Review

Für „Taken 2“ hatte Produzent und Drehbuchautor Luc Besson, ebenso wie Regisseur Olivier Megaton, viel Schelte von den Kritikern erhalten, an der Kasse wurde der Film aber zum Erfolg, weshalb ein dritter Teil mit Potential zur Fehlerkorrektur folgte.
Tatsächlich spielt „Taken 3“ nicht wie der direkte Vorgänger noch einmal das Entführungsszenario des Erstlings unter anderen Vorzeichen durch, sondern sucht einen anderen Weg den Profi Bryan Mills (Liam Neeson) in die Bredouille zu bringen. Der arbeitet immer noch als Personenschützer, hängt immer noch mit den Kollegen aus dem Business ab und behütet Tochter Kim (Maggie Grace) wie einen Augenstern. Diese wohnt mit ihrem Freund zusammen, geht zur Uni und pflegt genaue Routinen, wie auch ihr Vater – tatsächlich spricht „Taken 3“ das aus, was der Erstling schon im Bild zeigte, nämlich den Hang der Mills-Familie zu einer Art OCD, wenn es um Genauigkeit, Tagesabläufe und Planung geht.
Auch mit seiner Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) versteht sich Bryan gut; diese ist jedoch mittlerweile mit dem Geschäftsmann Stuart St. John (Dougray Scott) verheiratet. In der Ehe der beiden kriselt es, weshalb Lenore sich mit ihrem Ex bespricht und ihn eines Morgens zu einem Treffen bittet. Doch als Bryan vom Bagelholen zurückkommt, findet er Lenore ermordet auf und draußen tönen bereits die Polizeisirenen. Mord statt Entführung also, aber immer noch ein auf sich alleine gestellter, persönlich involvierter Bryan Mills auf Rachefeldzug, das ist nur begrenzt neu, offenbart aber die typische Sequelproblematik des Spiels mit Variation und Wiederholung.

Bryan hängt seine Verfolger ab und macht sich auf die Suche nach Antworten, wer Lenore getötet und ihn als Schuldigen präsentiert hat. Die Cops auf der Jagd nach Bryan werden derweil von dem erfahrenen Franck Dotzler (Forest Whitaker) angeleitet, der nicht so leicht zu täuschen ist…
So wird der dritte Teil der „Taken“-Reihe zur „Auf der Flucht“-Variante, bei der Mills seine Fähigkeiten auf die eher nette Weise einsetzt und die Cops lediglich kampfunfähig macht, ehe er dann im letzten Filmviertel zum Gegenangriff übergeht und sich die Übelwichte in gewohnter Manier vorknöpft. Wobei deren Identität dem Zuschauer, einer Anfangsszene um mörderische Russenmafiosi sei Dank, schon recht klar ist, mit wem sich Mills da anlegt und auch der letzte Twist bezüglich der Mordmotive wirkt nicht wirklich überraschend, eher wie ein Herauszögern des Endes, denn nach dem eigentlichen Showdown muss noch ein zweites, weniger handgreifliches Finale mit einer etwas größeren Zerstörungssequenz her.

Leider holt Megaton nie das volle Potential aus der Konstellation heraus, da die Polizei fast immer zwei Schritte hinter Mills wandelt und lediglich Dotzler als Gegenspieler taugt. Dem hat man gleich zwei Ticks (Rumspielen mit Schachfigur und Gummiband) verpasst, damit auch der letzte im Publikum versteht, dass er über eine ähnlich obsessive Auffassung der Welt wie Mills verfügt, doch seine Brillanz kann er meist dann bei der Untersuchung eines Ortes beweisen, wenn Mills schon über alle Berge ist. Dessen Ermittlungen werden dagegen deutlich von Freund Zufall angeleitet, etwa wenn er sich in Gefahr begibt um Kim persönlich zu sehen (ohne dass dies wirklich Not täte), dabei dann aber zufällig eine wichtige Information gerät, dann hakt das Drehbuch leider schon deutlich. So sind es dann eher Einzelszenen bei dem Katz-und-Maus-Spiel, bei denen Megaton dann immerhin passagenweise leichte Adrenalinausschüttungen produzieren kann, meist dann, wenn Mills seiner Verhaftung nur knapp entgeht, was zwar wenig originell, aber recht ordentlich in Szene gesetzt ist.
Von der Action kann man dies leider nicht durchweg behaupten. Einen Fluchtversuch Mills, bei dem er erst seine Bewacher in einem Polizeiauto ausschaltet und sich anschließend eine Verfolgungsjagd mit den Begleitfahrzeugen liefert, ist komplett verschnitten und lässt die (teilweise CGI-unterstützten) Crash- und Krawall-Momente in der hektischen Montage untergehen. Wenn Mills seinen Verfolgern dann noch entkommt, indem er sein Auto einen stockwerketiefen Fahrstuhlschacht hinunterjagt und der Wagen sich genau so verkeilt, dass Mills kurz über dem Boden unverletzt aussteigen kann, dann toppt man in Sachen Unglaubwürdigkeit die Granatenwurfsequenz aus dem Vorgänger. Immerhin: Eine erfrischend rohe Supermarktprügelei und das Apartmentgefecht lassen das alte „Taken“-Feeling aufkommen, wenn Mills seine Gegner in gewohnt realistischen Nahkampfsituationen und Shoot-Outs mit einer Mischung aus Taktik und roher Gewalt über den Jordan schickt.

Die zwischenzeitlichen Versuche tiefer in Bryans Familienleben einzusteigen sind von begrenztem Erfolg gekrönt. Hin und wieder bekommt man zwar ein paar kleine Einblicke in das Seelenleben der Hauptfigur in diesem dritten Teil, der ausschließlich im sonnendurchfluteten L.A. spielt, doch diese werden um dem Preis von diversen eher pathetischen oder eher unfreiwillig Familienszenen unguter Länge erkauft, etwa wenn Kim ihrem Dad erst gestehen will, dass sie schwanger ist, seinen Rat sucht und nach einer Anti-Kinder-Tirade seinerseits sagt sie wolle ihn wegen der Anschaffung eines Hundewelpen fragen. Und leider sind die paar Charakterzüge mehr, die der Film damit erkauft, nicht von großer Tiefe, noch sind sie inmitten des Actionthrillerkonstrukts wirklich interessant – ein Beweis mehr dafür, wie viel der erste Teil in kleinen Gesten über seine Hauptfigur kommunizieren konnte ohne sich dabei zu viel unnützes Fett auf die Rippen zu packen.
Gewohnt stark ist dabei immerhin das Spiel von Liam Neeson als Mann zwischen persönlicher Tragödie und eiskaltem Profitum, dessen Performance auch über manche Drehbuchschwäche hinwegtröstet. Dagegen versucht sich Forest Whitaker in seiner nächsten Coprolle innerhalb kurzer Zeit (nach „The Last Stand“ und „Zulu“) noch annehmbar aus der Affäre zu ziehen, soweit das Drehbuch in lässt, doch so wirklich zum Zuge kommt er nicht; da wusste er schon besser Akzente zu setzen. Maggie Grace ist solala als Töchterlein, Famke Janssen kann aus ihren wenigen Szenen das Beste machen und Dougray Scott spielt routiniert im Schmierlappenmodus als nicht so doller neuer Ehemann von Mills‘ Ex. Der Rest vom Fest spielt solide, hat aber wenig zu tun, auch wenn bekannte Nebenrollengesichter wie Leland Orser, Jon Gries oder Al Sapienza ihren (teilweise schon in den Vorgängern zu sehenden) Figuren etwas mehr Profil verleihen können.

Dank eines hohen Tempos, des gewohnt starken Liam Neeson und einiger ruppiger Kampfszenen bietet „Taken 3“ noch akzeptable Actionunterhaltung, ist aber weit von dem glorreichen Erstling entfernt. Das geänderte Konzept bringt nicht die benötigte Frische, wirklich packend ist Megatons Film nie und manche Spektakelszene wird in der Montage komplett verschnitten – für einen Abschluss der „Taken“-Reihe hätte man sich da schon mehr gewünscht als diese halbgare „Auf der Flucht“-Kopie.

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