott durch die Gegend, aber vermutlich sind es arbeitsmarktrechtliche Fragen.
Hier erschließt sich ein großes Mysterium der Alien-Invasion, daß immer wieder aufstößt.
Einerseits wissen die Psychlos, daß sie binnen neun Minuten den Erdwiderstand vernichtet haben, also ihnen ein intelligenter Gegner gegenüberstand. Andererseits stellen sie die Menschen intellektuell mit Hunden auf eine Stufe, kategorisieren sie als primitiv, vermögen nicht, ihre Sprache zu sprechen, bzw. sprechen sie den Menschen ab. Kultur gabs auch nicht, obwohl überall dicke Städte rumstehen. Hallo? Herr Drehbuchautor?
Während Travolta also Intrigen spinnt, läuft Jonnie zum 21.Mal davon und bekommt jetzt richtig Ärger, weswegen er Travolta auch so richtig geeignet zum Schürfen erscheint. Klar, wir suchen uns den rebellischsten und agressivsten Menschen aus, der wird uns dann problemlos dienen. Ja, sicher....
Ergo pflanzt man Jonnie vor eine Lernmaschine, die ihm den Schädel erst mal so richtig vollknüppelt. Obwohl ihm nach Runde 1 schon beinahe das Hirn rausläuft, ist Travolta so schlau ihn bei der IQ-Prüfung so lange zu würgen, daß er kein Wort rausbekommt. Also braucht er wohl Runde 2 und anschließend kann Jonnie bei Günter Jauch antreten.
Als einzig richtige Entscheidung schleift er auch die Kameraden davor.
Danach läßt er die übrigen Mitgefangenen an seinem neuesten Wissen mal so richtig teilhaben, die eigentlich schon mit Grunzen voll beschäftigt sind und auf den Phytagoras-Satz natürlich nicht ganz so heiß sind. Ganz klasse auch die Tatsache, daß Jonnie dieses mathematische Grundwissen als euklidsche Geometrie bezeichnet, ein Begriff der einer Alienrassenlernmaschine wohl kaum geläufig sein dürfte. Trotzdem sind alle wahnsinnig beeindruckt.
Jedenfalls mimt er jetzt den Anführer, darf an der Leine bei Travolta laufen und wird aus irgendeinem sinnfreien Grund in die halbzerstörte Bibliothek von Denver geschleift, wo er (logo, ist doch ein US-Film) natürlich sofort die nur leicht eingestaubte Unabhängigkeitserklärung durchblättert. Na, wenn da nicht die Ideen sprießen.
Wir ahnen schon, jetzt kommt’s dicke und tatsächlich hält er die große aufrüttelnde Rede am Lagerfeuer, so schnell, daß man es kaum glauben will, aber wir haben ja auch noch viel vor und deswegen müssen alle gleich überzeugt sein. Da macht es gar nichts, daß nur gut ein Dutzend an der Maschine gelernt hat und der Rest die Sterne noch für Lagerfeuer der Götter halten.
Aber der Plan ist ja auch ein Reißer: wir greifen nicht die Psychlos an, nein wir zerstören gleich den ganzen Dom und dann sprengen wir im selben Zug gleich noch den Heimatplaneten der fiesen Besatzer. Es gibt viel zu tun...
Ergo nutzt man die Zeit, in der man eigentlich die Goldader ausbeuten sollte (die eh wie auf den Felsen gemalt aussieht) und kachelt nach Fort Knox, wo doch tatsächlich noch die gesammelten Goldvorräte parat stehen.
Nebenan stehen dann auch noch die nötigen Bomber (uaaah...), die die 1000 Jahre problemlos funktionsfähig und voll aufgetankt (aaargh)überstanden haben, samt Simulator, damit man mal ne Übungsrunde drehen kann. Bei der Gelegenheit findet man auch gleich einen frei rumliegenden Nuklearsprengsatz (aaaaaargh) und der im Ordner fehlende Anhang für die selige Selbstauslösung (man muß ja Problemstellungen einbauen) liegt seit 1000 Jahren passend auf einem Tageslichtprojektor (aaaaaaaaaaaaaaaaaaargh). Immerhin, ein Zugeständnis an tausend Jahre, der Projektor läuft nicht ganz problemlos, er flackert.
Da wir ja jetzt wissen, daß in dem Film nichts durchgebrannt ist, außer vielleicht die Gehirne von Drehbuchautor und Regisseur, wundert es auch keinen mehr, daß Grunzie und seine Freunde den Top Gun-Ergänzungskurs in wenigen Tagen vollenden. (Noch so ein irritierender Faktor, einerseits parlieren alle flüssig in grammatikalisch vollständigen Sätzen, sobald man sich aber anfeuert, fallen alle in ihre Haustierphase zurück. Zum Glück pinkelt keiner an einen Hydranten.)
Travolta vertrödelt die Zeit mit Goldstapeln und ist trotzdem weder überrascht noch aufgebracht, als dann tatsächlich draufgehauen wird, mit einem Angriff der frappierend an die Schlußoffensive aus "Independance Day" erinnert, incl. klemmenden Bombenschacht und zwei knuddeligen Typen, die sich nacheinander selbst hochsprengen, um erst den Dom und dann den Heimatplaneten auszulöschen, dessen Atmosphäre so praktisch ist, daß eine Bombe reicht. Übrigens, liebe Filmemacher und Hobbychemiker, die ihr an diesem Film gearbeitet haben wollt: Die Zündung bzw. das Verbrennen einen planetaren Atmosphäre sieht zwar so ähnlich aus, wie hier dargestellt, aber hinterher bleibt immerhin ein verbrannter Planet übrig. Aber ne Planetensprengung war irgendwie heißer, die war doch schon "Star Wars" cool....
Natürlich gibt's auch unten noch ordentlich Scharmützel mit Aliens, die so schnell wie Zombies sind und Rebellen, die todesmutig den Dom stürmen, richtige Amerikaner also. Auf die anderen in den Jets wird ein munteres Scheibenschiessen veranstaltet. Zum Glück geht der Dom noch rechtzeitig kaputt, so daß alle Aliens röchelnd verenden dürfen.
In der Zwischenzeit hat Jonnie dem Travolta-Kerl einen Arm weggesprengt und nun wiederum ihn in Fort Knox eingekastelt, was wohl ein Hauch von Ironie sein soll. Travola ist davon ebenso beeindruckt, wie er auf seine Armexplosion reagiert hat, nämlich gar nicht und wartet in seinem Affenkäfig vermutlich heute noch auf eine Fortsetzung, während Jonnie mit seiner Freundin wahrscheinlich im Starfighter dem Sonnenuntergang entgegenfliegt. Auf letzteres hat man gottseidank verzichtet, war auch so schlimm genug.
Dann hat das blöde Spiel endlich ein Ende und wir fragen uns, wieviel Idiotie man maximal in einem knapp zweistündigen Film unterbringen kann. Natürlich ist das eine komplette Beleidigung für die menschliche Intelligenz, aber ich will jetzt das Produktionsteam nicht zuviel schmähen, denn mit einer derartigen Boxofficebombe kann man halt auch in die Filmgeschichte eingehen.
Trotzdem kann man nicht mehr tun, als allen willigen Video- und DVD-Sehern von der Anschaffung dieses intellektuellen schwarzen Lochs abraten (und sei es auch nur leihweise).
Wer allerdings auf Trash steht, wird hier großartig bedient. In diesem Zusammenhang kann ich auch nur hoffen, daß diejenigen, die dem Film eine 9 gegeben haben, dies nur getan haben, weil sie vor Lachen beinahe gestorben sind und nicht weil sie die Qualität von B.E. bewerten wollten.
Und jetzt noch schnell die Bewertung, damit man es schon von weitem sieht: 1/10.