Früher hat das karge Wüstengebiet, auf dem nun das schwarze Gold gefördert wird, den Comanchen gehört. Sie haben es dem weißen Mann nicht freiwillig überlassen, mußten sich letztendlich jedoch dessen Übermacht beugen. Die Legende besagt, daß die Indianer, um die drohende Niederlage noch abzuwenden, sogar einen bösen Geist heraufbeschworen. Doch diese angeblich perfekte Killermaschine entpuppte sich als Bumerang, machte sie doch keinen Unterschied zwischen Freund und Feind und tötete alles, was ihren Weg kreuzte. Von diesen Dingen hat die Familie Cashen keinen blassen Schimmer. Mance Cashen (Patrick Kilpatrick) ist mit seiner Frau Emily (Suzanne Savoy) und Baby-Tochter April eben erst hierhergezogen, da er bei der hiesigen Ölbohrfirma einen Job angenommen hat. Sein Sohn aus erster Ehe, Willy (Chris Miller), stößt wenig später hinzu, darf er doch die Sommerferien bei seinem Vater verbringen. Und Willy ist es auch, der als erster bemerkt, daß sie in dem kleinen Häuschen nicht allein sind. Irgendetwas ist da im verbarrikadierten Keller, und es scheint alles andere als freundlich zu sein. Natürlich glaubt dem Jungen niemand, und so nimmt er notgedrungen im Alleingang den Kampf gegen den monströsen Untermieter auf.
Das auf einer Kurzgeschichte von David Henry Keller basierende Monster-Movie The Cellar wurde von John Woodward, der auch das Drehbuch schrieb, begonnen. Dann jedoch stieg dieser aus dem Projekt aus, woraufhin man Kevin Tenney engagierte, um den Film fertigzustellen. Für Tenney war The Cellar somit eine reine Auftragsarbeit, und das sieht man dem Endprodukt auch an. Im Vergleich zu Witchboard, Night of the Demons, Witchtrap oder Witchboard 2: The Devil's Doorway fällt The Cellar deutlich ab. Dem Streifen fehlt es vor allem an der speziellen Würze, die Tenneys Arbeiten so schmackhaft machen. Und das ist beileibe nicht das einzige Handicap des ernst angelegten Filmes. So ist das Casting von Patrick Kilpatrick als Familienoberhaupt problematisch; seine Figur hat von Anfang an eine unangenehm psychopathische Schlagseite, die es (mir) unmöglich macht, in ihm einen heldenhaften Protagonisten zu sehen. Kilpatrick (Scanner Cop II) mag in Schurkenrollen überzeugen, als fürsorglicher, liebevoller Familienvater ist er eine glatte Fehlbesetzung. Dies wird vor allem gegen Ende deutlich, wenn er sich seinem Sohn gegenüber höchst widerlich benimmt und eine solch unerhörte Arschlochnummer abzieht, daß man den Mann weit mehr fürchtet als das Monster im Keller.
Die anderen Schauspieler sind mehr oder weniger okay, wobei es Chris Miller als Willy immerhin schafft, den Zuschauern nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen. Recht passabel ist auch der böse Comanchen-Geist, der sich als mörderisches Monster manifestiert hat. Das schuppige Ding sieht aus wie eine verunglückte Kreuzung aus Alligator, Bär und Ratte, hat viele spitze Zähne und ist häßlich wie die Nacht. Es ist keine Kreatur, an die man sich lange erinnert, aber für die fünfundachtzig Minuten des Filmes genügt es vollauf. Einerseits ist das klobige Biest, das der Legende nach aus verschiedenen Teilen gefährlicher Tiere entstanden ist, ziemlich imposant, wenn es auf die potentiellen Opfer zu stapft, andererseits funktioniert das Zusammenspiel mit der Cast nur bedingt, da es sehr unbeweglich geraten ist. Deshalb wird es uns von Tenney meist auch nur allein - aber dafür bildschirmfüllend - gezeigt. Den unspektakulären Attacken mangelt es leider an Wucht, und daß sich der Blutfluß auf ein Minimum beschränkt, ist diesbezüglich ebenfalls nicht wirklich hilfreich. Positiv hervorzuheben sind hingegen die coolen Landschaften (gedreht wurde in Tucson, Arizona), und auch die beigemengte indianische Mystik ist eine nette Abwechslung zum üblichen Monster-Einerlei.
Über soliden Durchschnitt kommt The Cellar dennoch nicht hinaus. Die Figuren sind einfach viel zu schwach charakterisiert, als daß man etwas für sie empfinden könnte. Hinzu kommt, daß die Struktur des Streifens arg konventionell ist und daß das Drehbuch die Figuren einige Male in die Klischeefalle tappen läßt. Das wäre ja noch zu verschmerzen gewesen, wenn es Tenney bzw. Woodward verstanden hätten, die Geschichte flott und packend umzusetzen. Leider ist das nicht der Fall. Der Film dümpelt mal mehr, mal weniger unterhaltsam dahin, und er hat einige Längen, wodurch er sich auch länger anfühlt als er eigentlich ist. Die Idee mit den Raben, die in Verbindung zum Monster stehen, ist ganz nett, läuft jedoch letztendlich ins Leere. Erst gegen Ende zeigt Tenney, was hätte sein können, denn der Showdown dieses mittelmäßigen Creature Features ist ihm richtig gut und mitreißend gelungen. Ein Fall von zu wenig zu spät. Wer sich jetzt fragt, wo denn der Anthony abgeblieben ist, die Bestie, die laut dem deutschen Titel zurückkehrt, dem muß ich leider mitteilen, daß dieser hier ebensowenig vorkommt wie in Anthony III (The Runestone, 1991). Die beiden Filme als "Fortsetzung" von The Kindred (Anthony, 1987) zu verkaufen, ist bloß das Ergebnis deutscher Titelschmiedekunst.