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Ende der 80er. Bloodsport und Kickboxer regieren. Die bezüglich des Budgets deutlich vorbelasteten Produzenten Roger Corman und Cirio H. Santiago schnappen sich den mehrfachen Kickboxchampion Don 'The Dragon' Wilson für dessen erste Hauptrolle nebst anderen erfolgreichen Kampfsportlern, darunter Billy Blanks. Der Regisseur Terence H. Winkless hatte sich gerade mit The Nest erste Sporen verdient und würde später mit Rage and Honor oder den Mighty Morphin' Power Rangers in Verbindung gebracht werden. Preisfrage: Was hat man wohl von so einem Film mit dem Titel Bloodfist - oder im Deutschen Bloodfist Fighter - zu erwarten?
Wie der Vorspann protzig seine Kämpfer nebst Referenzen ankündigt, das hat schon was. Immerhin hat den Martial Arts Filmfan der Sport nicht zwangsläufig interessiert, so daß ihm gar nicht auffallen muß, welche Größen sich hier scharen. Unter den Titeln schlägt Michael Raye (Ned Hourani) gerade seinen Gegner windelweich. Als Michael von der Arena allein den Nachhauseweg antritt, überfällt ihn eine mysteriöse Gestalt, die später noch Anlaß für einen gar irrwitzigen Twist sein wird. Raye ist tot, ein Asiate raubt sein Preisgeld und seine Kappe.

Sprung in eine Kampfsportschule, in dem Jake Raye (Don Wilson) und Hal (Kenneth Peerless) eine ziemliche Show abziehen, um ein paar Kids zu beeindrucken. Jake erzählt den Kindern gar, er würde nicht kämpfen, da er eine Niere seinem Halbbruder nach einem Unfall gespendet habe. Wir denken bitte nicht darüber nach, daß dieser dann wohl auch nur eins dieser Organe besitzen dürfte und dann ebenso nicht hätte kämpfen sollen. Just ereilt Jake nun Nachricht von seinem Bruder Michael durch die Polizei mittels Fernsprecher. Er solle dessen Asche in Manila in Empfang nehmen.
Angekommen ergeben sich zwischen Hütchenspielern und Kleinganoven erste Konflikte. Der Polizeibericht und ein Stoffetzen sind die einzigen Beigaben zu Michaels Überresten. Den Fetzen fand man in seiner Hand. Nun muß Jake also nur noch nach seiner Aschenputtel suchen, um den Mörder auf eigene Faust zu stellen.
Schon führt ihn eine erste Spur zu einer Schule, doch seine Observierung wird schnell beendet. Sein im Gebüsch vestecktes Täschchen ist auch verschwunden. Ein mysteriöser alter Mann, Kwong (Joe Mari Avellana), eine optische Mischung aus Chris Rea und Mr. Miyagi, hat sie an sich genommen. Welch ein Zufall, will er Jake doch nun unter seine Fittiche nehmen. In Baby Davies (Michael Shaner) findet sich während einer Kneipenschlägerei gleich noch der Kumpel mit der Schlafgelegenheit und in dessen Schwester Nancy (Riley Bowman) das eigensinnige Love Interest.

So sehr uns Bloodfist hier mit innovativen Kniffen verwöhnt, ist es keine große Überraschung, daß es im Wesentlichen nun um die Kampfvorbereitungen für ein illegales Kickboxing-Turnier geht, welches der Red Fist Club abhält, um dem verbotenen Glückspiel zu fröhnen. Dazu muß Kwong, der sich für sein Management 20% erbittet, Jake aber zunächst noch überreden, denn dieser hält sich ursprünglich ja nur noch in Manila auf, um den Tod seines Bruders zu klären.
Schauspielerisch auf niedrigem Niveau angesiedelt, tut es Bloodfist auch nicht sonderlich schlecht, sich hauptsächlich nun auf das Körperliche zu konzentrieren. Jakes Training bietet Standards, die wie üblich einfachst Mittel und nicht wirklich atemberaubende Kulissen der Natur verwenden. Nancys Arbeit als anrüchige Tänzerin sorgt für weiteres, schäbiges Flair in der billigen B-Movie Optik. Daß Michaels Kappe auftaucht, spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle.
Wichtiger ist Kwongs Philosophie, die Jake zu seiner Teilnahme am Turnier ermuntern soll. Der schuldige würde sich schon selbst entlarven. Er müsse nur abwarten. Während Jake eigentlich gar nicht weiß, was auf ihn zukommt, gibt Baby den überheblichen Ami, der kein Glück benötigt und nebenbei noch auf Jake wettet.

Was Bloodfist für B-Film-Freunde wirklich sehenswert macht, sind schließlich die Kämpfe. Zwischen mäßig-dynamisch und belustigendem Gehampel ist vieles möglich. Übertriebene Geräusche machen das Geschehen zu einem unwirklichen Spektakel im Comicstil und selbst wenn mal sichtbar nicht getroffen wird, darf ein bisschen Blut gespuckt werden. Anzumerken ist, daß die Moves der meisten Kämpfer gar nicht so sensationell wirken. Das mag realistisch sein, ist im Film aber nur halb so schön. Dafür versucht sich die Kamera in einigen experimentellen Einstellungen und Tempowechseln, die für zusätzliche Unterhaltung sorgen.
Nervig hingegen wird irgendwann das Synthie-Geklimper des wenig berühmten Sasha Matson. Zusammen mit der hanebüchenen Story bilden sie aber eine schon fast surreale Parallelwelt des Billigfilms, in der Dinge möglich sind, die sich anerkannte Künstler nicht getrauen würden. Nur Fans des Genres können sich hier knapp an Don Wilson erfreuen, dessen Durchschnittlichkeit hier noch weniger verbraucht ist, als in späteren Werken, der aber hier schon gegen die Performance von Billy Blanks einpacken muß.

Obwohl sich immerhin Teil 2 noch des selben Rollennamens für Wilson bedient, steht doch die Frage im Raum, ob der Erfolg wirklich so groß gewesen sein kann, daß es für ganze sieben (inhaltlich größtenteils unabhängiger) Fortsetzungen gereicht hat. Der deutsche Verleih erkor als Kuriosum am Rande Ring of Fire als Bloodfist Fighter 2 aus, um mal wieder für Titelverwirrung zu sorgen.
Maniacs, die sich ihren Sonntag gern mit Action-Schlock und No-Brainern vertreiben, kann dies nicht abschrecken. So richtet sich Bloodfist insbesondere heute auch nur noch an derart ausgelesene Kreise, die mit vor die Stirn geschlagener Handfläche Freude an oben erwähnter Wendung entwickeln. Nach knapp 80 Minuten zieht der Film schon einen Schlußstrich. Gut so, bleibt doch nun noch eine gewisse Rhythmik erhalten, die Bloodfist vor zu tiefen Einblicken in die Stupidität des Sujets bewahrt. Es bleibt sehr spezielles Programm, ohne Frage. Aber durchaus noch unterhaltsames.

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