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Der Journalist Michael Finkel (Jonah Hill) ist für die New York Times tätig, als ihm anläßlich einer Reportage über Kindersklaven in Afrika schlampige Recherche und falsche Fakten nachgewiesen werden - ein Umstand, der ihn den Job kostet. Während er in seinem abgelegenen ländlichen Domizil vergeblich neue Aufträge an Land zu ziehen versucht, wird er darauf aufmerksam gemacht, daß ein gesuchter Mörder sich zur Tarnung seinen Namen zugelegt hat. Davon fasziniert sucht er jenen Christian Longo (James Franco) im Gefängnis auf und erfährt, daß dieser ein Fan seines bisherigen journalistischen Schaffens sei. Mehr noch, während Longo auf seinen Mordprozess wartet, bietet er dem nach Publicity gierenden Journalisten an, Manuskripte über sein Leben und seine Taten zu verfassen, die dieser exklusiv bekommen soll. Schnell entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung zwischen dem mutmaßlichen Mörder, der vorgibt, auf unschludig zu plädieren und dem sensationsgeilen Journalisten, der mit dem Manuskript einen Coup in Buchform landen will...

Leider stellt der auf einer wahren Begebenheit beruhende Film ganz und gar auf die Beziehung zwischen dem Häftling und dem Journalisten ab und vernachlässigt dabei zunehmend das Element der Spannung. In der Eingangssequenz wird ein kleines Mädchen in einem Koffer gezeigt, der kurz darauf aus dem Wasser gezogen in der Gerichtsmedizin landet - später wird erwähnt, daß Longos ganze Familie ausgelöscht wurde: Seine Frau und seine drei kleinen Kinder. Diese weiteren Morde bleiben lange Zeit vollkommen im Dunklen und werden erst gegen Ende in der Hauptverhandlung kurz thematisiert - davor erschöpft sich True Story in langen Dialogen und Wortspielchen zwischen dem überlegen wirkenden Häftling und seinem erstaunten Besucher, der über der erwarteten Bombenstory nebenbei auch seine Freundin vernachlässigt.

Leider sind beide Protagonisten in ihrem Auftreten ziemlich unsympathisch, sodaß mit der Zeit mangels Identifikationspotential auch noch größere Langweile aufkommt, während man vergeblich auf einen Clou oder Plot Twist hofft. Der dickliche Brillenträger Finkel, der alles tun würde, um wieder zur High Society der schreibenden Zunft zu gehören, nachdem er in Afrika nur mit Scheinchen gewedelt hat statt sich die Mühe zu machen, vermeintliche Kindersklaven tatsächlich zu befragen, hat sich dadurch schon von Beginn an jegliche Sympathie verscherzt - etwas besser macht es sein Gegenpart Longo, der zwischenzeitlich zumindest ein gewisses Interesse erwecken kann, ob er tatsächlich unschuldig ist oder ob sich hier nur zwei unterschiedlich strukturierte Narzißsten ein Duell liefern.
Die wenigen Nebenstränge verlaufen vollkommen im Sand (beispielsweise die deutsche Touristin, mit der Longo in Mexiko im Bett landet oder auch Finkels Freundin Jill, die eine historische Parallele zu den Morden entdeckt) und bringen kaum Abwechslung in die staubtrocken ausgebreitete Story, die an einer einzigen Stelle witzig zu sein versucht, als nämlich ein Wärter Longo mit "shortstop" anspricht und Longo dieses Wortspiel (long-go - short-stop) auch noch erklären muß. Daß in diesem etwa 2002 spielenden Film erst wesentlich später erschienene iPhones auftauchen, fällt da schon gar nicht mehr ins Gewicht.

Auch wenn man den Darstellern schauspielerisch keinen Vorwurf machen kann, ist True Story aufgrund des - durch die nacherzählte Realität natürlich einigermaßen vorgegebenen - Drehbuchs einfach nur stinklangweilig. 2,51 Punkte.

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