Review

kurz angerissen*

„Big Driver“ entstammt derselben Kurzgeschichtensammlung wie „A Good Marriage“. Die Verfilmungen zu beiden King-Vorlagen erschienen fast auf den Tag zeitgleich im Oktober 2014... und nehmen identische Formen an, denn hier wie dort liegt ein typischer Billigheimer der Marke King vor – Charaktere mit endlos vielen Macken in einem zwischen moderatem Grusel und gemäßigten Thrill verorteten Abenteuer, das so fantasielos gefilmt wie uninspiriert erzählt ist.

Maria Bello gibt sich redlich Mühe, ihrer Figur etwas Komplexes und in letzter Instanz Feministisches einzuhauchen – denn letztlich ist „Big Driver“ genau das, ein feministischer Film. Wendet man sich mit dem Abschluss der Geschichte jedoch dem Resümee zu, erkennt man ein ärgerlich simples Spiel mit Gut-Böse-Polarität, vor allem aber mit grenzenloser Naivität, die von Gewalt aufgefressen wird. Um das naive Blondchen im Minirock zu spielen, das seine ganze Realität aus den selbst erdachten Bücherwelten und dem Handy-Tratsch mit der besten Freundin schöpft, ist Bellos gesamte Erscheinung sichtbar zu verbraucht, auch vor dem einschneidenden Erlebnis am Ende des ersten Aktes; halbwegs interessant wird ihre Rolle somit erst, wenn sie von ihren inneren Dämonen wahrlich herausgefordert wird.

Mikael Salomon („Salem's Lot“, „Nightmares & Dreamscapes“) fällt dazu aber nicht mehr ein als verdächtige Intelligenz aus dem Navigationsgerät und eine in fahlem Schwarzweiß gehaltene Selbstbeobachtung bei einer Vergewaltigung. Der TV-Ursprung dieser Produktion ist jederzeit präsent, ebenso wie die zugrundeliegende Kurzgeschichte, die sich durch eine äußerst reduzierte Handlung bemerkbar macht, welche mit hysterischen Selbstgesprächen und endlosem Verharren bei antriebslosen Nebenfiguren auf Filmlänge aufgebauscht wird.

Dass die Hauptfigur immer wieder durch glückliche Fügung des Schicksals auf die richtige Bahn geschoben wird wie der Trapezkünstler durch den Windstoß im richtigen Moment, dient natürlich bequem der Prämisse, eine starke Frau zu präsentieren, die mit ihrem imaginären Teeclub ihren Seelenfrieden macht; interessanten Fragen geht dieser Ansatz allerdings aus dem Weg.

*weitere Informationen: siehe Profil

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