In den vergangenen Jahren hatten es Western immer schwer, sich auch nur ansatzweise zu etablieren oder auf einer Kinoleinwand zu erscheinen, wozu es meistens große Regisseure bedurfte. Autor und Regisseur John Maclean debütiert mit einem Road-Trip ohne Road, gedreht in Neuseeland, was den Wilden Westen oftmals ein wenig surreal erscheinen lässt.
Der Schotte Jay (Kodi Smit-McPhee) ist anno 1870 in den Vereinigten Staaten von Amerika unterwegs, um Rose, die Liebe seines Lebens wieder zu finden. Doch der Sechszehnjährige ist auf Hilfe angewiesen und heuert schließlich notgedrungen den wortkargen Silas (Michael Fassbender) an, der seinerseits weiß, das auf Rose ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Doch auch andere Gauner scheinen dem ungleichen Duo auf der Spur zu sein...
Es ist nicht allzu spannend, was Maclean da mit seinem Erstling abliefert, womit der Titel durchaus berechtigt ist. Bis auf das Finale sind kaum wuchtige Momente auszumachen und die kapitelartig erzählten Stationen fallen zumeist nicht sonderlich ereignisreich aus. Dennoch vermögen die toll gefilmten Landschaften, der wunderbar eingängige Score und die wenigen Worte zu unterhalten, was in seiner Mischung eine zum Teil poetische Stimmung aufkommen lässt. Der naive, obgleich gebildete Jay läuft einer Liebe hinterher, von der bald klar wird, dass diese eher einseitig zu sein scheint, während er den Wilden Westen als etwas Hoffnungsvolles betrachtet. Silas ist indes komplett bodenständig eingestellt und erwartet unter nahezu jedem Stein einen Feind, was sich im Verlauf auch bewahrheiten soll.
Ein wenig Humor, meist in Form von Situationskomik (Salz in die Wunde streuen) durchzieht die Erzählung, welche vermehrt auf stimmungsvolle Bilder, einige Nahaufnahmen und einer dicht bei den Figuren arbeitenden Kamera setzt. Zwar fallen die Figurenzeichnungen nicht allzu differenziert aus, jedoch kommen zahlreiche Nebenfiguren zum Einsatz, welche im Verlauf häufig das Zeitliche segnen und zuweilen ihre eigene Geschichte einbringen.
Kunterbunte Abenteuer sehen zwar anders aus und die Besetzung ist auch nicht unbedingt treffend, doch performt wird solide, dem Handwerk ist bis auf ein paar zu düster geratene Nachtszenen wenig anzukreiden, während die langsam erzählte Geschichte zumindest eine in sich stimmige Atmosphäre vereint.
Der konsequent präsentierte Schlussakt rundet das Ganze noch ein wenig ab und beschert einen eigenwilligen Neo-Western, der mit etwas mehr Drive viel weiter oben hätte mitspielen können.
6 von 10