Im Zeitalter von Digitalkameras kann bekanntermaßen jeder seinen Spielfilm zusammenschustern und benötigt dabei nicht zwangsläufig ein allzu hohes Budget. Bei einem vermeintlichen Geisterfilm mit geschätzten 5000 Dollar Produktionskosten ist allerdings eine gewisse Skepsis gegeben und diese ist bei vorliegendem Streifen auch durchaus angebracht.
Pennsylvania um 1862: In einem kleinen Dorf scheint sich eine Plage einzunisten, denn die Kinder werden nach und nach von einer mysteriösen Krankheit heimgesucht. Auch Jiseel und Thomas sind Todgeweihte, doch in der Bibliothek, einer Art Zwischenreich erhalten sie die Chance auf einen Neuanfang. Dumm nur, dass Jiseel durch ein Portal gezogen wird und damit einen erbitterten Kampf zwischen Himmel und Hölle entfacht...
Die Kulissen wirken wie Teile einer Freilichtbühne, die mithilfe einiger Farbfilter jedoch fast schon authentisch rüberkommen und zwei, drei Landschaftsaufnahmen sind ebenfalls gelungen. Die Kostüme gehen auch in Ordnung, doch damit sind die nicht völlig negativen Aspekte des Werkes bereits aufgezählt.
Was uns Regisseur und Darsteller Joseph Ciminera ansonsten auftischt, ist purer Dilettantismus. Die Laiendarsteller haben sichtlich Mühe, nicht direkt in die Kamera zu schauen, die Dialoge überschreiten zuweilen deutlich die Grenze des Erträglichen, während die Story kaum fahriger erzählt werden könnte. Bis zum Ausbruch der Plage (offenbar Pocken) gestaltet sich die Handlung noch nachvollziehbar, doch mit Eintreffen in der Bibliothek (ein überbelichteter Rasenplatz, auf dem sich weiß gekleidete Typen mit irgendwelchen Büchern als Wärter herumtreiben) geht die Chose komplett steil bergab.
Fragmente der spannungsfreien Belanglosigkeit reihen sich aneinander, denn es kommt zu zahlreichen Transformationen mit ebenso vielen Sprüngen zu wahllos ausgewählten Kulissen.
Meistens begegnen den Kindern weiß geschminkte Gestalten mit verstellter Stimme, dazwischen tummeln sich nicht näher eingeführte Figuren und spätestens bei Kämpfen zwischen Gut und Böse im Wald schneidet jeder halbwegs sportlich begabte Mensch besser ab, zumal die meisten Hiebe oder Tritte erst gar kein Ziel finden. Demnach sollte man auch keine expliziten Gewalteinlagen erwarten, denn ein Kehlenschnitt ist hier gleichzusetzen mit einem kleinen feuchten, roten Fleck am Hals.
Nun könnten Trashfreunde das große Fest wittern, doch lustig gestaltet sich hier gar nichts, selbst die unglaublich blöde Synchro nervt nach einer Weile.
Es gibt keinen dramaturgischen Faden, keine atmosphärischen Momente und selbst eine Hexe auf einem Friedhof wirkt wie albernes Possenspiel eines Laientheaters.
"6 Minutes of Death" lautet der Alternativtitel, er könnte auch lauten "70 Minutes of Rubbish".
1,5 von 10