Review
von Leimbacher-Mario
Auf Whisky und Pornos!
„Black Mountain Side“ befindet sich irgendwo zwischen Carpenters legendärer Schnee-Invasion und Netflix' „The Ritual“ - ein paar Männer/Wissenschaftler im Eis, im nördlichen Kanada, umgeben von Mythen und seltsamen Ausgrabungen, weitab von Hilfe, Menschen, Wärme und Zivilisation. Leider schafft dieser eisige Paranoia- und Psycho-Horror leider außer guter Atmosphäre wenig mehr - die Darsteller spielen eher mager auf, es gibt zu viele Figuren, um ein paar davon tiefer zu beleuchten, die Horrorhighlights sind spärlich und das „Rentier-Monster“ ist unfreiwillig lächerlich.
Für einen Indie-Twist auf das altbekannte Setting, macht das „Black Mountain Side“... okay? I think. Aber mehr auch nicht. Um sich ins Spiel zu bringen und (passend zum Thema, weit außerhalb) auf die Karte zu setzen, taugt der Film dem Regisseur etwas. Er ist psychologisch interessant, nicht unrealistisch und hat ein paar (wenige) harte Ausreißer. Die Abgeschiedenheit der Winterlandschaft wird gekonnt eingefangen und man hat wirklich das Gefühl, dass Hilfe oder andere Menschen nichtmal annähernd in der Nähe sein könnten. Die fehlenden Erklärungen und etlichen Möglichkeiten zu Interpretation erhöhen das Nachdenken nach dem Abspann zudem. Aber insgesamt, auch ohne Vergleich zu den viel besseren genannten Werken, reicht mir das hier nicht. Alles zieht sich wie ein festgefrorener Kaugummi, die Charaktere sind einem egal und kaum auseinanderzuhalten, kein Weg wird zu Ende beschritten und echter Horror tritt leider nie ein. Das ist hoch gezielt, nett gemeint, ambitioniert gedacht - aber im Endeffekt dann doch eiskalt gescheitert. Nice Ansätze - scheisse Ergebnisse.
Fazit: das Ding aus einer langweiligen Welt?! Schon irgendwie. Gemeinsam einsam. Isolation, Eiseskälte, Artefakte, Mysterien, Viren. Klingt voll und toll, ist es aber nicht wirklich. In den 80ern wäre das glasklarer Monsterhorror geworden. Heute ist das eher eine psychologische Slowburn-Indie-Schlaftablette mit wenig Budget, noch weniger Höhepunkten, aber immerhin toller Atmosphäre, einigen Gewaltspitzen und bodenständiger Herangehensweise. Geduld wird hier allerdings nur spärlich entlohnt.