Review
von Alex Kiensch
Diesmal wird es noch persönlicher: Im dritten Teil der inhaltlich ebenso fragwürdigen wie kommerziell erfolgreichen "96 Hours"-Reihe muss Liam Neeson einen schweren Verlust verkraften und, gehetzt von der Polizei, seine Unschuld beweisen und die wahren Verbrecher zur Strecke bringen. Das kommt diesmal fast ganz ohne Osteuropa-Gangster-Klischees aus und deshalb ist "96 Hours - Taken 3" auch der beste Beitrag der Reihe.
Nicht nur, dass hier endlich ein halbwegs akzeptables Menschenbild zum Vorschein kommt, auch inszenatorisch bewegt sich der dritte Teil auf einem höheren Niveau als seine Vorgänger. Die Action rockt endlich richtig: Krachende Verfolgungsjagden, heftige Schießereien und brutale Faustkämpfe lassen das Adrenalin des Zuschauers regelmäßig höher schlagen. Zwar bleibt die Kamera ihrem viel zu verwackelten Stil treu und auch die Schnittfrequenz ist weiterhin so stakkatohaft, dass man mitunter kaum Details erkennen kann - alles im Namen des Versuchs, künstlich Tempo zu erzeugen - aber immerhin wird hier mit viel Aufwand und größtenteils gelungenen Spezialeffekten ein beeindruckendes Feuerwerk abgefackelt.
Der größte Pluspunkt des Films ist aber, dass er es diesmal tatsächlich schafft, seinen Figuren einen Hauch von Charaktertiefe zu verleihen. In der ersten Hälfte gibt es mehrere ruhigere Passagen, in denen die Darsteller ihre Figuren zum Leben erwecken dürfen. So gibt Liam Neeson seinem emotional angeschlagenen Bryan Mills endlich eine menschliche Dimension und auch Maggie Grace agiert hier überzeugender und natürlicher als in den ersten beiden Teilen. So gelingt es dem Film, den Zuschauer auch emotional ein Stück weit mitzureißen, was der ganzen Geschichte viel mehr Intensität und Dichte beschert.
Von allen Nebenfiguren kann man das allerdings nicht sagen. Mit Forest Whitaker betritt ein neuer großer Name die Bühne - allerdings bleibt seine Rolle als Detective darauf beschränkt, hinter Mills aufzuräumen und nicht zu wissen, was eigentlich los ist. Da wurde einiges Potenzial verschenkt. Auch bleiben dem dritten Teil einige Schwächen treu, bedingt durch das gleiche Autorenteam (unter anderem Luc Besson) und den Regisseur Olivier Megaton. Neben der zu hektischen Inszenierung einzelner Actionsequenzen ist das die arg vorhersehbare und immer wieder unnötig brutale Story, die so ganz ohne Klischees und Heldenverehrung eben doch nicht auskommt. Und auch die eine oder andere Unglaubwürdigkeit zu viel muss man hier verkraften - etwa wenn Mills seiner Tochter etwas in den Joghurt tut, damit ihr schlecht wird, und dann genau weiß, auf welche Toilette im Universitätsgebäude sie gehen wird.
Solcherlei Detailschwächen verhindern, dass "96 Hours - Taken 3" ein richtig guter Reißer werden kann. Aber immerhin: Das wichtigste, nämlich die Action, erfüllt dieser Trilogie-Abschluss bravourös, er ist kurzweilig und unterhaltsam und kommt ganz ohne menschenverachtende rassistische Ressentiments aus. Alles in allem also der Höhepunkt der Reihe und der einzige Beitrag, den man Genre-Fans bedenkenlos empfehlen kann.