Ab und an ist es recht interessant und spannend, in die Seele eines Serienkillers zu blicken. Keith Hunter Jesperson war beispielsweise verheiratet und hatte drei Kinder, bewarb sich erfolglos bei den Mounties, bevor ihn seine Kindheit einholte und Provokationen die düstere Seite des Familienvaters hervorbrachten. Regisseur Rick Bota fand mit David Arquette die perfekte Besetzung für den Serienkiller, während er die Ermittler reichlich dilettantisch aussehen lässt.
Jesperson (Arquette) ist Fernfahrer und völlig verzweifelt, als er einen Trennungsbrief von seiner Frau vorfindet, in dem sie erklärt, warum nach 15 Ehejahren Schluss sein soll. Kurz darauf trifft er in einer Bar eine junge Frau mit der er im Bett landet. Sie wird sein erstes Opfer. FBI-Agentin Gand (Gloria Reuben) tappt völlig im Dunkeln, wer Frauen ermordet und dabei einen Smiley auf der Leiche hinterlässt…
Daher auch der Titel vom geltungssüchtigen Jesperson, der das Zeichen nicht nur am Tatort hinterließ, sondern auch in anonymen Bekennerschreiben. Denn als sich eine Frau der Polizei stellt und behauptet, ihr Mann habe das erste Opfer umgebracht, wird Jesperson regelrecht sauer. Interessant ist bei alledem das ambivalente Wesen des Killers, welcher immerhin eine langjährige Ehe führte, ohne dass es auch nur Anzeichen für gewalttätige Neigungen gäbe.
Ein paar Rückblenden in die Kindheit bemühen indes das Klischee des Tierquälers, wobei sich dieses in vielen Fällen als düsteres Vorzeichen bewahrheitet.
Leider gerät das Treiben insgesamt nie wirklich spannend. Zwar vermag Arquette die Rolle locker zu tragen und performt beinahe ein wenig drüber, doch kommt es weder zu mitreißenden Auseinandersetzungen mit den Opfern, noch sind die Aufzeichnungen fürs Videotagebuch sonderlich ansprechend ausgefallen. Nur ein Mord wird explizit festgehalten, alle anderen finden im Off statt, was die FSK16 locker gerechtfertigt.
Was demgegenüber Fragezeichen entstehen lässt, ist die Ermittlungsarbeit, in der Forensik offenbar komplett ausgeklammert wird. Entweder die waren Mitte der Neunziger wirklich so stümperhaft, oder es handelt sich um zahlreiche Regiefehler. Denn nach einem Bekennerschreiben, welches den Speichel des Killers enthält, erfolgt weder eine DNA-Probe, noch wird er vorm Öffnen genauer untersucht. Ohnehin tragen Ermittler an diversen Tatorten nie Handschuhe, auch der Täter trägt keine. Es werden weder Reifenabdrücke analysiert, noch gibt es Schriftprobenvergleiche. Dabei gilt der genetische Fingerabdruck bereits seit Mitte der Achtziger als deutliches Indiz.
Ansonsten ist der TV-Film auf handwerklicher Ebene unauffällig, was durchaus positiv zu bewerten ist. Der Score geht in Ordnung, die teils schäbig anmutenden Schauplätze taugen durchaus und auch das Timing stimmt in vielen Belangen.
Allerdings wird versäumt, eine Zeit einzublenden, denn nur anhand der älteren Handymodelle und der Benutzung eines Videorekorders lassen sich die Neunziger vermuten.
Alles in allem ist der „Happy Face Killer“ nur einer von vielen Serienkillerfilmen, die in Ansätzen interessant sind, jedoch zu sehr nach altbekannten Mustern ablaufen, um in irgendeiner Form zu überraschen oder gar zu fesseln. Arquette holt noch relativ viel aus der ambivalenten Figur heraus, doch für ein fundiertes Täterprofil sind viele Szenen zu oberflächlich ausgefallen. Wer sich für die Materie interessiert, könnte einen Blick riskieren, mitreißende Spannung sollte man jedoch nicht erwarten.
5,5 von 10