In einer entlegenen Gegend im Norden Kanadas ist ein Team von Wissenschaftlern mit Ausgrabungen beschäftigt. Nach der teilweisen Freilegung eines Sarkophags, zu der ein weiterer Spezialist eingeflogen wird, geschehen plötzlich merkwürdige Dinge - zuerst laufen die indianischen Arbeiter davon, dann gibt es plötzlich keine Funkverbindung zur nächstgelegenen Versorgungs-Station mehr und schließlich hören die Mitglieder seltsame Stimmen, die sie zu Mord und Selbstmord überreden. Es scheint, als habe eine intelligente tierische Lebensform jahrtausendelang in dem Sarkophag geschlummert und sei nun mit der Ausgrabung zu neuem Leben erwacht...
Wem dieser Plot allzu bekannt vorkommt, der liegt insofern richtig, als mit der kanadischen Billig-Produktion Black Mountain Side eine weitere Interpretation des Carpenter-Klassikers The Thing vorliegt. Leider gelingt es dem Streifen jedoch an keiner Stelle, in Sachen Atmosphäre, Spannung oder Tempo auch nur annähernd an das Original heranzukommen. Dies liegt zum einen an den eher farblosen, austauschbaren Charaktären, von denen keiner Sympathie zu erwecken weiß, zum anderen an einem komplett langweiligen Drehbuch, das absolut keine Dramatik und auch kein Finale kennt und schließlich auch an einem nicht zu den geschilderten Ereignissen passendem Setting.
Der Drehort besteht aus ein paar winterlich verschneiten Ferienhäusern inmitten waldgesäumter Bergketten, die durchaus pittoresk gelegen sind, jedoch keineswegs nach einer archäologischen Forschungsstation aussehen; die kolportierten zweistelligen Minusgrade, die angeblich vorherrschen sind weder an der Kleidung der Darsteller (die zum Teil ohne Mützen draußen herumlaufen), noch an Isoliermaßnahmen an den Holzhäusern zu erkennen, selbstredend fehlen auch größtenteils die Kondenswolken vor dem Mund beim Sprechen. Auch ist diese "Station" kaum für einen monatelangen Aufenthalt eingerichtet, ein größeres Lager mit Brennstoff und Lebensmitteln fehlt genauso wie ein Funkmast, Bagger oder sonstige Fahrzeuge - ein anfangs kurz gezeigter Hubschrauber versorgt die Mannschaft mit dem Nötigsten.
Nachdem die Funkverbindung plötzlich weg ist, muß man sich darauf einstellen, vorerst keine weiteren Lieferungen mehr zu bekommen - was erstaunlich teilnahmslos zur Kenntnis genommen wird. Auch einige weitere Ereignisse ziehen keineswegs erwartbare Konsequenzen nach sich - stattdessen brechen manche Szenen einfach ab. Der ganze Film ist mit immer wieder eingeblendeten Kalenderblättern (schwarzer Bildschirm mit Datum) unterteilt und zieht sich folglich über mehrere Wochen hin. Eines Tages z.B. findet sich ein Teammitglied mit seltsamen Krämpfen auf einem Tisch wieder, die anderen halten ihn fest und dann wird ihm der halbe Arm abgehackt und der Stumpf notdürftig verschlossen. Kalenderblatt, das war´s, nächste Szene. Keine Analyse, keine Beratschlagung der Anwesenden, nichts. Ein wirklicher Filmfluß kann auf diese Weise nicht entstehen, vielmehr sind es einzelne Momentaufnahmen, die allerdings nicht unmittelbar in einem Zusammenhang zueinander zu stehen scheinen. Die geschilderte Amputation (sowie eine weitere) sind übrigens ganz ordentlich ohne Computertechnik dargestellt, was zu den wenigen positiven Aspekten von Black Mountain Side gehört. Leider verzichtet der Film auch auf jeglichen Score, nicht einmal ein pfeifender Wind ist zu hören, was der darzustellenden Atmosphäre keineswegs zugute kommt.
Die angedeutete außerirdische Lebensform äußert sich dann irgendwann einmal in Form einer tiefen Stimme, die auf die einzelnen Betroffenen einredet, meist wenn sie allein sind und unhörbar für die anderen. Der psychologische Aspekt, isoliert in der kalten Wildnis plötzlich Stimmen zu hören, wäre bei entsprechender Ausarbeitung durchaus interessant, aber leider macht das Drehbuch viel zu wenig daraus. Stattdessen manifestiert sich Das Ding aus dem Eis (so der deutsche Subtitel) gegen Ende des Films in Gestalt eines Hampelmanns in einem Faschingskostüm - was für ein peinlicher Schwachsinn!
Gewollt, aber nicht gekonnt, so könnte man diesen Streifen umschreiben. Von der Ausgangssituation her der klassische Carpenter-Stoff, garniert mit ein paar neuen Ideen, die aber über Ansätze nicht hinauskommen. Dies und das zumindest redliche Bemühen der Protagonisten, Angst und Verunsicherung darzustellen, sind maximal 3 Punkte wert.