Review

kurz angerissen*

John Maclean haushaltet klug mit der geringen Menge an Ressourcen, die ihm zur Realisierung seiner Westernerzählung „Slow West“ zur Verfügung stehen. Obwohl er nicht einmal 90 Minuten hat, um sie zu Ende zu führen, kümmert er sich liebevoll um das kleine Repertoire an Nebenfiguren. Es beeindruckt schon, mit welcher Seelenruhe und Wortkargheit die Hauptdarsteller Michael Fassbender und Kodi Smit-McPhee ihre Figuren mit Leben füllen dürfen; erst recht bemerkenswert ist aber der Umgang mit den restlichen Charakteren, die über Kurzauftritte meist nicht hinauskommen und trotzdem stets vollständig erfasst scheinen; oft auch durch Erzählungen oder Schlussfolgerungen aus der Situation, in der sie sich befinden.

Dazu ist ein tiefes Bewusstsein für Western-Relikte fast ebenso sehr notwendig wie die Fähigkeit, die Geschichte in eine Form mit klar geführtem Strich zu bannen. Beides kombiniert Maclean meist souverän und stilsicher. Der durch den Road-Movie-Aspekt stets in Bewegung befindliche Western zeigt einige der schönsten Seiten des Genres in stillen, jedoch markanten Landschaftswechseln und einer prägnanten Farbcodierung, durchbrochen von kleinen Momenten der Überraschung, die man versteckt zwischen vereinzelten Klischees so vermutlich noch nie oder nur in abgewandelter Form gesehen hat; eine Wäscheleine zwischen zwei Pferden hätte man beispielsweise allenfalls noch einem Western mit Spencer und Hill zugetraut.

Diese kleinen Momente pragmatischen Handelns untermauern den geübten Umgang mit dem Szenario. Pragmatisch ist dann auch die Auflösung der Geschichte, die im Kern ein Liebesdrama über Grenzen hinweg zu sein scheint, darüber hinaus aber noch etwas Tieferes über zwischenmenschliche Beziehungen zu sagen hat... und somit auch über die Sehnsüchte, die in den Weiten des Westens verborgen lagen, seit es Geschichten darüber gibt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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