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Mit "Dolls" schuf Takeshi Kitano ein beeindruckendes Stück Kino, welches mit wenig Worten, dafür umso intensiveren Bildern drei tragische Beziehungen behandelt, deren Beteiligte sich zwar immer wieder räumlich nahe zu sein, innerlich aber einander nicht (mehr) zu erkennen vermögen. Teilweise hatten sie ihre Chance, teilweise aber auch nicht. Jetzt ist ihnen nur noch eines gemeinsam, nämlich eine endlose Leere und die marionettenähnliche Suche nach etwas, das nicht mehr sein wird - Bis daß der Tod sie endgültig scheide...

Zugegebenermaßen ist der Zugang zu Kitanos melancholischem Meisterwerk nicht unbedingt der Leichteste. Dies offenbart sich schon im unkonventionellen Puppentheater-Opening, das rückblickend betrachtet den Film und seine sich immer wieder kreuzenden Episoden jedoch wunderbar treffend einführt. Nach einiger gewissen Weile vermag der Zuschauer schließlich auch, einen Zugang zu der ruhig und ohne jede effektseitige Hektik präsentierten Handlung und ihren tragischen Protagonisten zu finden. Sicherlich insbesondere für unruhige Naturen kein leichtes Unterfangen, aber es soll jede Minute wert sein!
Wie in einem Traum wandelt der Zuschauer zusammen mit Kitanos schweigsamen "Marionetten" durch die wie im Fluge vergehenden 105 Filmminuten und kann in der fast unwirklich traurig-schönen Atmosphäre des Filmes versinken. Diese wird nicht nur von wunderbar eingefärbten Bildern zwischen endlosen Blütenmeeren und tristen Großstadtkulissen getragen, sondern vorallem auch von meditativer Stille, seelischer Einsamkeit und dann schließlich doch der ein oder anderen, gefühlvollen Musikkomposition.

Neben der tollen Regieleistung des Multitalents Kitano weist "Dolls" aber auch zwar schlichte aber umso beeindruckender anzusehende Performances seiner Darsteller auf. Hier bedarf es keiner großen Namen, keiner äußeren Schauwerte. Schweigend irren Kitanos Akteure durch die Welt, begegnen sich ab und an ohne einander zu kennen - aber vielleicht sind in diesem Falle auch gerade unbekanntere, japanische Gesichter gerade auch für ein westliches, in der Regel weitaus weniger sentimantales Publikum die mit Abstand ausdrucksstärksten.

Fazit: Eine bildgewaltige, tief traurige Meisterleistung, so man sich denn auf sie einlassen möchte.

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