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Nach dem Regiedebüt von Emanuele De Santi „Adam Chaplin“ sind die Erwartungen entsprechend hoch, einen weiteren Splatterfilm aus dem Hause Necrostorm präsentiert zu bekommen. Doch mit seinem zweiten Werk schlägt er in die Kerbe Home Invasion, was trotz der mageren Laufzeit von 75 Minuten eher als Kurzfilm getaugt hätte.

Mary (Orietta Babusci) ist mit dem Auto unterwegs und telefoniert mit ihrer Mom, als die Straßenkünstlerin Ursula an ihrem Fahrzeug auftaucht und einen Trick vorführen will. Verängstigt wendet sich Mary ab und fährt nach Hause, wo sie von Hündin Judy freudig empfangen wird. Doch am nächsten Tag verschwindet Judy spurlos…

Die ersten Minuten gestalten sich ein wenig skurril, als es um einen Streit zwischen Straßenkünstlern geht und eine ominöse, mit zahlreichen Nägeln bespickte Kiste inspiziert wird. Dieses Drumherum hat mit der eigentlichen Handlung wenig gemein, noch erklärt es die Motive der Verkleideten. Was daraufhin folgt, ist der Alltag Marys, der alles andere als unterhaltsam ausfällt.

Die Dame hält offenbar Stöckelschuhe mit 12 Zentimeter Absätzen für ideale Hauspantoffeln, weshalb die lauten Schritte manchmal über Minuten die einzigen Geräusche bilden. Mal wird telefoniert und der Hund gefüttert, dann wieder ein Fenster geschlossen und am Strand Gassi gegangen, doch bis zum Verschwinden des Hundes geschieht eigentlich nichts. Danach allerdings auch nicht, denn bis der Terror einsetzt, sind es allenfalls einige merkwürdige Geräusche in der Wohnung, die ein wenig aufhorchen lassen.
Den Mittelteil hätte man problemlos auf zehn Minuten straffen können, ohne dass Eigenschaften der im Grunde stinklangweiligen Mary verloren gegangen wären.

Mit Einsatz der Verkleideten offenbart De Santi indes, wie sich garstiger Terror entfalten kann, einschließlich kleiner Finten, kurzer Gegenwehr und einem finalen Schlag in die Magengrube. Die wenigen Splattereinlagen sind handgemacht und implizieren einige Wunden in Nahaufnahme, während innerhalb der ersten Minuten bereits ein Schädel zerdeppert wird.
Die Konsequenz der letzten Minuten reißt es beinahe noch heraus.

Mit einsetzendem Abspann nach nur 72 Minuten erhärtet sich der Verdacht, dass der Stoff nicht für einen abendfüllenden Spielfilm taugt, zumindest nicht in seiner minimalistischen Form in nur einer Wohnung und nur einem potenziellen Opfer.
Der Terror ist schließlich spannend umgesetzt, die teils harten Splattereinlagen überzeugen auf ganzer Linie, doch der leidlich unheilsschwangere Mittelteil erfordert reichlich Ausdauer vom Zuschauer.

Insofern ist es mutig von De Santi einer komplett unerfahrenen Darstellerin die Hauptrolle zuzuschustern, die letztlich recht bemüht performt und erst im finalen Akt ein wenig mehr Präsenz einbringt. Der Score schürt zuweilen eine taugliche Stimmung, Kamera und Schnitt arbeiten weitgehend fehlerfrei. Das Drehbuch beschert insgesamt leider wenig Abwechslung und obgleich das boshaft anmutende Finale noch einiges kaschiert, bleibt vom inhaltslosen Mittelteil ein fader Beigeschmack haften.
5,5 von 10

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