Vom Traum und Wunsch nach einem anderen Leben, einem anderen Dasein, in einem anderen Körper wird in Man on High Heels, einem Actiondrama mit gleichzeitig fantasievoller Note und weltlicher Gesinnung erzählt. Auf verschlungenen Pfaden und der Kreuzung mit dem gerade für Südkorea und sein jüngeres Kino bestimmenden und prägnanten Erscheinung des Polizei-und-Gangsterfilmes nicht eine fremde Geschichte als sonst, sondern eine effeminierte, eine menschlichere und innere statt die äußere Fassade erzählt. Der Zusammenhang der Jagd der Gesetzeshüter auf die Kriminellen und deren dräuendes Macht- und Schattenreich sowie diverse Konfrontationen, Allianzen und Verschwörungen bleiben bestehen, dienen aber ausnahmsweise der Zeichnung der Figuren statt nur dem losen und technisch und optisch makellosen Effekt. Eine Mischung aus autoritärer Persönlichkeit und einer toleranten, die sich gegenseitig bereichert und verändert, und das Interesse maßgeblich, wenn nicht alleinig über die Haupt- und Titelfigur, einer Frau im Männerkörper und ihren Gang in die Öffentlichkeit und deren verbalen und physischen Anfeindungen erweckt. Geschrieben und gedreht vom produktiven Jang Jin, 2001 mit Guns and talks debütiert:
Detective Yoon Ji-uk [ Cha Seung-won ] von der Seouler Mapo District Police Force verhaftet im Alleingang und trotz heftiger Gegenwehr seiner Handlanger den Gangsterboss Heo Bool [ Song Yeong-chang ], kurz bevor sich dieser der drohenden Festnahme durch Landesflucht entziehen kann. Da dabei auch dessen gesamtes Hab und Gut, vor allem die Wertpapiere in die Hände der Polizei fallen, sinnt Bools Sohn Heo Gon [ Oh Jeong-se ] auf Rache gegenüber dem Verursacher des Übels, was auch dessen Partner Kim Jin-u [ Go Gyeong-pyo ] in die Gefahrenlinie bringen soll. Dabei hat Yoon, strikter Einzelgänger und alles andere als ein Teamplayer, derzeit ganz andere Sorgen und gegenüber seinem Vorgesetzten Chief Park [ Kim Eung-soo ] eh die Kündigung eingereicht. Yoon, der sich sein Gehalt angespart hat, möchte sich mithilfe eines Hinterhofarztes und dortiger Hormontherapie und den Hinweisen und Tipps der Mama-san Bada [ Lee Yeong-nyeo ] vom "Gen-Club" endlich seinen Traum, offen als Frau leben zu können erfüllen und die Vergangenheit, die anfangs wunderschöne und bald leidvolle Freundschaft und Mehr zu einem Schulkameraden vergessen können.
In inniger Weise wird dabei über die Schwierigkeiten im früheren Leben und der Einsamkeit und dem Verlust im Jetzt, der Unsicherheit in Allem was man tut und des Versteckens hinter einem Anschein und so dem steten Spiel mit Vorgaben statt dem selbständigen Leben erzählt. Yoon, der seit der Kindheit mit seinen Gefühlen, mehr noch den Ängsten, diese akzeptieren zu können hadert, und einerseits zulassen zu wollen und andererseits aber auch nicht, hat sich in der Laufbahn eines Polizisten und der Karriere als hard-boiled cop, Einzelgänger und Ganovenschreck und so weiterhin sein Leben lang versteckt. Rückblenden in die Vergangenheit, die sensibel und träumerisch, oft ohne Worte und nur mit Blicken und sanften Gesten, ganz weit entfernt inszeniert sind, deuten das Versinkenwollen in die längst vergangene Unschuld und das Erleben der ersten Empfindungen, ob nun positiv oder nicht oder beides oft gleichzeitig an. Konterkariert wird dies mit einem genreaffinen und deswegen umso mehr dem Machismo und Großprotztum ergebenen Schelmenstück, in der die Gangster schillernd, die Handlanger zahlreich und die Polizisten, mit Ausnahme des gefürchteten Yoon und seiner furiosen Kampfkünste oft chancenlos und der Brutalität ergeben sind. Dort wird auch mit Klischees und eingefleischten Vorurteilen sowie den allseits bekannten Merkmalen eines kompromisslosen Rachefeldzuges samt blutüberströmten Massensterben agiert, stellt sich das Geschehen als Männerbündnis und -domäne, allgemeinen Bedrohungsgefühlen und Wutausbrüchen allerseiten, mit massiven Selbstvertrauen der Herren im Anzug und dem entsprechenden Imponiergehabe à la For the Emperor, Man from Nowhere, New World und Co. dar.
Denn so sensitiv, wie die Regie mit dem eigentlichen Geschehen, des Kampfes von Yoon um seine Bestimmung, seine vermeintliche Abweichung von der Norm und die Schwierigkeiten des Akzeptierens und Ausdrückens damit gehandhabt sind, so aggressiv ist oft der Rest der Handlung, die mit mancherlei Gewalttaten wie dem Penetrieren mit scharfen Gegenständen in weiche Leiber, einer Folter mit dem Zahnbohrer oder dem Zerquetschen eines Kopfes zwischen Autotür und Karosserie gespickt und dem Umgang damit ganz sicher nicht zimperlich, sondern zeigefreudig an Beispielen wie dem flinken Durchtrennen von Halsschlagadern, der etwas ungewöhnlichen Verwendung von Essstäbchen als höchst gefährliche Waffe oder dem Aufschlitzen von Bäuchen als Todesursache ist. Eine Welt, die aus den Fugen geraten, aber in der Gewissheit des koreanischen Gangsterkinos wesenseigen und dort mit unantastbarer Würde fundamentiert ist. Die Relativierung dessen kommt über die Details; so ist erstaunlicherweise der Grad der Verletzlichkeit beim Älteren der kriminellen Brüder fast ebenso hoch und ansprechend wie das Leiden im Zwiespalt des ihn verhaftenden und misshandelnden Detectives. Hier der schon wenig vom Alter und nun auch noch von den Schlägen und mannigfachen Hämatomen gezeichnete Kriminelle, der dazu noch vom Verlust an Prestige, Geld und Macht, und der unerfüllten Zuneigung zu dem ihm nicht ebenso Bewundernden, sondern Demütigenden und Malträtierenden und anschließend einfach Ignorierenden Polizisten gebrochen ist. Dort der Detective, der die Komponente der Ablehnung zwar gleichsam kennt, aber nur für sich in der Einsamkeit und nach außen nur als harte Schale und so der steten Gefahr für die eigene Identität lebt. Der Körper asketisch, athletisch und durch andauernde Blessuren von Metall gespickt, die Augen voll Trauer und Müdigkeit.
Ein Wechselbad von Stimmung und Szenerien, von Zeiten und Konstellationen, und demzufolge auch im Zustand von Paradoxien – das Erzeugnis wird als Actionkomödie klassifiziert, was er nicht, seltenst mal mit Anwandlungen von schwarzen bis traurigen Humoransätzen ist. Erstaunlicherweise, und dies mit ein Glücksfall des Filmes, der im Einfachen das Interesse aufweist und weitergeben kann, und in der Ruhe das Faszinierende, das Aufregende, das Melancholische und das Geschick, sind beide Heos, Vater und Sohn, trotz ihres Stehens auf der anderen Seite vom Polizisten beeindruckt bis imponiert und gar zugetan. Beide schwelgen gegenüber ihren Schergen und somit in breiter Öffentlichkeit und ohne Scheu geradezu von dem so stolzen und so tapferen, sich scheinbar nichts zu Herzen nehmenden und wie eine stoische Maschine arbeitenden Mann. Geschichten werden wie überlebensgroße Märchen erzählt, Bewunderungen und das Anziehen zu dem Gegenüber mit der Dienstmarke geteilt und für die Nachwelt erhaltend weitergereicht.