Heute aus dem Kapitel Filmreihen, die es nur in der deutschen Titelgebung gibt: Die „Bloodbrother“-Reihe, bei der Teil zwei immerhin wie so oft schwächer als der Vorgänger ist.
Hier wird böse die Klischeekeule rausgeholt, was schon bei den Fieslingen anfängt. Die sind eine mächtige Drogenhändlerorganisation, aber natürlich muss man noch mit Prostitution und ähnlichen Scherzen noch mehr Fieseligkeiten auf dem Kasten haben. Enttarnte Undercoveragenten in den eigenen Reihen müssen natürlich gegen den Chefschläger des Bosses antreten und werden von diesem totgeklöppelt, da gähnt selbst der hart gesottene B-Actionfan.
Doch beim Helden wird das Ganze noch schlimmer: Besagter Recke ist der ehemalige Militärpolizist Michael Stone (Romano Kristoff), jetzt ein versoffener Penner. Grund hierfür ist der Mord an seiner Familie, einen ermordeten Partner und besten Freund gibt es noch obendrauf. Dabei ist Michael an sich ein Kampfsportass, wie man schon früh erkennen kann, wenn er natürlich einer Frau in Not zu Hilfe eilt.
Durch Zufall gerät auch Michael mit den Goons des Drogenimperiums aneinander und das ruft den Undercoverpolizisten Eddie (Jim Gaines) auf den Plan. Dieser will mit Michael zusammen die Verbrecherorganisation zerschlagen…
„Bloodbrother 2“ ist fast schon ein Paradebeispiel für schlechtes Drehbuchschreiben, denn der Autor konnte scheinbar nicht von hier bis zur Tür denken. Selbst als reine Folie für die Kloppereien versagt das Script, in der ersten Hälfte laufen Eddie und Michael den Fieslingen fast immer nur zufällig über den Weg und es gibt Dresche. Doch auch in Hälfte zwei wird das nicht besser, meist haben die Charaktere nur Ziele, die in fünf Minuten erledigt sind, Eddies Wunsch den Verbrecherring zu zerschlagen mal ausgenommen. Dazu gibt es Klischees im Minutentakt (siehe oben), selbst die obligatorische Trainingssequenz inklusive Held an Seilen aufhängen, neben dem Trainer auf Fahrrad herjoggen, Trittübungen gegen Balken usw. darf nicht fehlen, nur hat man das in jedem „No Retreat, No Surrender“-Film schon besser gesehen. Ebenso nervig wie klischeehaft der Subplot, dass sich Michael in eine Prostituierte verliebt, Ersatzvater für deren blinde Tochter wird und dadurch neuen Lebenswillen findet.
Immerhin gibt es den ganzen Film über kräftig auf die Fresse und das wäre auch schon ein Grund zum Jubeln, wenn viele der Fights nicht absolut scheiße inszeniert wären und man sieht, dass die Kämpfer sich nicht richtig treffen. Zudem hat außer Romano Kristoff und einem der Straßenschläger aus der ersten Hälfte keiner der Fighter gute Moves drauf, der fiese Oberschläger ist nur ein unbeweglicher Fleischberg und Jim Gaines merkt man stets an, dass er null Ahnung von Martial Arts hat. Gelegentlich wird auch geballert, teilweise sogar relativ blutig, aber wirklich spektakulär sind die Schießereien trotz offensichtlichem Woo-Klau an einer Stelle (Treppenrutschen) nicht.
Für den letzten Sargnagel sorgen dann die schauspielerischen Leistungen bzw. deren Fehlen. Romano Kristoff stellt den Unterschied zwischen Suffkopp und motiviert nur durch rasiert/unrasiert dar, Jim Gaines hat auch nur einen Gesichtsausdruck und die Bösewichte chargieren so stark, dass es an Parodie grenzt. Hinzu kommt noch ein nerviges Blag, dass jedem Zuschauer das letzte bisschen Geduld raubt.
Das Ergebnis ist ein sehr schwacher B-Klopper, der trotz zahlreicher Schlägereien mit seinem lahmen Drehbuch und Unmengen von Klischees nervt. Nur dank einiger guter Fights besser als der Bodensatz.