Review

Schweigers Meisterwerk


Ich muss einfach gestehen: ich mag/mochte Kokowäh & Keinohrhase recht gerne, denn nicht alles was Erfolg hat, eine deutsche Produktion ist & recht glattgebügelt daher kommt muss direkt schlecht sein. Und daher konnte ich immer ganz gut damit leben, von den jeweiligen Freundinnen ins Kino geschleppt zu werden. Aber als kleiner Geheimfan dieser zwei Filme, war es umso enttäuschender die jeweils zweiten Teile qualitativ so abstürzen zu sehen. Und daher, obwohl man ja eigentlich jeden neuen Film den man besprechen will subjektiv & vom Umfeld losgelöst betrachten sollte, war ich mehr als skeptisch vor dem Besuch von Honig im Kopf, Til Schweigers Dramödie um einen Opa der an Alzheimer leidet & mit seiner Enkelin einen letzten Trip nach Venedig unternimmt.

All meine Zweifel waren nach kurzer Zeit wie weggeblasen & mir begann es zu dämmern, dass ich hier vielleicht gerade Til Schweigers besten Film sah. Klar nervt die Vermarktung & Scheinwerfergeilheit seiner Tochter - aber hier ist spielt sie gar nicht mal übel, nervt auch kaum. Aus der Kleinen wird immer mehr. Und auch das Schweiger sich selbst hier ungewohnt in den Hintergrund stellt & den Klamauk ala Kacka-Popo-Titty-Witze auf ein Minimum senkt, sind große Pluspunkte. Aber der Showstopper & absolute Gewinn des Films ist Didi Hallervorden, dem hier völlig zu Recht nochmal später Megaerfolg & ebenso großer Respekt einer neuen Generation zu Teil wird.

Natürlich hat auch dieser Film den typisch Schweiger-Style, mit guter Radiomusik (z.B. von OneRepublic) und der verwaschenen, digital stark bearbeiteten Optik. Aber immerhin hat Herr Schweiger einen eigenen Stil - da ist er weiter als andere Regisseure & Stars die weit mehr auf sich halten. Ich mag Regisseure mit eigenem Stil, Identität, die wissen was sie wollen, können & sind.

Aber was macht Honig im Kopf außer Hallervordens nuancierter Weltklasse-Leistung so toll? Ganz einfach: es ist das Thema Alzheimer & Liebe zu seinen Eltern bzw. die Gewissheit deren Tod erleben zu müssen! Von Jahr zu Jahr & Generation werden wir älter & damit steigen die Alzheimer-Patienten. Jeder kennt Betroffene, manche sind näher dran, manche weiter weg. Aber verstehen können wir das alle, wenn auch nicht unbedingt nachvollziehen. Und auch wenn ich sicher bin, dass Leute, deren Eltern z.B. selbst gerade betroffen sind, sich diesen Film nicht unbedingt direkt auch noch angucken möchten, ziehe ich meinen Hut davor wie Schweiger das Thema verarbeitet & sich diesem heiklen Topic nähert. Ich hatte große Bedenken, wie diese zwei Welten (harte, niederschmetternde Alzheimer-Realität vs. Schweigersche Beziehungskitsch-Märchen) zueinander finden würden - aber es passt sehr gut. Es wird viel gelacht, ebenso viel geweint & die Zeit vergeht wie im Flug. Und das es ein Märchen ist, das nicht so viel mit den meisten Realitäten zu tun hat, betont Schweiger ja selbst immer wieder.

Fazit: wer hier nicht weint, hat wohl kein Herz. Natürlich ist das Kitsch aller erster Güte & Til Schweiger kopiert sich immer wieder gerne selbst ohne rot zu werden - aber die Formel funktioniert immer noch, hier vielleicht sogar besser denn je!

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