Domhnall Gleeson spielt einen jungen Programmierer, der bei einer firmeninternen Verlosung gewinnt. Nun darf er den von Oscar Isaac gespielten Konzernchef in dessen abgelegenen Labor besuchen, wo sich der Tüftler vor der Öffentlichkeit versteckt. Dort erfährt der glückliche Gewinner, dass er einen Turing-Test mit einem Roboter durchführen soll, den sein Chef entwickelt hat. Dieser ist sich nämlich nicht ganz sicher, ob es ihm gelungen ist, eine künstliche Intelligenz zu erschaffen.
„Ex Machina“ kann durchaus als kleiner Überraschungshit bezeichnet werden. Der britische Spielfilm, der mit einem bescheidenen Budget von gut 10 Millionen Euro auskam und vom Regie-Debütanten Alex Garland verfilmt wurde, erhielt von der Kritik überwiegend Lobgesänge, sodass man durchaus gespannt sein konnte, ob der Sci-fi-Film denn tatsächlich so visionär und innovativ ist, wie auch der Trailer es bereits andeutete. Dass Garland, der auch das Drehbuch verfasste, durchaus interessante aber auch bedrückende Zukunftsvisionen zu kreieren vermag, hat er mit den Vorlagen zu “28 Days Later“, „Alles, was wir geben mussten“ sowie „Sunshine“ schließlich bereits mehrfach unter Beweis stellen können. Wer deshalb mit allzu hohen Erwartungen in den Film geht, wird dennoch enttäuscht werden, wenngleich es sich durchaus um einen guten Sci-fi-Thriller handelt.
Und der beginnt viel versprechend. Der junge Programmierer findet sich nach der gewonnenen Verlosung umgehend bei seinem Chef ein, einem bärtigen, öffentlichkeitschauen Silicon-Valley-Typen, der sich abends besäuft, tagsüber trainiert und in seinem abgeschiedenen Labor an künstlicher Intelligenz arbeitet. Dieser kommt schnell zur Sache und bittet den Besucher, einen Turing-Test mit seinem Roboter Ava durchzuführen, der dann bestanden ist, wenn die künstliche Intelligenz, ihr Verhalten und ihre Emotionen, nicht vom menschlichen Verstand unterschieden werden kann. Dann starten auch schon die Sitzungen. Der Reiz des Films besteht im Anschluss vor allem darin, dass zu keinem Zeitpunkt wirklich klar ist, wer gerade mit wem spielt, wer getestet wird, was die wahren Motive der Akteure sind, weil sich kaum jemand wirklich in die Karten schauen lässt. Früh ist klar, dass der verschrobene Begründer einer sehr erfolgreichen Suchmaschine seinem Besucher nicht alles gesagt hat, was er über die künstliche Intelligenz weiß und dass er offensichtlich nicht nur den Roboter beobachtet und analysiert. Nach und nach kristallisiert sich aber auch heraus, dass die künstliche Intelligenz mit dem jungen Programmierer spielt, der ja eigentlich sie testen soll. Da sich die Geschichte gängiger Genrekonventionen über weite Strecken entzieht und daher stets unvorhersehbare Ereignisse eintreten, gestaltet sich diese interessante Konstellation sehr spannend, zumal Garland die wahren Absichten der Akteure erst im Schlussspurt enthüllt.
Der fällt dann aber allzu überkonstruiert aus. Garland reiht in den letzten Minuten mehrere 180°-Wendungen aneinander, versucht damit letztendlich zu krampfhaft, den Zuschauer mehrfach hinters Licht zu führen. So wirkt der bis dahin sehr gelungen konstruierte Thriller schließlich etwas überladen und hinterlässt einen faden Beigeschmack, der durchaus vermeidbar gewesen wäre. Schlecht ist das Ende aber auch nicht, weil einige Wendungen durchaus überzeugen und das Geschehen insgesamt ordentlich auflösen. In den Dialogen des Firmenchefs mit seinem Angestellten wird immer wieder die Problematik künstlicher Intelligenz aufgegriffen, über technische und evolutionäre Fortschritte diskutiert, was teilweise sehr interessant ist und bestens unterhält, stellenweise aber auch etwas aufgeblasen und pseudo-philosophisch anmutet. Die Sitzungen der Hauptfigur mit der künstlichen Intelligenz, die sich in ihn verliebt zu haben scheint, leben dagegen vor allem von der emotionalen Spannung. Ärgerlich ist aber, dass die Figuren dabei eher blass bleiben, so entspricht der Firmenchef vor allem dem Klischee des verschrobenen, eigenbrötlerischen Silicon-Valley-Tüftlers an einer Firmenspitze und auch dem Programmierer hätte die eine oder andere interessante Facette definitiv gut getan.
Inszenatorisch leistet Garland bei seinem Debüt weitgehend gute Arbeit, findet oft die richtigen Bilder und erzeugt im abgeschotteten Laborkomplex über weite Strecken eine dichte, klaustrophobische Atmosphäre, durch die der Film immer wieder Spannung erzeugt. Lobend sind auch noch die guten Spezial-Effekte zu erwähnen, die bei einem Budget dieser Höhe keine Selbstverständlichkeit sind. Garland setzt überwiegend auf sterile, wenngleich sehr gut durchkomponierte Bilder und einen distanzierten Blick auf das Geschehen um den Preis, dass es den Zuschauer emotional kalt lässt. Das Schicksal der Figuren fesselt emotional kaum, obwohl Garland durchaus versucht, mit Gefühlen zu arbeiten und Dramatik zu erzeugen. Darstellerisch gibt es dagegen sehr wenig zu bemängeln. In der Hauptrolle gibt es einen guten Auftritt des jungen Domhnall Gleeson zu sehen, der die Unsicherheit seiner Figur in der beengenden, ungewohnten Umgebung gelungen transportiert, in den entscheidenden Momenten aber auch eine beeindruckende Souveränität zu zeigen vermag. Mit dem Charismatiker Oscar Isaac ist die Rolle des exzentrischen Firmengründers nahezu perfekt besetzt. Isaac ist jederzeit unglaublich präsent und spielt seine undurchsichtige Figur jederzeit perfekt. Da wundert es nicht, dass Isaacs Kariere in letzter Zeit zunehmend an Fahrt aufnimmt. Die ebenso überzeugende Alicia Vikander, der man den Roboter mit Gefühlsleben jederzeit voll und ganz abkauft, muss sich dabei keineswegs hinter ihren männlichen Kollegen verstecken.
Fazit:
„Ex Machina“ lebt von seinen interessanten Grundideen und seiner spannenden Figurenkonstellation, von den guten Darstellern sowie den undurchsichtigen Figuren, die sich nicht in die Karten schauen lassen. Gleichzeitig ist der Film aber auch so steril, dass er emotional kaum zu packen vermag, stellenweise etwas aufgeblasen und allzu sehr darum bemüht, die ganz großen Fragen zu stellen. Ärgerlich ist auch das etwas überkonstruierte Finale, das den einen oder anderen Haken zu viel schlägt, was aber nichts an einem insgesamt sehr ordentlichen Grundeindruck ändert. Eine Empfehlung ist „Ex Machina“ aufgrund der innovativen Einfälle, der unkonventionellen Erzählweise und des hohen Unterhaltungswerts auf jeden Fall wert.
74 %