Drei gestandene B-Film-Helden (Christopher Lambert, Lou Diamond Phillips, Ron Perlman), zwei bildhübsche Darstellerinnen (Kelly Brook, Roberta Angelica), ein Storyboard-Künstler (David Barto), der sein Spielfilm-Debüt feiert, sowie eine interessante (Sci-Fi-Thriller-) Storyidee als Basis – gar nicht mal so schlechte Ausgangseigenschaften für eine Produktion dieser Kategorie, zumal in der Vergangenheit eine Vielzahl Filme mit ähnlichen Voraussetzungen selbst ohne einem anständig ausgearbeiteten Skript gut funktionierten. „Adrenalin: Fear the Rush“ (ebenfalls mit Lambert) kommt dabei spontan in den Sinn – und tatsächlich fühlt man sich in den Anfangsminuten an jenes Werk von Albert Pyun erinnert, denn der Zuschauer erhält hier ebenfalls eine Zusammenstellung von echten Nachrichten-Archivaufnahmen in Kombination mit fiktiven Informationen präsentiert, welche eine „nicht allzu ferne Zukunft“ angesichts der Folgen einer Epidemie konstruieren.
„Im Jahre 2003 wurde der Planet von einem tödlichen Virus („NDS“) befallen, begünstigt durch jahrelange Umweltverschmutzung und Zerstörung der Ozonschicht. Blitzschnell verbreitete sich das Virus auf der ganzen Welt. Die Weltwirtschaft brach komplett zusammen. Bis zur Entwicklung eines Hilfsmittels waren bereits 5 Milliarden Menschen gestorben. Die lebenswichtigen Vorräte werden noch 100 Jahre reichen, denn von allem ist genügend vorhanden – außer von dem lebensrettenden Heilmittel: Absolon“, heißt es gleich zu Beginn, gefolgt von weiteren Ausführungen eines Erzählers, welcher die Situation aus der menschlichen Perspektive veranschaulicht, sowie einer Computersimulation der Zusammensetzung eines neuen Gegenmittels mitsamt der Verwendungsweise. Die ersten fünf Minuten gehören also den einleitenden Ausführungen – doch, im Gegensatz zum erwähnten „Adrenalin“, nutzen die Macher jene Aspekte im Verlauf tatsächlich im Einklang mit der Handlung über das Mittel eines Aufhängers hinaus.
Um eine Ausbreitung des NDS-Erregers im Körper zu verhindern, sind die Menschen im Jahre 2007 auf das Medikament „Absolon“ angewiesen, welches aufgrund seiner begrenzen Verfügbarkeit sehr teuer ist. Nur Vermögende können sich das Mittel leisten, alles ist rationiert, Lebenszeit stellt so quasi die neue Weltwährung dar. Eines Tages gelingt es einem Wissenschaftler jedoch, ein theoretisch unlimitiertes Gegenmittel herzustellen, was der Pharmaindustrie natürlich nicht ins Konzept passt – und so wird er von einem maskierten Killer noch vor seinem Gang an die Öffentlichkeit erschossen. Der Cop Norman Scott (Lambert: Schlabberklamotten (inklusive Kapuzensweatshirt) sowie zeitweise mit bläulicher Brille) bekommt den Fall zugeteilt, allerdings unter den wachsamen Augen des Agenten Walters (Phillips: dunkle Haare und Kleidung (vornehmlich Anzüge), schwarze Sonnenbrille), der die Untersuchung fürs Weltjustizministerium überwacht. Trotzdem gelingt es Scott, ohne dem Wissen von Walters an eine versteckte Disc des Professors zu gelangen, welche er im Vertrauen seiner Partnerin Ruth (Angelica: bauchfreies Outfit, neonrote Strähnen im pechschwarzen Haar) zur Auswertung übergibt. Zusätzlich trifft er sich mit dem Assistenten des Verstorbenen, trinkt mit ihm ein Tässchen Tee und informiert sich über dessen Forschungsergebnisse, bis jener von zwei Angreifern erschossen wird, welche wiederum im Anschluss von den Cops ausgeschaltet werden.
Für die Behörden ist der Fall damit abgeschlossen, doch Scott wittert eine Vertuschung/Verschwörung – was sich zu bestätigen scheint, als Walters am nächsten Morgen bei ihm auftaucht und ihn zu töten versucht. Zum Glück erscheint die Wissenschaftlerin Claire (Brook: lange brünette Haare, abwechselnd offen oder gebunden, zeitweise eine typische „Ärztebrille“ tragend) rechtzeitig, um Norman mit ihrem Wagen gerade noch so in Sicherheit zu bringen, denn Murchison (Ron Perlman: schwarzer Anzug, weiße Haare, rote Krawatte, rote Brille), Chef des Pharmakonzerns, welcher Absolon herstellt, will unter allen Umständen verhindern, dass sein Produkt nutzlos wird, weshalb er Walters und dessen Kollegin (Afroamerikanerin, weiße Kleidung, blaue Dreadlock-Spitzen) angewiesen hat, alle kritischen Probleme für ihn aus der Welt zu schaffen. Auf ihrer Flucht werden sich Claire und Scott zum ersten Mal richtig dem Elend der Leute bewusst, welche sich die Behandlung ihrer Leiden nicht leisten können – und sie klärt ihn schließlich auch darüber auf, dass er in Wahrheit eine halbe Komponente des Gegenmittels in sich trägt (Stichwort: Tee). Der Nachteil ist jedoch, dass Scott, wenn er binnen drei Tagen nicht die andere Hälfte des Serums zu sich nimmt, an den Folgen sterben wird, denn die in seinem Blut produzierten Antitoxine vertragen inzwischen kein Absolon mehr. Ein Wettlauf gegen die Zeit setzt ein…
Seit seinem Abstieg in die filmische zweite Liga (irgendwann in den Neunzigern) hat Christopher Lambert in wenigen guten (“Resurrection“/“Mean Guns“), vielen mäßigen (“Piano Player“/“Beowulf“) sowie einigen wirklich schwachen Streifen (“Vercingétorix“/“A ton Image“) mitgewirkt – dieser gehört eindeutig zu letzterer Kategorie, was an einer Vielzahl Faktoren liegt, zu denen selbst die Darsteller zählen: Aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus haben sie wohl schon während des Drehs erkannt, dass sich dieses Projekt angesichts der Umsetzung vermutlich nicht zu einem großen Karrierewurf entwickeln würde, weshalb Lambert (hier mal wieder als „Auserwählter“ unterwegs) gelangweilt wirkt und seine Szenen eher lustlos über die Bühne bringt, während Ron Perlman, welcher seinen Filmographie-Anteil an miesen „DTV“-Werken (à la „Supreme Sanction“) ab und zu wenigstens mit beeindruckenden Großproduktionen (“Alien 4“/“Hellboy“) aufwerten kann, nie im Laufe seiner begrenzen Screen-Time den Autopiloten abschaltet und zudem alle seine Aufnahmen in einem einzigen Raum am Schreibtisch sprichwörtlich aussitzt. Lou Diamond Phillips („Bats“) liefert erneut eine Bewerbungsvorstellung für den Titel „cheesiest Villain of the Decade“ ab, schafft es in diesem Fall allerdings nicht, seine „Leistung“ in „Stark Raving Mad“ noch zu toppen (es waren die Haare, Lou!). An sich nehmen alle ihre Parts einfach zu ernst, was zwar der Thematik gerecht wird, nicht aber der Umsetzung. Überraschend positiv kommt in diesem Betrachtungsbereich das Ex-Model Kelly Brook (“Ripper“/“House of 9“) weg, die ihre Sache echt gut macht, optisch allerdings ganz knapp der modernen Aufmachung Roberta Angelicas („Jill the Ripper“) unterliegt.
Das Spielfilmdebüt des Spaniers David Barto, welcher zuvor Story-Boards u.a. für „Blade 2“ oder „Faust: Love of the Damned“ kreierte, leidet vor allem unter zwei Faktoren – dem sehr geringen Budget sowie dem schwachen Drehbuch. Letzteres stammt aus der Feder von David Mirman, der schon einige Lambert-Vehikel geskripted hat (zB „Knight Moves“ oder „Gideon“), vereint eine nicht unerhebliche Anzahl von Klischees (Scott hat seine Frau verloren und besitzt kaum Freunde, etliche Cops sind korrupt, der Pharmaboss ist skrupellos und nur auf Profit aus etc) mit unnötigen Elementen (wie etwa dem Erzähler oder Normans eingeblendeten 72-Std-Countdown), versucht die entstandenen Plot-Löcher sowie Leerlaufphasen mit Actionszenen auszufüllen und gibt sich letztendlich intelligenter als es in Wahrheit ist. Die Ausgangsidee (um den Virus, dessen Bekämpfung, die wirtschaftlichen Beweggründe und medizinisch-biologischen Weiterentwicklungen, zB Immunisierung gegenüber dem Erreger oder Medikamentenabhängigkeit) wäre zumindest ausbaufähig gewesen, doch nicht auf eine solch einfallslose Art, die kaum Interesse seitens der Zuschauer hervorrufen kann.
Bartos Umsetzung ist da nicht viel besser, denn trotz solider Inszenierung bekommt man kaum Schauwerte oder nachhaltige Aufnahmen geboten, was sicher stark mit den arg begrenzten finanziellen Mitteln zusammenhängt. Hinterhöfe oder Lagerhallen dienen vornehmlich als Kulissen, die Verfolgungsjagden, Schießereien und Kämpfe sind unspektakulär, einige als Obdachlose hergemachte Statisten sollen die Folgen der Epidemie auf die ärmeren Bevölkerungsschichten repräsentieren – was allerdings nicht ausreicht, um voll zu überzeugen. Eines muss man Barto aber lassen – er hat nicht kampflos aufgegeben: Neben den (bereits erwähnten) „kreativen“ Entscheidungen betreffend der Kleidung und Accessoires, welche ich positiv betrachte, griff er zudem auf etliche ungeschickte Kameraspielereien (hauptsächlich abgehackte Zeitraffer-Sequenzen und -Kombinationen) zurück, welche recht merkwürdig aussehen und nicht die erhoffte Coolness vermitteln. Der einzige wirkliche Special Effect des Films lässt sich gleich nach dem Prolog bewundern – nämlich ein „VR“-Hologramm, das wirklich ansehnlich umgesetzt wurde und zusammen mit dem gut eingefangenen Mord an den Professor einen zuversichtlich stimmenden Einstieg markiert. Leider stellt sich jene Sequenz als die insgesamt beste heraus, und der Fortgang der Handlung beginnt mit der Zeit zu langweilen, denn für ein Drama reichte die Story (bzw Mirmans Phantasie) wohl nicht aus, weshalb einfach alle 10 Minuten diverse Actionszenen eingebaut wurden, welche aber aufgrund ihrer einfallslosen Inszenierung keine Kurzweil erzeugen und so letztendlich nichts mehr reißen können. Meine anfängliche Hoffnung auf ein nettes B-Filmchen hat sich demnach keinesfalls bestätigt…
Fazit: Man lasse also einen unerfahrenen Regisseur ein bestenfalls durchschnittliches Drehbuch mit einem verhältnismäßig geringen Budget umsetzen, engagiere einige bekannte Gesichter der zweiten cineastischen Garde, welche ja auch irgendwie ihre Miete zahlen müssen, und hoffe, dass das Endprodukt in den Videotheken schnell in die Gewinnzone rutscht … fertig ist das Standard-Konzept eines weiteren unbedeutenden „DTV“-Titels, was voll und ganz auf „Absolon“ zutrifft:
3 von 10.