Review

Die 80er sind noch gar nicht so lange her, doch selbst im DVD-Zeitalter geraten selbst so junge Filmbeiträge schnell in Vergessenheit, wenn sie niemand nachträglich noch auf ein Silberscheibchen preßt - und man kann kaum behaupten, daß es wirklich nur die Besten der Besten bisher in den DVD-Verkauf geschafft hätten.
Einer, der es durchaus zur Zwischendurchsättigung hartnäckiger Monsterfilmfans geschafft hätte, ist der in Deutschland mit "Anthony" betitelte "The Kindred", der thematisch seiner Zeit (1987) fast schon voraus war, aber an einem totalen Kuddelmuddel erzählerischer Elemente krankt.

Horror war Billigfraßware als die Popper noch regierten und so umschwebt auch "Kindred" ein wenig der Hauch des mobilen Latexmonsterschnellschußes, doch bisweilen mit Finesse gemacht, was die Tricks angeht.
Wo es hapert, das ist die gewisse Logik im Drehbuch, die dem Zuschauer schlichtweg totales Abnicken aller Abstrusitäten abverlangt.

Startpunkt des Klon-Hybriden-Terrors ist eine Wissenschaftlerin, die nach einiger Zeit im Infarktkoma ihr Bewußtsein wiedererlangt und sich prompt sicher ist, daß ihre Forschungsergebnisse mal dringend verbrannt werden müßten. Ihr ungenannter Kollege (hier ist Oscarpreisträger Rod Steiger in einer seiner vielen Brot-und-Butter-Gast-Schrott-Rollen zu bewundern) stümpert nämlich an Unfallopfern herum (zeitweise absichtlich herbeigeführter Unfälle, wie die Startsequenz beweist) und züchtet sich für den Keller unter seinem Labor einen Haufen blutgeiler Mutanten zusammen. Als sich die ältere Kollegin (übrigens Kim Hunter, die man zumeist nur mit Affenmaske aus einem gewissen Charlton-Heston-Film kennt) quer stellt, läßt er sie abnippeln, doch ihr ebenfalls kitteltragender Sohnemann hat sich schon mit Freundin und Kollegen auf den Weg zu dem (klar) abgelegenen Holzhäuschen gemacht, in dessen Keller natürlich der hochgezüchtete und tentakelige Sprößling aufhält (was er bis dahin gemacht hat, bleibt dann mal lieber ungenannt, vermutlich Sudokus entworfen).

Man ahnt es schon: ideale Bedingungen für einen Bodycount von der Stange, wenn es dann auch in der Folge etwas anders kommt. Zwar meuchelt das Tentakelmonster früh ein weibliches Opfer, doch dann stellt sich saugnapfbewehrte Kraki etwas schusselig an und greift zwar ständig zu harten Bandagen, doch die Beteiligten entkommen irgendwann doch mit erheblichen Blessuren. Dazu kommt noch die notwendige Verräterin in Diensten des "Mad Scientist", dargestellt von Amanda "Max Headroom" Pays, die selbst eine Kiementherapie braucht.

Was dann folgt, ist eben keine Metzelorgie, sondern ein zwar manchmal unlogischer bis alberner Thriller, bei dem sich durchdachte und komplett idiotische Handlungsentscheidungen einigermaßen die Waage halten. Das ist zwar nicht originell, aber leidlich spannend und mit genügend Glibber und Latex zugekleistert, daß Fans trotzdem eine kleine Welle starten dürften. Ungewöhnlich ist das Fehlen eines wirklichen zentralen Helden, denn die verkappten Hauptdarsteller sind eher ineffektiv, während die sonst früh zum Tode verurteilten Nebenfiguren (wie z.B. Peter Frechette, der in den 90ern die Serie "Profiler" veredelte) bemerkenswerte Hartnäckigkeit im Überleben und nachgeraden Aktionismus gegen das Killervieh an den Tag legen.

Daß an dem Flickenteppich fünf Autoren beteiligt gewesen sein sollen, ist zwar ein Scherz vor dem Herrn, aber schlußendlich kann man sich "Anthony" durchaus ansehen, ohne dauerhaft Bauchschmerzen zu bekommen oder von billigen Klasse-C-Tricks abgestoßen zu werden. Der Trashfaktor hat es also nicht leicht, dafür macht der Film schwer auf 80er-Nostalgie, als die besten Sachen im Wochenrythmus in der Videothek landeten, um das Wochenende zu erhellen (5,5/10)

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