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Seichtes Spiel mit doppelten Böden

Der junge Progammierer Caleb (Domhnall Gleeson) arbeitet beim Internetgiganten Blue Book. Eines Tages gewinnt er einen firmeninternen Wettbewerb. Der Preis: Eine Woche mit Nathan (Oscar Isaac), dem CEO des Unternehmens. Doch Nathan denkt nicht daran, mit seinem Angestellten Urlaub zu machen. Er hat Grösseres im Sinn: einen Turing-Test. Nathan soll die von ihm geschaffene Roboter-Frau Ava (Alicia Vikander) darauf prüfen, ob sie ein Bewusstsein hat. Die aufmüpfige Ava entwickelt allerdings bald ein Eigenleben. Sie begehrt gegen ihren Schöpfer Nathan auf, und Caleb gerät zwischen die Fronten.

Ex Machina (2015) ist mal wieder so ein Film, der sich klüger gebärdet, als er in Tat und Wahrheit ist. Die Frage, inwiefern Maschinen menschliche Züge annehmen können, ist ein klassischer Stoff des Science-Fiction-Kinos. Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland unterfüttert das Thema mit einem netten Thriller-Gerüst, das durchaus bei Stange hält. Herzstück des Geschehens ist der saufende Konzernchef und Roboterbastler Nathan, wunderbar natürlich portraitiert von Oscar Isaac (Inside Llewyn Davis). Isaacs Charakter lässt einen im Unklaren: Ist der Typ nun ein unerträglicher Dummschwätzer oder tatsächlich ein Genie? Und, für den Plot zentraler: Kann Caleb ihm vertrauen?

Zwischen Alicia Vikanders Ava und Domhnall Gleesons Caleb hingegen will es nicht so recht funken. Das liegt weniger an den beiden Schauspielern, sondern eher an Garlands Skript, das über eine abstrakte Versuchsanordnung selten hinaus kommt. Caleb, so scheint es, lässt sich sonderbar schnell von Ava in Beschlag nehmen. Spike Jonzes Her (2013) portraitiert das romantische Band zwischen Mensch und KI mindestens zehnmal so klug und emotional. Bei Ex Machina bleibt das Knistern zwischen den beiden Protagonisten grösstenteils eine Behauptung. Und der philosophische Unterbau der Geschichte? Er ist spärlich ausgefallen. Garland zitiert (dubios) Ludwig Wittgenstein, (selbstverständlich) Alan Turing und (am fruchtbarsten) Jackson Pollock, aber das alles führt zu nicht viel. Neues und Erhellendes hat das Drehbuch nicht zu sagen. Die Schlusspointe ist schon fast schmerzlich leer und banal. (Aber vielleicht gerade deshalb interessant.)

Seine Stärken zeigt Garland dort, wo er in den Thriller Horror-Elemente mischt. In diesem Register bekommt er einige verstörende Bilder hin, nicht zuletzt eine deplatzierte Tanzszene, die völlig quer zur Dramaturgie steht und deswegen wohl der Höhepunkt des Filmes ist. Dass künstliche Gesichter gruselig sind, haben wir schon vorher gewusst – aber Garland arbeitet ganz gut mit dieser Erkenntnis. Der Film ist bewusst kalt inszeniert, kann aus seiner Leblosigkeit aber kein Kapital schlagen. Der Stil will nicht zur Geschichte passen, die letztlich ja doch an die Menschlichkeit zu appellieren versucht. Bedeutungsschwangere Landschaftsaufnahmen täuschen nicht darüber hinweg, dass Ex Machina im Inneren hohl ist.

Die Wendungen sind der Spannung verpflichtet – und nur der Spannung. Über diese dramaturgischen Tricks kommt Garland leider nicht hinaus. Dabei hätte man so Manches aus der Prämisse machen können. Vor allem in Sachen Geschlechterbeziehungen brodelt es unter der Oberfläche: Nathan als Schöpfer-Genie; und Ava, die sich den männlichen Idealvorstellungen unterwirft. Diese Themen bleiben nur angedeutet, Garland lässt das Publikum mit ihnen allein. Es scheint so, als wollte er sich mit Ex Machina auf nichts festlegen.

Trotzdem. Als kühler Thriller lässt sich der Film geniessen. Und Oscar Isaacs Performance als Nathan vermag zu faszinieren. Er ist die eigentliche Hauptfigur; enigmatisch und schräg. Ansonsten steuert Ex Machina zum Sci-Fi-Genre nicht viel Bedeutendes bei.

6/10

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