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Bevor es zur Erforschung des Mondes kam, trieb die Phantasie der Drehbuchautoren wilde Blüten. Ein schönes Beispiel hierfür ist der 1953 entstandene Cat-Women of the Moon, geschrieben von Roy Hamilton, nach einer Idee von Jack Rabin und Al Zimbalist, und inszeniert vom Briten Arthur Hilton, welcher seine Brötchen üblicherweise als Cutter verdiente. Die Moonraker 4 ist als erstes Raumschiff unterwegs zum Mond, und an Bord befinden sich fünf Astronauten: Captain Laird Grainger (Sonny Tufts), Co-Pilot Kip Reissner (Victor Jory), Navigatorin Helen Salinger (Marie Windsor) sowie Walt Walters (Douglas Fowley) und Doug Smith (William Phipps), die sicherlich auch bestimmte Aufgaben haben, obwohl mir unklar ist welche. Schon während des nicht ganz zwischenfalllosen Fluges beginnt sich Helen seltsam zu verhalten, wie in Trance, und nach der gelungenen Landung auf der dunklen Seite des Mondes benimmt sie sich gar, als wäre sie schon einmal hier gewesen. Und so führt Helen ihre Kameraden in eine Höhle, wo - man höre und staune - erdähnliche Bedingungen herrschen. Nach Abwehr einer lustigen Riesenspinnenattacke stoßen sie erst auf eine Siedlung und danach auf deren Bewohnerinnen, die Katzenfrauen. Wie sich bald herausstellt, führt das mysteriöse Weibsvolk übles im Schilde.

Wer ein Faible für abstrusen Science-Fiction-Nonsens aus den 1950er-Jahren hat, ist bei Cat-Women of the Moon goldrichtig. Ich habe mich bei diesem hanebüchenen Kokolores jedenfalls köstlich amüsiert. Inwieweit die Macher ihr Werk ernst genommen haben, vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings wirkt der gesamte Film, als ob er ernst gemeint wäre, was den Fun-Faktor natürlich entsprechend in die Höhe treibt. Die Schauspieler verziehen jedenfalls keine Mienen, egal ob sie mit langbeinigen Riesenspinnenpuppen konfrontiert werden, sich komische Raumanzüge überstreifen oder mit verführerischen Frauen in hautengen Catsuits interagieren. Selbst die dämlichsten Dialoge werden mit heiligem Ernst vorgetragen, wie zum Beispiel Walts Präferenzen bezüglich des schönen Geschlechts: "You're too smart for me, baby. I like 'em stupid." Zum Schmunzeln laden auch die nicht so ganz frauenfreundlichen Einsprengsel ein, welche humorlose Emanzen und Emanzinnen (*grins*, soviel Zeit muß sein) bestimmt zur Weißglut treiben. Denn abgesehen davon, daß die Cat-Women ziemlich verschlagen sind, Welteroberungspläne hegen und die Männer der Erde zu unterjochen gedenken, setzen sie den Hebel zur Realisierung ihrer bösen Absichten beim "schwächsten" Glied der Kette an. Bei Helen.

Helen ist rasch unter ihre Kontrolle gebracht, schließlich beherrschen die Mondbewohnerinnen Telepathie, die jedoch nur bei Geschlechtsgenossinnen funktioniert (das Gehirn der Männer ist also entweder zu kompliziert oder zu dumm für ihre Gedankenkraft). Tatsächlich beherrschen sie sogar die Teleportation, aber das ist für die Geschichte nicht weiter relevant. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, die telepathische Verbindung zu brechen. Man(n) muß die arme Helen nur grob behandeln, sie quasi hart rannehmen, dann kommt sie gleich wieder zu Verstand. Autor Roy Hamilton war wohl ein echter Frauenversteher. Ich sollte aber nicht unerwähnt lassen, daß auch die Männer ihre Schwachstellen haben, welche die Cat-Women eiskalt ausnutzen. Die Zauberworte hierfür sind: "May we serve you, Earthmen?" Die Frauen bedienen die Männer, bringen ihnen Speis und Trank, sie umgarnen sie und versuchen, sie mit Wissen und Schätzen zu ködern. "Diamonds Are a Girl's Best Friend", sang einst Marilyn Monroe, aber bei Bergen von Gold werden auch gestandene Männer schwach. Ob es den diabolischen Damen gelingt, die vier Astronauten auszutricksen und die Bedienung des Raumschiffes zu erlernen, um damit zur Erde zu fliegen und diese zu erobern, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Cat-Women of the Moon ist eine sehr preisgünstige Produktion. Sowohl die Kabine der Rakete als auch einige der Raumanzüge stammen aus anderen Filmen, und auch die Tempelstadt der Cat-Women riecht stark nach Recycling. Die restlichen Sets sind ebenso billig wie das knuffige Modell der Rakete oder die paar netten Matte-Bilder, von den Cat-Women gibt es ganze acht Stück zu sehen, die Riesenspinnen haben mehr Ähnlichkeit mit den Bastelarbeiten von Schülern für ein Theaterprojekt als mit professionellen Spezialeffekten, und richtige Action konnte man sich ebenfalls nicht leisten, findet einiges davon doch glatt im Off statt, wie etwa im kurzen und knappen Finale, das den Streifen auf abrupte und nicht gerade befriedigende Weise beendet. Was gibt es sonst noch zu vermelden? Kip hat für die wissenschaftliche Expedition eine Pistole eingesteckt (man weiß ja nie), ein leichter Schlag mit einem Styropor-Felsen auf einen Cat-Woman-Kopf kann den Tod verursachen, ein gewisser Elmer Bernstein zeichnete für die belanglose Standard-Musik verantwortlich, die Katzenfrauen vertreiben sich die Zeit mit Ausdruckstanz, und Helen durfte eigentlich nur mit, weil sie kochen kann. Für Fans von harmlos-naivem Science-Fiction-Schund ist dieser amüsante Pulp-Heuler somit ein sympathisch-kurzweiliges Fressen.

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