Catherine Breillat beschreibt nach "Romance" erneut Problematiken der weiblichen Sexualität. Da es sich diesmal jedoch um zwei 12- und 15-jährige Mädchen handelt, die sich mit dem "ersten Mal" auseinandersetzen, wird das Geschehen bei weitem nicht so offen und freizügig geschildert wie in ihrem bisher bekanntestem Werk "Romance".
Das hier aufgeführte Geschwisterpaar ist von vielen Unterschieden gekennzeichnet. Die jüngere Anais ist sehr pummelig und ersehnt sich erste sexuelle Kontakte mit einem Unbekannten, wobei sie dies in Selbstgesprächen und Liedern zum Ausdruck bringt. Die hübsche Elena hingegen verguckt sich sehr schnell in einen italienischen Studenten, den sie in einem Cafe kennenlernt und ihr alsbald die große Liebe verspricht. Anais reagiert verständnislos und die Familie zersplittet sich zusehends...
Ein sehr ruhiger Erzählstil gibt den beiden Hauptdarstellerinnen viel Freiraum zur Entfaltung ihrer Rollen, wobei die jeweiligen individuellen Vorstellungen von Sexualität sehr präzise vermittelt werden. Um so unvermittelter und drastischer geht es dann am Ende zur Sache, als sich in einer meines Erachtens dargebotenen Traumsequenz die Wut von Anais an den naiven Vorstellungen ihrer Schwester entlädt. Es mag sich jeder ein Urteil über diese brutale Szene machen, jedoch regt sie zum Nachdenken an und die Meinungen diesbezüglich werden sicher auseinandergehen. Ein (bis auf jene Sequenz) sehr unaufdringlicher und subtiler Film, der wirkt. 7/10