"Wollt ihr Frieden oder Krieg?"
Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Thorin Eichenschild (Richard Armitage) und die anderen Zwerge konnten den Drachen Smaug aus dem Einsamen Berg Erebor vertreiben und ihre einstige Heimat sowie den darin beherbergten Schatz zurückerobern. Smaug lässt seinen Zorn allerdings an den Menschen der Seestadt Esgaroth aus, die der Gruppe geholfen haben. Bard (Luke Evans) schießt Smaug vom Himmel, jedoch ist Stadt im Feuer verloren. Somit ziehen die Einwohner in Richtung Erebor, um dort Unterschlupf zu suchen.
Thorin verfällt derzeit der Goldgier und lässt niemanden von außerhalb in den einsamen Berg hinein. Während sich die Kunde über den Tod von Smaug verbreitet und Heere der Menschen, Elben, Zwerge und Orks sich dem Erebor nähern um das Gold und die taktische Lage für sich zu beanspruchen, kämpfen Zauberer Gandalf (Ian McKellen) und Saruman (Christopher Lee) sowie die Elben Galadriel (Cate Blanchett) und Elrond (Hugo Weaving) gegen eine ebenso große Bedrohung in der Festung Dol Guldur.
Der zweite Teil endete mit einem enorm offenen Ende, wodurch es wenig verwunderlich ist, dass "Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere" mitten hinein in die Geschichte einsteigt. Obgleich der Titel einen ordentlichen Ausblick Richtung Finale gewährt, muss zuvor die Altlast des Drachen Smaug ihr jähes Ende finden. Somit gehören die ersten Minuten ganz ihm und dem Konflikt in Esgaroth. Ein enorm stimmungsvoller Einstieg, dem eine ruhigere Dreiviertelstunde folgt.
Erstaunlicherweise sind die ruhigen Momente die stärksten des Epos. Die Goldgier des Zwergenkönigs Thorin erzeugt eine enorm angespannte Atmosphäre. Ebenso die heranrückenden Heere. Vor den Toren des Erebor stellen sich die Streitkräfte auf und stehen sich kurzzeitig gegenüber. Verhandlungen und Diplomatie stehen nicht im Vordergrund, nehmen aber doch einen angenehmen Rahmen ein, der ausbaufähig gewesen wäre.
Dank gebrochener Charaktere lebt die fantastische Welt noch einmal auf und vergisst seinen eigentlichen Helden beinahe aus dem Auge. Tatsächlich ist es dann auch der Mangel an Seele und einer aufrichtigen Abarbeitung der zahlreichen Figuren, die "Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere" nicht mit dem Finale der "Der Herr Ringe Reihe" gleichziehen lässt. Im kürzesten aller Mittelerde-Filme fehlt es einfach an der Ausarbeitung und Nähe zu den Figuren.
Das folgende, monumentale Schlachtengemälde ist visuell beeindruckend. In den unfassbar detaillierten Aufnahmen finden sich jedoch nur uninspirierte Bewegungsabläufe. Nach nur kurzer Zeit gehen dem Film die Ideen aus, obwohl er immer weitere Kreaturen in das Getümmel wirft. Erst in bedeutenden Zweikämpfe zwischen handlungsrelevanten Charakteren findet sich eine einfallsreiche Choreographie.
Die Gefechte wirken zwar brachial und brutal, jedoch überaus blutarm. Da werden Köpfe und Gliedmaßen abgeschlagen ohne, dass der rote Lebenssaft fließt. Auch so mancher Schnitt beim Durchbohren eines Gegners mutet abrupt an. Diese comichaften und inkonsequenten Szenen schaden der mittelalterlichen Atmosphäre genauso, wie so manche unfreiwillig komische oder skurrile. Hier wird möglicherweise eine erweiterte Fassung noch Abhilfe schaffen.
Wie erwartet liefert "Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere" beeindruckende Bilder. Reale Landschaftspanoramen, digitale Kulissen und fantastische Kreaturen wirken wie aus einem Guß. Die 3D-Effekte erschaffen viel Tiefe, auch wenn sie nicht wirklich relevant sind. Feuer und Nebel ergeben das optische Highlight zu Klängen, die weniger einprägsam sind.
Die Darsteller wirken eingespielt, zeigen abseits von Richard Armitage ("Captain America: The First Avenger") jedoch keine schauspielerische Klasse. Armitage nutzt seine gebrochene Figur für eine sehr wandlungsfähige Performance. Martin Freeman ("Per Anhalter durch die Galaxis", "Sherlock"), Ian McKellen ("X-Men"-Reihe), Christopher Lee ("Star Wars"-Reihe), Cate Blanchett ("Babel", "Der seltsame Fall des Benjamin Button"), Hugo Weaving ("Matrix"-Reihe, "Cloud Atlas"), Orlando Bloom ("Troja", "Fluch der Karibik"-Reihe) sowie Evangeline Lilly ("Real Steel") bleiben wegen unzureichenden Möglichkeiten fern von ihren möglichen darstellerischen Leistungen.
"Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere" ist erzählerisch flott, sodass Längen nicht vorkommen. Die optische Opulenz ist ein manches mal etwas viel des guten, besonders bei den recht einseitigen Schlachten. Dem Finale des Epos mangelt es mit voranschreitender Laufzeit an Emotionen, denn dies lassen die pausenlosen Gefechte nicht zu. Trotz zahlreichen Möglichkeiten Kritik zu üben ist der Film dennoch besser, als sein direkter Vorgänger. Auch wenn der finale Übergang zu der "Der Herr der Ringe"-Reihe etwas erzwungen und gehetzt wirkt.
8 / 10