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England 2014: Mißmutig sitzt Tauchexperte Robinson (Jude Law) mit ein paar Kollegen in einem Pub und sinniert über seine trübe Zukunft: Gerade eben wurde er von seiner Firma entlassen, nach über 10 Jahren harter Arbeit - Arbeit, über der er seine Familie verloren hatte. Ein Kollege hat einen heißen Tip: Vor kurzem wurde bei einer Tauchaktion im schwarzen Meer nebenbei ein versunkenes deutsches U-Boot entdeckt, dessen Geschichte dem Bergungsunternehmen jedoch nicht bekannt war: Zu Beginn des 2. Weltkriegs soll angeblich von sowjetischer Seite ein millionenschwerer Goldschatz übergeben worden sein, um Hitler gnädig zu stimmen und dessen Angriff auf Russland abzuwenden bzw. hinauszuzögern - die Übergabe habe stattgefunden, das U-Boot jedoch nie sein Ziel erreicht. Jetzt liege somit ein millionenschwerer Goldschatz in 90 Meter Tiefe an einer dem Tipgeber  bekannten Stelle und warte seit Jahrzehnten auf die Bergung. Schnell fasst Robinson einen Entschluß und trommelt eine gemischte Crew aus den besten seines Fachs zusammen - Briten und Russen. Nachdem ein ominöser Sponsor gefunden ist, trifft sich die sehr heterogene Truppe in Russland an Bord eines uralten, verrosteten russischen U-Boots in erbärmlichem Zustand - die Schatzsuche kann beginnen...

Eine etwas merkwürdige Einführung hat sich Regisseur Kevin Macdonald da ausgedacht, um sein Ensemble auf Tauchfahrt im titelgebenden schwarzen Meer - black sea - zu schicken - dennoch vermag man der Story zu folgen, auch wenn die Tauchcrew, zu der auch ein 18jähriger Herumtreiber sowie ein pensionierter Freund mit Konditionsproblemen gehört schon gewaltig Konfliktstoff in sich birgt. So dauert es auch nicht lange, bis die ersten Streitereien zwischen den Crew-Mitgliedern ausbrechen, zunächst noch ums Essen, kurz darauf jedoch geht es schon um den Anteil an der Beute: Einige der Engländer sind der Ansicht, daß die vier Russen zuviel bekommen - und das, obwohl Skipper Robinson hier absolut paritätisch vorgeht und jedem Mann denselben Anteil verspricht. Für ihn als Commandante geht es nicht nur um das Gold an sich, sondern auch darum, sich mit seinem Anteil Unabhängigkeit zu verschaffen, nicht mehr das tun zu müssen, was ihm irgendein Vorgesetzter anschafft - und seiner alten Firma, die ihn rausgeworfen hat, damit auch kräftig in den Allerwertesten zu treten. Dummerweise ist - darauf bestand der Sponsor - auch ein Mitarbeiter genau dieser verhassten Firma mit an Bord, ein unsympathischer Bürohengst, der von allen gemieden und an Bord nur geduldet wird. Als der russische Vorarbeiter und Dolmetscher von einem der Briten erstochen wird, eskaliert die Situation: Beide Seiten teilen sich auf jeweils eine Schiffseite auf. Unter größter Mühe gelingt es dem Skipper, wieder alle zur gemeinsamen Zusammenarbeit zu bewegen - und das Schatzboot ist auch schon in Reichweite...

Wie sich die Geschichte dann weiterentwickelt, ist trotz einiger Logiklöcher durchaus spannend abgefilmt, besonders die Aufnahmen im U-Boot sowie einige Außenaufnahmen von Tauchgängen auf dem Meeresgrund machen Laune. Gelungen ist auch die Auswahl der Darsteller: Neben dem stoisch an sein Ziel glaubenden Skipper spielen die Crewmitglieder sehr überzeugend (hier zu nennen z.B. der Russe mit der Mütze am Sonar-Horchposten, aber auch der um Ausgleich bemühte Brite Reynolds), darüber hinaus gibt es einige emotional anrührende Szenen, z.B. als sich die eben noch verfeindeten Männer gemeinsam darüber freuen, wie sie das U-Boot nach einer Panne wieder zum Laufen bringen. Unerklärlich freilich bleibt, wie so eine Unternehmung grundsätzlich von der Schwarzmeer-Flotte und sonstigen Organisationen unbemerkt bleiben kann, auch das Auftauchen einer solch großen Menge Goldes und das "Flüssigmachen" derselben dürfte kaum unbemerkt vonstatten gehen. Während man sich als Zuseher noch darüber wundert, daß an Bord des gesunkenen U-Boots in 70 Jahren konservierter Luft (was so ein U-Boot-Druckkörper alles aushält!) neben dem bestens erhaltenen Gold einige wenige Skelette (nicht Leichen) in NS-Uniform vorgefunden werden, ist der tonnenschwere Schatz in nullkommanix auf einen Schlitten verladen und ebenso schnell wie von Zauberhand an Bord des russischen Oldtimers geschafft - genauso wie übrigens die 70 Jahre alte Antriebswelle, die in die defekte Maschine des inzwischen havarierten russischen U-Boots passt und der Crew damit eine Rückkehr an die Oberfläche ermöglicht...

Trotz der historisch hanebüchenen Einführung und einiger "physikalischer Ungereimtheiten" im Drehbuch bleibt Black Sea dank guter Schauspieler ein sehenswerter Action-Streifen mit einigen sozialkritischen Aussagen, dessen Ende nicht unbedingt vorhersehbar ist - 6,5 Punkte.

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