Für viele gehören Familienzusammenkünfte an Weihnachten einfach dazu, doch in nahezu jeder Sippschaft gibt es mindestens einen Weihnachtsmuffel, auf den man dabei gerne verzichten würde und was bereits einige Male zum Bestandteil typischer Weihnachtskomödien stilisiert wurde. Der Streifen von Tristram Shapeero, der bisher überwiegend TV-Serien produzierte, orientiert sich bei der Geschichte stark an Vorbilder wie "Schöne Bescherung" mit Chevy Chase, dessen Originalität erreicht er jedoch zu keiner Zeit.
Boyd (Joel McHale) möchte wie jedes Jahr mit seiner Familie Weihnachten feiern, doch die Tauffeier seines Neffen führt sie an Heiligabend zum verhassten Vater Virgil (Robin Williams) ins acht Stunden Autofahrt entfernte Wisconsin. Kurz vor der Bescherung stellt Boyd fest, die Geschenke für seinen Jüngsten nicht mitgenommen zu haben und entschließt sich, hurtig noch einmal heim zu fahren. Dad Virgil begleitet ihn nicht ganz freiwillig, woraufhin Reibereien vorprogrammiert sind...
Es ist einer der letzten Streifen mit Robin Williams, in dem er anschaulich unter Beweis stellt, dass ein Saufbold und Stinkstiefel wie Virgil nicht nur negative Seiten, sondern auch nuanciert dargestellte emotionale Grundzüge besitzt. Sein Charakter sticht folgerichtig deutlich hervor, während die übrigen Erscheinungen überwiegend von Klischees geprägt sind: Eine stets einlenkende Großmutter, ein White-Trash-Familienteil mit entsprechenden Söhnen, eine neutrale Mutter, eine frühreife Tochter und ein nerdiger Jung-Vater mit einem auffallenden Spleen. Zwar sympathische Erscheinungen, jedoch weitgehend oberflächlich in die Szenerie geworfen, um eben jeden Part einer kunterbunten Sippschaft einzubinden.
Sonderlich heimelig geht es zwar nicht zu, da aufgrund der erwähnten Klimaerwärmung kein Schnee in Sicht ist, doch ein paar halbwegs festliche Lieder, einige fröhlich beleuchtete Kulissen und schließlich das Auftauchen eines nicht ganz so taufrischen Santa hauchen dem Ganzen etwas leicht Weihnachtliches ein.
Storytechnisch werden indes keinerlei Überraschungen geboten, da die Kluft zwischen Vater und Sohn bereinigt werden soll, anbei die Zeit bis zur Bescherung naht, ein Cop mit Weihnachtsmütze zum eher faden Running Gag verkommt und die Wartenden entweder saufen oder Gurken von 1973 vertilgen, mit entsprechenden Nebenwirkungen.
Das ist alles recht amüsant und kurzweilig zu verfolgen, haut jedoch nicht vom Hocker, da die Gagdichte nicht allzu hoch ist, etwaige Action lediglich aus Andeutungen besteht und die so genannten Magic Moments ausbleiben, in der der Funke des Weihnachtsgefühls überspringen könnte.
Was bleibt, sind 78 Minuten lockere, jedoch nie tiefgründige Unterhaltung mit weitgehend ordentlich performenden Mimen, einigen frechen und rotzigen Sprüchen, jedoch wenig Situationskomik und ein bisschen Kitsch mit schlichten Konfliktlösungen.
Okay für die Vorweihnachtszeit, dürfte sich allerdings nicht zum alljährlichen Must-See entwickeln.
Knapp
6 von 10