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Viele Stephen-King-Verfilmungen leiden unter einer zu oberflächlichen Abhandlung. Speziell den komplexeren Werken kann ein 90-Minuten-Film kaum gerecht werden, wogegen Kurzgeschichte dankbare Vorlagen bieten. Regisseur Mikael Salomon konzentriert sich aufs Wesentliche, wobei „Big Driver“ nicht zu den stärksten literarischen Ergüssen Kings zählt.

Kriminalautorin Tess (Maria Bello) ist auf dem Heimweg von einer Lesung, als mitten in der Einöde ein Reifen platzt. Ein hünenhafter Trucker (Will Harris) scheint einzuspringen, doch dieser vergewaltigt die Autorin und lässt sie zum Sterben zurück. Tess überlebt und schleppt sich heim und plant fortan einen Rachefeldzug…

Maria Bello, der man ihr Alter (Jahrgang 1967) beileibe nicht ansieht, muss die Geschichte nahezu im Alleingang tragen, da es neben ihr kaum reale Figuren gibt. Zwar schaut zweimal eine Nachbarin vorbei, doch ansonsten unterhält sie sich mit ihrem Tom Tom und Doreen, einer alten Dame, welche eine ihrer Romanfiguren darstellt und Tess als Alter Ego Fragestellungen und Lösungsansätze auf den Weg gibt.

Eine dargestellte Vergewaltigung ist immer drastisch, doch Salomon gleicht die Härte seiner fürs TV produzierten Geschichte an und arbeitet mit Andeutungen, anstatt rohe Gewalt zu zelebrieren. Hinzu gesellen sich im Verlauf einige Verletzungen, wodurch eine FSK16 angemessen erscheint.

Auf atmosphärischer Ebene weiß die Erzählung durchaus zu punkten, zumal die eigentliche Isolation der Hauptfigur treffend auf den Punkt gebracht wird. Auch die Beweggründe für ihren Alleingang sind nachvollziehbar, denn schlechte Publicity kann niemand brauchen, zumal persönliche Genugtuung stets stärker wiegt als Gerechtigkeit im bürokratischen Sinne.
Außerdem wäre es mal ein absoluter Downer, schlichtweg die Cops zu rufen, Festnahme und Filmende.

Stattdessen wird Ahnenforschung online betrieben, es bestätigt sich die frühe Vermutung von mehr als nur einer bösen Figur und es geht zwischenzeitlich reichlich konstruiert zu, als Tess relativ reibungslos von A nach B gelangt, obgleich sie dabei einige taktische Fehler begeht.
Immerhin stimmt das Erzähltempo, es entstehen nur minimale Längen, der Score fällt solide aus und auch sonst ist handwerklich nichts zu bemäkeln.

Dank einer intensiv aufspielenden Maria Bello bleibt man am Ball, der Rachefeldzug hätte zwar noch ein wenig unbarmherziger ausfallen dürfen, doch wer nicht die Härte eines „I Spit on your Grave“ benötigt, ist hier relativ gut aufgehoben.
„Big Driver“ zählt gewiss nicht zu den stärksten King-Verfilmungen, inszenatorisch und spannungstechnisch ist der Stoff jedoch brauchbar.
Knapp
6 von 10

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