Review

Dreh dich nicht um, der Sackmann geht um!

Fragt mich bitte nicht, wie ich an dieses Stück filmisches Darmendprodukt names „Bagman“ gekommen bin, Details habe ich schon selbst aus meinem Gedächtnis verbannt, das Amusement bleibt.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: diese 78 Minuten verlorene Lebenszeit sind der größte Scheiß, der mir seit langem untergekommen ist – er ist ungefähr so schlimm wie der ebenfalls meisterhafte „voyeur.com“, der ja schon mit TV-Ausstrahlungen geadelt wurde.

Es handelt sich um so etwas wie einen Slasher, bei dem der titelgebende „Bagman“ ein gut angebratener Klumpfuß ist, der immer mit einem adretten Jutesäckchen über der Visage rumhinkt und zu Beginn von fünf schlecht verjüngten Schülern in einem zwei cm tiefen Bach ersäuft wurde, nachdem sie ihn mit einem Stock gepiekst und mit den Füßen vorsichtig angeschubst haben. 10 Jahre später ist Halloween und der „Bagman“ ist zurück und macht die Peiniger und alle, die sonst noch rumlaufen alle.

Es gibt kaum einen Vergleichswert, der zufrieden stellend beschreibt, wie schlecht dieser Film ist. „Granate für Trashfans“ ist eindeutig zu niedrig, das Teil ist schon eine Neutronenbombe.
Gedreht mit einem Haufen billigster Hand- und Stativkameras aus dem Hobbybereich wirkt das alles wie ein extrem schlechter Billigporno, jedes slashige Schülervideo ist Oscarmaterial dagegen.
Der Schnitt ist supermies, die Ausleuchtung mehr als armseelig, gedreht wurde offenbar binnen eines Tages und einer Nacht (was die Macher nicht davon abhielt noch eine sinnfreie Episode mit einer dicken Nachbarin und ihrem gemeuchelten Köter einzufügen, für die man einen sonnigen Nachmittag mittels Blaufilter eingenachtet hat) und die Tricks sind jenseits von schlimm und böse. Für Effekte war eh kein Geld da, also wird fröhlich immer wieder eine Machete in die Kamera gehalten oder geschlagen, ein Eindringen in Körper war zu teuer, dafür bräuchte man ja „prosthetics“.
Ergo zeigt man danach immer fest mit viel zu hellem Kunstblut beschmierte Leiber, dolle Show.

Dazwischen tanzt Z-Horror-Mieze Stephanie Beaton, in deren Vita Filme wie „Zombie Ninja Gangbangers“ funkeln durch die Szenerie, die aus einer Tankstelle, einer Garage und mehreren kaum eingerichteten Wohnzimmern der Darsteller besteht.

Knackig natürlich gleich nach dem Vorspann eine Rammelszene auf dem Herd, wo die Gute endlich mal ihre Qualitäten auspacken darf, denn sonst kann sie gar nichts, nicht mal ordentlich in Ohnmacht fallen oder kreischen.
Ist die Technik schon superscheiße, legen die Darsteller noch einen drauf. Ausgestattet mit supertiefen Ausschnitten und den schlechtesten Schnurrbärten seit „Sky Fighters“ stokelt die Besetzung wie Zombies durch die Botanik und sondert dabei Sätze ab, die die Haarwurzeln lockern.

Doch erst bei der deutschen Synchro fliegen richtig die Hosen weg, denn ein beknackteres Gemurmel einer Gruppe lithiumgeschwächter Altersheimbewohner hab ich selten gehört, absolut lippenunsynchron, unmoduliert und komplett untalentiert, auf dass die ersten, zweiten und dritten Zähne vor Lachen gleichzeitig rausfallen.
Mein persönlicher Favorit ist der Polizist mit der langen Nase und dem falschen Riesenschnäuzer, der, soviel Kontinuität der Synchro muß sein, sich deswegen mit operativ nicht mehr zu beseitigenden Polypen durch seine Rolle nuschelt, als hätte er es extrem eilig. Ein Knaller ist auch die (in einer weiteren sinnfreien Sequenz), die Transe, die er dabei versehentlich anmacht, die wird offensichtlich von einem Rentner im 70.Lebensjahr zusammengefistelt.

Und noch ein paar Gedenkminuten für Szenen voller Unfassbarkeit:
Miss Beaton finaler Aufschrei vor den Schlußtiteln, der von einem erstickenden Asthmatiker produziert wurde; das lustige Lagerfeuer in der Gartenlaube, in der sich am Ende angeblich der Killer selbst abfackelt; die wundersame Wandlung des schlaksigen Zwei-Meter-Killers, der 10 Jahre später als 1,70m großer und 200kg schwerer Fettsack widerkehrt; die Halloweenparty, bei doch glatt eine Tüte Chips und eine Flasche Mineralwasser auf dem Tisch stehen und der jetzt schon unsterbliche Moment, in dem die Freunde Miss Beaton ohnmächtig zur Party schleppen, nachdem sie sie mit der Sackmaske erschreckt haben und ihre Freundin angesichts der langen Ohnmacht ernst darüber sinniert, ob sie wohl wieder aufwacht, wenn sie die Maske noch mal aufsetzt.

Spätestens von da an nur mit absolut dichter Gummihose zu ertragen. (1/10)

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