kurz angerissen*
Die Kinderbuchserie um einen in London gestrandeten Bären aus Peru trifft unter Paul King auf eine wohlüberlegte und bedacht inszenierte Realverfilmung. Harmlos genug, um ganze Familien mit Kleinkindern involvieren zu können, stets jedoch so reflektiert, um nicht zu geistlosem Kinderquatsch zu geraten, parcouriert der der Regisseur und Drehbuchautor mit sicherem Tritt durch die Geschichte und bietet nicht nur die Kuschelwetteratmosphäre eines herrlich verregneten London, sondern auch eine nahtlos fließende Storyline mit dem gerade notwendigen, präzisen Schuss an Action, Spannung und Humor. Der Sprung zwischen Familienalltag und Abenteuer gerät auf diese Weise äußerst glaubhaft, zumal bereits die erste Erkundung des Hauses der Browns einer Expedition gleicht, bei der beispielsweise Treppengeländer (vor einem riesigen Baum-Wandgemälde) und Badewannen zweckentfremdet werden und die Brücke zum Peru-Prolog im Super-8-Entdeckerstil schlagen.
Herrlich bodenständig auch das Casting um Hugh Bonneville, Sally Hawkins und die Jungschauspieler Samuel Joslin und Madeleine Harris, wohingegen Nicole Kidman auf der Gegenseite möglicherweise etwas zu sehr an klassische Disney-Antagonisten erinnert, andererseits aber doch auch vom Nebel britischer Aristokratie umweht ist. Paddington selbst wird von Ben Wishaw originalgetreu als Fettnäpfchentreter mit Benehmen dargestellt. Seine Animation folgt – ebenfalls originalgetreu – einem naturalistischen Strich, der in emotionalen Regungen wie Ängstlichkeit, Frohsinn, Trauer oder Erschrecken karikiert wird. Schlußendlich ein nüchterner, tapsiger Held, der auf seine Umwelt stets mit einer Mischung aus Wissbegier und Überrumpelung reagiert.
Eltern dürfen hier wirklich mit ihrem Nachwuchs sitzen bleiben, ohne einen gelangweilten Abend zu erleben.
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