Ich bin ja begeisterter Trash Fan, und schaue mir als solcher eigentlich jeden noch so großen filmischen Schwachsinn an. Besonders erfreulich ist es da natürlich immer wieder, wenn man bei den Streifzügen durch die geistigen Offenbarungseide der Regisseure und Drehbuchautoren auf einen Film trifft, der nicht nur eine Reihe Topstars, sondern auch noch das Budget besitzt um wirklich ein großer Film zu werden, letztlich aber doch gnadenlos scheitert. Auf der Suche nach genau diesem Phänomen war ich auch, als ich mir jetzt (leider bzw. endlich) „Battlefield Earth“ angeschaut habe, den ich jetzt schon seit Jahren vor mir herschiebe, aber mich nie überwinden konnte ihn mir auch anzusehen.
Eines vorweg, der Film basiert ja af einer Sci_Fi Geschichte des Scientologie Gründers L. Ron Hubbard, und wurde mit tatkräftigem Einsatz sowohl vor als auch hinter der Kamera von Scientologie Mitglied John Travolta inszeniert, aber ich hatte während dem Ansehen nie den Eindruck einen Werbefilm für die Sekte zu sehen. Zumal ich, wenn ich bei Scientologie Mitglied wäre und was zu sagen hätte, mich so wieso schnellstens von dem Film distanzieren würde, denn mit diesem geistigen Totalausfall will wohl niemand freiwillig in Verbindung gebracht werden.
Da ich die Geschichte von Hubbard nicht kenne, kann ich natürlich nicht beurteilen wie nahe der Film an der Story ist, aber eines kann ich ganz sicher sagen, der Film entwickelt sich mit jeder Sekunde Spielzeit mehr zu einer der dämlichsten und dümmlichsten Geschichten die mir vor Augen gekommen ist. Das Grundgerüst ist dabei nicht mehr als ein x-beliebiges Sc-Fi Story Alibi. Wir schreiben das Jahr 3000 (das wird noch zu einem echten Problem für den Film) und die Erde wurde vor 1000 Jahren von Psychlos angegriffen, die dann auch den Widerstand der Menschen innerhalb von 9 Minuten gebrochen haben. Seitdem leben die Menschen teilweise in Höhlen, teilweise als Sklaven für die Psychlos, um für die Gold abzubauen. Wozu die das Gold brauchen wird übrigens nie erklärt, scheint also unwichtig zu sein.
Wird also so langsam mal Zeit, das die Herrschaft der 3Meter großen Klingonen, oh ne sind ja Psychlos, sehen nur aus wie haarige Klingonen, beendet wird. Also brauchen wir schnellstens einen Helden.Da wir aber in der ganzen Geschichte keinen finden, nehmen wir halt den arroganten, unsympathischen und besserwisserischen Johnny Goodboy Taylor (bei dem Namen bekomm ich Brechreiz), der bisher in einer Höhle wohnte jetzt aber loszieht und natürlich erstmal gefangen genommen wird. Nach mehreren Ausbruchsversuchen aus der Gefangenschaft wird ausgerechnet er ausgewählt in einem Lernverfahren das wissen der Psychlos zu …äh...erlernen. Das halte ich persönlich zwar für eine grandios bescheuerte Idee, den Feind mit dem gesamten eigenen Wissen auszustatten, wird sich aber im Verlaufe der weiteren Handlung noch als eher eine der kleineren „Logikschwächen“ im Drehbuch herausstellen.
Bis am Ende das Böse vernichtet ist und die Menschen in Freiheit leben können (wer hätte ernsthaft daran gezweifelt?) passiert aber noch so einiges, ich möchte hier mal nur ein paar Dinge rausgreifen, die vielleicht einen kleinen Eindruck davon vermitteln wie schlecht das alles ist.
So stellt der Film die Psychlos, die wie wir ja wissen in der Lage waren die Erde in 9 Minuten zu erobern, als grenzdebile Schwachmaten hin, die auf mich nicht den Eindruck machen als ob sie in 900 Jahren ein Dixi Klo einnehmen könnten. So haben sie z.B. exakt eine Siedlung auf der Erde, von der aus sie wohl die gesamte Welt kontrollieren. Aha.
Und am Ende lassen sich diese Wesen dann auch noch von einer Horde Wilder mit Maschinengewehren (die übrigens nach 1000 Jahren in einem Militärdepot immer noch einwandfrei funktionieren) vernichten. Die Wilden haben übrigens auch innerhalb weniger Stunden den Umgang mit den Fluggeräten der Psychlos gelernt, scheinen also sehr wissbegierig zu sein.
Das 1000 Jahre nicht nur den Waffen keinerlei Schaden zugefügt haben sondern auch noch eine komplette Bücherei intakt ist, natürlich inklusive aller Bücher, erscheint da dann schon fast als kleine Ungenauigkeit.
Aber auch Abseits von allen logischen Schwächen, es vergeht kaum eine Szene in der nicht eine auffällt, bietet der Film reichlich Gelegenheit sich zu wundern was der Autor wol geraucht hat. Für mich unerreicht in der Hinsicht ist die Szene, in der John Travolta, zu Einschüchterungszwecken einer Kuh (keine Ahnung warum die nach 1000Jahren immer noch leben und nicht von den hungrigen Wilden gefressen wurden) jedes Bein einzeln ab-vaporistiert, was die Kuh mit einem teilnahmslosen „Muh“ nach jedem abgeschossenen Bein quittiert. Unglaublich.
Überhaupt ist der Film voller Szenen in denen ich mir absolut nicht sicher bin ob sie als beabsichtigte Comedy Einlagen dienen sollen oder ernst gemeint sind, ich denke aber das sie wohl leider wirklich ernst gemeint waren. So etwa Travoltas Psychlo Gespielin die ihre Vorzüge zeigen darf, oder Travolta beim Kolben Saufen in der Psychlo Bar. Ganz groß auch die Szene in der Travolta nicht merkt, dass man ihm ein Explosivarmband an den Arm macht und selbigen absprengt. Das ist ganz großes Kino.
Ganz großes Kino ist auch der Inszenierungsstil von Regisseur Roger Christiian, der vollkommen zu recht nach diesem Film an nichts von Bedeutung mehr mitwerkeln durfte. Christian präsentiert den Film als wahllose Aneinanderreihung von Farbfiltern und schafft es ohne weiteres in den unsinnigsten Szenen Zeitlupeneffekte einzusetzen, die dem Film jedes Tempo (das er eh nicht hat) nehmen. Ganz groß auch die Tatsache (Christian erwähnt es auch noch ganz stolz im Audiokommentar), dass keine Szene mit einer waagrecht stehenden Kamera gedreht wurde, so gibt es dann eine schiefe Kameraeinstellung nach der nächsten und das Ganze geht spätestens nach 10 Minuten gewaltig auf die Weichteile. Gleiches gilt auch für die nervige Überblendmethode, das Bild immer von der Mitte her ausfaden zu lassen.
Die Actioneinlagen sind lahm und billig inszeniert. Zumeist rennt irgendwo ein Mensch weg, ein Psychlo schießt schlecht animierte Strahlen hinterher und den Menschen schmeißt es 5 Meter durch die Luft. *gähn*.
Optisch wird auch wenig geboten, und man darf sich schon fragen wo denn die 70Millionen Dollar Budget geblieben sind. Ich hoffe mal, sie wurden nicht komplett für die wenig überzeugenden am Computer entstandenen Hintergrundbilder der zerstörten Städte verschwendet. Auch die restlichen Computereffekte wirken eher mies, zu mal der Film ja nun wirklich noch nicht sooo alt ist. Die Flugzeuge der Psychlos sehen zumeist eher nach billigem PC Spiel aus und wenn dann am ende die Menschen mit 1000 Jahre alten Senkrechtstarter Jets anrücken, geht nicht nur die Grenze der Physik flöten, sondern auch das Können der CGI Techniker. Die restlichen Kulissen unterscheiden sich auch nicht wirklich von denen eines Pyum Films (und der könnte mit 70 Millionen Dollar vermutlich wirklich 1000 Jahre lang jedes Jahr zig Filme drehen.)
So dann jetzt noch zu den Schauspielern. Da fällt zunächst mal auf, das man wohl keine schlechtere Wahl für den vermeintlichen Helden und Retter der Menschheit hätte treffen können als Berry Pepper. Der zeichnet sich nämlich durch das fehlen eines 2. Gesichtsausdrucks aus und sieht so immer aus als ob ihm bereits beim Drehen des Films bewusst gewesen wäre, dass der Film seiner Karriere sicherlich nicht viel weiter helfen wird. Viel teilnahmsloser kann man so eine Rolle wohl kaum spielen. Zumal die Rolle auch noch wenig dankbar ist, denn die Figur wird einfach viel zu unsympathisch präsentiert. Das was Berry Pepper an Einsatz fehlen lässt liefert John Travolta als Bad Guy dafür gleich zu viel. Travolta overacted nicht einfach nur, er liefert hier so etwas wie die Galavorstellung, des Overacting ab. Er scheint zwar sichtlich Spaß daran zu haben, das ändert aber auch nichts daran, dass auch sein Charakter äußerst lächerlich wirkt. Neben den beiden genannten blamiert sich auch noch Forrest Whitacker, der hier mehr nach Möter (halb Mensch, halb Köter) aussieht als nach bedrohlichem Außerirdischen. Der Rest der Darsteller dürfte sich zwar auch schämen für das Mitwirken in diesem Film, aber sie haben das Glück in eher kleinen Rollen vertreten zu sein.
„Battlefield Earth“ ist wirklich ein unglaublich mieser Film. Da passt hinten und vorne nichts zusammen. Die Story ist einfach nur dumm, die Darsteller sind einfach nur schlecht, die Effekte und die Optik des Films sorgen zwar für unfreiwillige Erheiterung, sind aber auch einfach nur beeindruckend miserable. Ein Film zum abgewöhnen, den man nicht mal vom Standpunkt des „so schlecht das es schon wieder gut ist“ Arguments aus ansehen sollte. Wer aber trotz aller Warnungen nicht davor zurückschreckt sich den Film anzuschauen sollte sich am besten darauf gefasst machen, das er hier der wohl idiotischsten Verschwendung von 70Millionen Dollar beiwohnt. Einziges Highlight bleibt für mich die Kuh. Ich könnt mich immer noch totlachen, nur beim Gedanken an diese Szene. „muh!“