Review

Oh Schreck! Das Moor-Monster (Günther Brandl) ist los! Wieder einmal schlägt die vergewaltigte Natur zurück, gebiert aus leichtfertig entsorgtem Atommüll eine grüne, mordlüsterne Zottelkreatur, die gleich mal die Jagdsaison auf leicht- bis unbekleidete Mädels eröffnet. Dem überbösen Schurken Frank Corman (Jürgen Lill) ist es egal; der denkt nur an sein neues Projekt, welches noch mehr Geld in seine eh schon gut gefüllten Kassen spülen so. Nach einem Massaker im Autokino (Ort der Handlung ist Kentucky), bei dem der Kreischpegel neue, luftige Höhen erklimmt, weiß Sheriff Cohen (Günther Brandl), daß jetzt nur noch einer helfen kann. Dieser hat jedoch leider keine Zeit, und so muß der ständig Donuts und Süßigkeiten mampfende Gesetzeshüter mit dem coolen Großwildjäger-Duo Jack Wood (Thomas Pill) und Jackie Franco (Monika Brandl) vorlieb nehmen. Die engagierte Zeitungsreporterin Carrie Cunningham (Romy Glasel), die verrückte Wissenschaftlerin Dr. D'Amato (Katharina Buchberger) sowie deren intelligenter Affe Dr. Cornelius Bobo (Helmut Brandl) schließen sich den Jägern an. Wird es ihnen gelingen, die wilde Bestie unschädlich zu machen?

Die Brandls haben wieder zugeschlagen! Mit dem prägnant aber treffend betitelten Moor-Monster! legen die umtriebigen No-Budget-Filmer aus der niederbayerischen Marktgemeinde Arnstorf ihr dreiundfünfzigstes Werk vor (*). Diesmal wagen sie sich frohgemut und unbekümmert auf eingeseiftes, flutschiges Terrain, auf dem schon so mancher engagierte Filmemacher ausgerutscht und böse auf die Nase gedonnert ist. Moor-Monster! ist nämlich eine Komödie, eine schrille Parodie auf so ziemlich alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. In erster Linie nimmt der launige Streifen natürlich allerlei Horrorfilmklischees auf die Schippe und steht damit in der Tradition von Filmen wie Repossessed oder dem Scary Movie-Franchise. Aber auch die Pointen-Stakkatos des berühmt-berüchtigten Trios ZAZ dienten augenscheinlich als Vorbild, wobei man den Brandls zugutehalten muß, daß sie es vermeiden, unter die gefürchtete Gürtellinie abzurutschen. Ohne jedwede Scheu, sich völlig zum Horst zu machen, klatschen uns die Geschwister Gags, Gags und noch mehr Gags um die Ohren. Kein Witz ist zu billig, keine Idee zu blöd, kein Joke zu abgefahren, kein Einfall zu abstrus. Für das Ziel, das Publikum zum Lachen, Kichern oder zumindest zum Schmunzeln zu bringen, ist einfach jedes Mittel recht.

Das beginnt bei der netten Eröffnung in Form eines lahmen Found-Footage-Streifens, reicht über die ziemlich sinnbefreite Inkludierung von drei skurrilen Aliens und endet ganz bestimmt nicht mit dem ans Ende getackerten, fiktiven Trailer zum "Sequel" Angriff der Riesenschnecke (in Stop-No-Motion). Dazwischen werden so unterschiedliche Filme wie Wrong Turn, Signs, The Human Centipede, Creature from the Black Lagoon, The Fly, Jaws, Planet of the Apes und Mad Doctor of Blood Island verarscht, aber auch Fernsehserien wie CSI, das unsägliche Reality-TV oder kultige Werbespots (ich sage nur: "In der Tat!") bekommen ihr Fett weg. Während man sich mit gorigen Einlagen (trotz eines Bodycounts von 67!) zurückhält, wird mit selbstzweckhaften Nuditäten nicht gegeizt. Ganz köstlich ist da die Sequenz, in der das Monster eine leichtbekleidete, großbusige Blondine verfolgt und ihr ein Kleidungsstück nach dem anderen vom Körper rupft, bis sie pudelnackt um ihr Leben stolpert. Und eine Duschszene darf natürlich auch nicht fehlen. Cineasten dürfen sich an einer stimmigen Stummfilmsequenz ergötzen, Ninjas schauen auch mal kurz vorbei, und lehrreich ist Moor-Monster! obendrein ebenfalls. Zum Beispiel führt man uns die schreckliche Anatidenphobie (= die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden) vor Augen. Die Benennung der Figuren nach diversen großen, unvergessenen Genreregisseuren ist in Filmen dieser Art fast schon Pflicht, und auch die liebgewonnenen Verkleidungen (aufgeklebte Bärte, Perücken, etc.) - eine Passion der Brandls - muß man nicht missen.

Obwohl Moor-Monster! mit seiner zweistündigen Laufzeit etwas lang geraten ist, so wurde ich im Großen und Ganzen sehr gut unterhalten und habe ich mich bisweilen köstlich amüsiert. Natürlich entpuppen sich bei dieser irrwitzigen Gag-Parade viele der Jokes als Blindgänger, aber das spielt insofern keine große Rolle, da genug der Gags zünden. Daß der fast zum Nulltarif (man munkelt von etwa tausend Euro) entstandene Streifen zahlreiche Mängel aufweist, sowohl inszenatorischer und technischer als auch dramaturgischer und - ganz besonders - schauspielerischer Natur (die Cast besteht fast ausschließlich aus Laiendarstellern), sollte niemanden überraschen. Damit muß man bei solchen für 'n Appel und 'n Ei hergestellten Filmen halt leben. Als Ausgleich steckt da so viel Freude und Leidenschaft, Kreativität und Ideenreichtum, Enthusiasmus und Herzblut drinnen, daß mir all die Schwächen ehrlich gesagt ziemlich egal sind. Was das Ganze dann noch ein gutes Stückchen charmanter und sympathischer macht, ist die offen zur Schau gestellte Selbstironie der Macher, die offensichtlich über eine gesunde Portion derselben verfügen. So macht das rasant-durchgeknallte Moor-Monster! gleich noch 'nen Tick mehr Spaß!


(*) Obwohl die Geschwister Günther, Helmut und Monika Brandl, die sich das Filmemachen in jungen Jahren selbst beigebracht haben ("learning by doing", wie es Günther Brandl im Gespräch mit den Film Maniax ("Du kannst alles drehen! - Interview mit Brandl Pictures") bezeichnet), zweifellos talentiert sind, betrachten sie die Filmerei lediglich als Hobby, welchem sie in ihrer Freizeit nachgehen. Und beim Hobby sollte nun einmal der Spaß im Vordergrund stehen, auf den das sympathische Trio auch großen Wert legt. Aus diesem Grund haben sie nach der einen oder anderen professionelleren und damit auch wesentlich stressigeren Arbeit (wie z. B. dem großartigen Deep in My Mind) die Reißleine gezogen und den Schritt zurück zu kleineren und somit entspannteren Produktionen gemacht.

Details
Ähnliche Filme