Irgendwo in den US-Südstaaten, im ländlichen Alabama, nimmt die Polizei gerade einen mutmaßlichen Serienmörder fest, auf dessen Grundstück menschliche Überreste gefunden wurden. Doch bei der Überstellung in ein Bundesgefängnis gelingt es dem massigen Delinquenten, unterwegs aus dem Polizeifahrzeug zu fliehen.
Nicht weit davon entfernt sitzt das junge Pärchen Amanda und Steven in einem Schnellrestaurant und läßt sich gerade das angepriesene "beste BBQ von Alabama" schmecken - die beiden besuchen am Halloween-Vorabend Stevens Onkel Morgan, der mitsamt einigen freiwilligen Helfern die traditionelle Hayride vorbereitet: Das titelgebende Event besteht aus einer nächtlichen Rallye durch Captain Morgans Farm, bei der die Zuschauer sich zur allgemeinen Gaudi durch einige Geisterbahn-Effekte erschrecken lassen. Gezogen von einem Traktor sitzen sie auf einem Anhänger, während die mit Masken, Lautsprechern und anderen Hilfsmitteln vorbereiteten Helfer dann und wann "überraschend" aus dem Gebüsch springen - ein harmloses Vergnügen für Jung und Alt. Der Legende nach treibt sich in jener Nacht nämlich ein verstorbener Verwandter von Onkel Morgan dort herum: Der Pitchfork genannte, mit Kartoffelsack über dem Kopf maskierte und mit Heugabel bewaffnete Killer hatte seine Frau ermordet und sucht nun überall nach seiner Tochter, dabei eine Blutspur in jedem Haus hinterlassend - so zumindest schildert es Captain Morgan augenzwinkernd seinen Helfern am nächtlichen Lagerfeuer. Alles scheint in bester Ordnung, nur die Pitchfork-Maske ist verschwunden und welcher Helfer in diesem Jahr den legendären Bösewicht spielt, will Onkel Morgan nicht verraten...
Für den geneigten Leser ist es freilich keine Überraschung, daß diese Rolle vom entflohenen Gewalttäter ausgeübt werden wird, der ein allerdings echtes Blutvergießen zelebrieren wird.
Die US-Amateur-Produktion Hayride lehnt sich, wie schon aus dieser Einleitung zu erahnen, überdeutlich an die großen Vorbilder wie TCM, Freitag der 13. oder Halloween an, trägt also storytechnisch nichts Neues zum sattsam bekannten, unerwartet zuschlagenden maskierten Killer bei. Dazu kommt eine nicht immer gelungene Schnitttechnik, die speziell bei den nicht sonderlich blutigen Metzelszenen ein sehr geringes Budget offenbart und die Morde oftmals nur mittels Geräuschen im Off stattfinden läßt. Da das Hauptgeschehen in der Nacht spielt, ist auch die eher semiprofessionelle Kameraführung mit teilweise schnell wechselnden Perspektiven nicht sonderlich übersichtlich geraten - immerhin kann man dem Plot des Slashers aber trotzdem einigermaßen leidlich folgen. Abstriche gibt es daneben auch bei der deutschen Synchro zu machen, die an einigen Stellen die Hintergrundgeräusche ausblendet, so daß beispielsweise ein lautstarker Motorsägenangriff plötzlich durch einen Satz unterbrochen wird, um danach wieder dröhnend weiterzugehen - das wirkt peinlich, ist aber nicht Regisseur Terron R. Parsons anzukreiden.
Was Hayride jedoch von Dutzenden anderer gleichartiger, die erwähnten Vorbilder eher schlecht als recht kopierenden Slashern unterscheidet, ist die erkennbare Mühe, die man sich bei der Inszenierung gemacht hat: So werden die Hauptfiguren Amanda und Steven ausführlich vorgestellt, und auch Onkel Morgan erhält viel (für mich fast schon zu viel) Zeit, die Legende vom Pitchfork in Rückblenden dazulegen - daß er dabei grinsend erwähnt, daß jeder der die Legende kennt derselben noch die eine oder andere frei erfundene Ausschmückung hinzufügt, läßt darauf schließen, daß der Regisseur seine Geschichte selbst nicht so ganz ernst nimmt. Auch die ab und zu auftauchenden dezenten Hinweise auf die Vorbilder (so trägt z.B. einer der Helfer eine Jason-Vorhees-Maske, die dann an der Axt des Pitchfork-Killers klebt) sowie Andeutungen auf die nicht immer sonderlich intelligent(e) (agierende) Landbevölkerung (einige der Helfer werden als ausgesprochene Dumpfbacken dargestellt) verbunden mit reichlich Lokalkolorit ("hier bei uns in Alabama") geben dem Slasher einen familiären und damit sympathischen Touch. Auch hat man sich bei den Basics durchaus Mühe gegeben: Die Polizeiuniformen sehen einigermaßen nach Polizeiuniformen aus (und nicht, wie schon zu oft gesehen, nach dunklen Anoraks mit hastig aufgeklebten POLICE-Banderolen), die Hayride-Helfer tragen teilweise extra dafür angefertigte T-Shirts und für die Verfolgung des Serienkillers (der Parallelstory zum Gruselfest) hat man einen Denzel-Washington-Verschnitt (Filmname Loomis [sic!]) engagiert, der den behäbigen Dorfsheriffs Dampf macht, sogar ein (vielleicht ausgedientes?) Polizeifahrzeug hat man an einem Baum geschrottet.
Stellt man all dies in Rechnung und betrachtet das kolportierte Gesamtbudget von nur knapp 60.000 $, wird das Endergebnis zwar nicht wirklich besser, stellt aber fast schon das Maximum dessen dar, was um dieses Geld filmtechnisch zu machen ist. Der Umstand, in einen (auch schlechten) Film Herzblut einfließen zu lassen, ist zumindest mir einen Extrapunkt wert. Wer sich also jahrelang durch Slasher-Dutzendware gequält hat und keine sonderlichen Innovationen mehr erwartet, kann sich mit Hayride trotz aller Unzulänglichkeiten zumindest halbwegs - mit einem Augenzwinkern - gut unterhalten lassen: 4,51 Punkte.