kurz angerissen*
Diese Wachowskis, immer auf der Suche nach dem besonderen visuellen Kick. Ein Quantensprung war ihnen seit der Erfindung der Bullet Time nicht mehr vergönnt; angesichts der Omnipotenz heutiger technischer Möglichkeiten und der proportional dazu fortschreitenden Abstumpfung des Publikums dürfte das auch mit jedem verstreichenden Jahr unwahrscheinlicher werden.
Aber sie werden nicht müde, es wenigstens zu versuchen und tanzen dabei ein weiteres Mal auf dem schmalen Grat zur Lächerlichkeit, den sie mit dem waghalsigen Bonbonfilm "Speed Racer" schließlich bereits mehr als nur gestreift haben. Dass auch "Jupiter Ascending" für die Optik wieder alles in die Wagschale wirft, erkennt man überdeutlich am unheimlich schlecht geschriebenen und besetzten Rumpf von Weltenrettergeschichte, der nebenbei nochmals untermauert, dass inzwischen selbst das Weltall nicht mehr vor Lykanthropie gefeit ist. Tatum als blasser Elf mit Wolfsgenen ist eigentlich schon ein Facepalm zu viel, aber Mila Kunis als Putzfrau mit Königinnen-Genen ist ein brachialer Fehlschlag. Tatsächlich hätte Wunschkandidatin Natalie Portman hier ein paar Kohlen aus dem Feuer holen können, hat sie doch durch "Star Wars" nicht nur Erfahrung im Königinnensein gesammelt, sondern sich auch das Bodenständige bewahrt, das notwendig ist, um die gewöhnliche Erdenbürgerin zu spielen. Natürlich hätte sie damit nur die Katze aus dem brennenden Haus gerettet, denn auch andere Darsteller liegen völlig neben der Spur, allen voran Eddie Redmayne, der wie im Krampf versucht, die Bedrohlichkeit in der Ruhe zu suchen. Umgeben von Super-Mario-Weltraumechsen lässt ihn das schrecklich albern aussehen.
Nein, das Universum von "Jupiter Ascending" ist eine schrecklich langweilige Ansammlung von Rettet-die-Welt-Klischees; Substanz wird ihr allenfalls durch das opulente Artdesign eingeimpft, das Raumschiffe und Planeten wie sakrale Buntglasbauten aussehen lässt. Visuell können die Wachowskis wie erwartet ein paar Dinge gutmachen, auch das Händchen für einprägsame Actionszenen ist ihnen nicht abhanden gekommen, selbst wenn man sich darüber streiten kann, ob man dazu jetzt Maisfeldabdrücke und Tron'sche Lichtspur-Inliner gebraucht hätte. Es ist letztlich das erwartete zwiespältige Entertainment, bei dem man die Hälfte der Zeit durch SciFi-Verfolgungsjagden vom echten Leben abgelenkt wird und die andere Hälfte damit verbringt, ins echte Leben zurückzukehren, um die Toilette zu besuchen oder etwas zu essen zu holen. Zum nahtlosen Eintauchen in eine fremde Welt also nicht geeignet.
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