Review

„At this altitude, it's freezing
Aliens control human beings
No one has lived to tell
Who's seen the crawling eye?“

So lautet der Refrain eines Lieds der Horrorpunk-Band Misfits. Zum ersten Mal begegnete es mir beim Anhören des Albums Famous Monsters. Betitelt ist dieser Song nach dem gleichnamigen britischen Film von 1958. Bereits zuvor war mir dieser Titel in Dance Macabre begegnet; Stephen Kings Abhandlung über sein Verständnis des Horrors in narrativen Medien. Dadurch angefixt beschloss ich mir den Film mal anzusehen, was nun endlich geschehen ist.

Inhaltlich passiert genau das, was die Mitglieder einer Gothik-Muckibude auch in ihrem Lied besingen. In den eisigen Höhen der Alpen verschwinden immer wieder spurlos Bergsteiger, bis eine enthauptete Leiche gefunden wird. Der UN-Ermittler Alan Brooks sitzt in einem Zug zum kleinen Ort Trollenberg. Mit ihm im Abteil sitzen die Geschwister Anne und Sarah Pilgrim, die mit einer Hellsehershow auf Tour sind. Sie sind nur auf der Durchreise, doch plötzlich hat Ann Visionen von dem, was in den Bergen geschieht und verlangt, dass sie mit nach Trollenberg kommen. Dort erwartet sie ein unheimlicher Nebel, in dem einäugige, außerirdische Monster mit Tentakeln auf sie lauern, die Tote kontrollieren können.

Anders als die rhythmisch auditive Umsetzung der Idee, würde man sich den Film jedoch nicht mehrere Male hintereinander ansehen. Schon während des erstmaligen Ansehens, fallen dem routinierten Zuschauer unstimmige Dinge in diversen Bereichen auf, die schnell zu Gedanken werden, die mit „…, hätte selbst ich besser machen können!“ enden. Ähnliche mussten auch die Herren King und Carpenter gehabt haben. Letzterer hat für die Veröffentlichung des Films von Anolis sogar ein exklusives Audiokommentar eingesprochen, in dem er zum Beispiel darüber plaudert, dass es eine Szene darin gibt, die ihn im Alter von 10 Jahren sehr erregt hat. Auch in Dance Macabre wird auf Kings Liebe für diesen Streifen eingegangen. Wie beide zugeben war es durch die Augen eines Kindes einfacher, die schlecht gemachten Anteile des Films zu übersehen. Zum einen sind die Effekte in manchen Szenen sehr dürftig umgesetzt. So gibt es eine relativ am Anfang, in der die Pilgrims und Brooks mit dem Auto nach Trollenberg fahren. Das Innere des Wagens ist kaum in Bewegung, während der Hintergrund ruckelt, als hätte der Kameramann die Aufnahmen dafür gemacht, indem er mit dem Fahrrad über den holprigen Weg gefahren wäre und dabei über die Schulter hinweg gefilmt hätte. Anderen, die einen Shotwechsel von Innen- und Außenansichten beinhalten ist anzumerken, dass hier auch der Wechsel zwischen Set und Miniatur oder Matte-Painting vollzogen wird. Auch werden einem immer wieder dieselben Standbildaufnahmen eines Gipfels gezeigt, woran man das geringe Budget des Films erkennen kann.

Wenn es eine Sache gibt, die allgemein nicht gestimmt hat, würde ich sagen, dass die Macher nicht richtig wussten mit der Grundidee umzugehen. Angefangen als Mystery-Horror mit ein paar für die damalige Zeit deftigen Schockeffekten, endet der Film in einem typischen Science-Fiction-Film mit Alieninvasion und Krach-Bumm-Finale. King und Carpenter wussten, dass eine solche Idee, nur in einem von vorne bis hinten durchgezogenen Horrorfilm richtig zum Tragen kommen konnte. John Carpenter formte nach der Idee, dass etwas im Nebel lauert, seinen Kultklassiker The Fog – Nebel des Grauens, während King sogar noch größere Teile der Hintergrundgeschichte für The Mist übernahm, welcher später von Frank Darabont für die Leinwand adaptiert wurde. Heraus kam einer der effektivsten Kingfilme, der als Homage an The Crawling Eye in der sogenannten Director’s Choice Fassung, sogar in Schwarz und Weiß gehalten ist. Eine Szene darin, in der ein Tentakel aus dem Nebel kommt und versucht jemanden hineinzuzerren ähnelt dabei sehr einer aus Die Teufelswolke von Monteville, wie der Film im Deutschen genannt wurde. Woher Monteville kommt ist unklar, jedenfalls existiert es nicht im Film. Mit der nahenden Serienumsetzung von Kings Geschichte, ist die Idee im Begriff Full-Circle zu gehen, da es vor The Crawling Eye ein Saturday Serial in 6 Folgen á 30 Minuten auf ITV gab, genannt The Trollenberg Terror, was auch der britische Originaltitel des Films ist. Dieses gilt als verschollen, da es vermutlich der „Junk-Yard“-Politik zum Opfer fiel, bei der viele Fernsehprogramme einfach aus Lagerkostengründen zerstört oder überspielt wurden. Die bekanntesten Beispiele für diese sind wohl diverse Folgen der Serien The Avengers und Doctor Who. In diesem Serial nannte man (so wurde es überliefert) die Außerirdischen noch Ixodes.

Darüber hinaus ist diesem Film auch die Inspiration anzurechnen, die zur Entstehung des kingschen Archetypen, des jungen Mädchens mit telepathischen Kräften führte, welcher ironischerweise in The Mist keine Verwendung fand, dafür aber in vielen anderen seiner Werke (Carrie, Firestarter, Rose Red, etc.) Hier wirkt diese Figur (verkörpert von Anne Pilgrim, dargestellt durch Janet Munro) zwar noch nicht vollends ausgefertigt, aber auch noch nicht so verbraucht. Ihre Darstellung ist besonders in den Szenen ihrer prophetischen Anfälle besonders gut gelungen, da sie kein einziges Mal dabei blinzelt. Ich gehe sogar so weit und sage, dass sie die einzige Figur ist, an die ich mich später mal noch erinnern werden kann. Schade ist, dass sie ab der zweiten oder besser gesagt der Science-Fiction Hälfte des Films, komplett an Bedeutung verliert. Nachdem sie nochmal kurz das Opfer spielen konnte, verbringt sie das Finale bewusstlos auf einer Liege. Die meisten anderen Figuren wirken ziemlich belanglos, bis auf eine Szene in der Anne ihre Kräfte vorführt, findet abgesehen von Sarah und Brooks kaum eine Interaktion mit ihr statt.

Letzten Endes schätze ich diesen Film. Hauptsächlich für seine erste Hälfte, aber vor allem dafür, wie er andere inspiriert hat. Dennoch macht ihn das nicht zu mehr, als er eigentlich ist. Ein netter B-Movie mit einer interessanten Prämisse, aber unausgereifter Umsetzung. Gut gemeint, aber bei weitem nicht dass, was man aus dem Stoff hätte rausholen können.

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