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Es ist auch schon wieder acht Jährchen her, seit ich mir tapfer vornahm, doch jetzt endlich mal die sogenannte „Anthony“-Trilogie einzupfeifen, ein Vermarktungsmeisterwerk, wie es sonst eigentlich nur für exotische Raubkopiemärkte gegeben hat, dass es aber in einigen Fällen auch nach Deutschland schaffte.

„Anthony“ – das existiert eigentlich gar nicht, nur auf dem Cover dreier völlig unterschiedlicher VHS-Editionen, mit der lauen Gemeinsamkeit, dass durch jeden der drei Filme ein Monster tobt. Das war es dann auch schon.
Bot „The Kindred“ noch einen einigermaßen ansehnlichen Klonhorror, geht es mit „Anthony II – Die Beste kehrt zurück“ schon die Qualitätsrutsche abwärts.

In diesem Fall ist unser „Anthony“, der im Original wenig originell „The Cellar“ benannt ist, ein indianisches Zauberprojekt aus verschiedenen natürlichen Zutaten (=Tieren), welches dem weißen Mann anno dunnemals mal ordentlich heimleuchten sollte.
Das hat aber nur bedingt funktioniert, weil die Chimäre zwischen weiß und rot keinen Unterschied gemacht hat.
Nun haben die Ureinwohner das Vieh aber nicht wieder zerstören können, also haben sie es mittels Magie (1 Hasenpfote + 1 magischer Speer) an Ort und Stelle gebannt, wo in der Zwischenzeit ordentlich, wenn auch vergeblich nach Öl gebohrt wurde. Auch ein Wohnhaus erhebt sich über der Stelle, so dass der dazugehörige Keller (siehe OT) eine halb wassergefüllte Kaverne mit Monsterfüllung darstellt.

Der Dorfsäufer und aktuelle Pächter vertickt nun irgendwann das Grundstück an eine mäßig typische amerikanische Mittelstandsfamilie mit Sohn aus erster Ehe und der nette Wachindianer ist zu spät dran, um das Ziehen des Speers und das Entfernen der Hasenpfote zu verhindern. Kann also losgehen.

Machen wir es kurz: Können und Tempo gehen anders.
Während der Look des Film noch akzeptabel sind, der Plot ist es nicht. Die familiäre Situation ist umständlich beschrieben, Daddy verwandelt sich vom netten Typen zum unzufriedenen Querkopf, bis er beinahe als Vollarsch seinen Jungen dem Monster ausliefert und unser allerliebster jugendlicher Held ist auch nicht eben mitreißend mit all seinen Basteleien, um den Killerhund (so ähnlich sieht das Vieh jedenfalls aus) auf Distanz zu halten.
Der Film besteht mehr aus einer unbeholfen montierten Szenenabfolge, denn aus einer kohärenten Story, jedenfalls müssen allerlei Nebenfiguren ins Gras bzw. den Sand beißen. 85 Minuten ist keine monumentale Lauflänge, aber das alles wird eingefasst von mehreren Minuten Legendengelaber aus dem Off, während die Sonne flimmert und die Krähe fliegt.
Fans des Monsterhorror werden einigermaßen Spaß haben, vor allem im deftigen Finale, wo natürlich das allseits beliebte Sprengpulver mal wieder zum Einsatz kommt.
Für mich war es eher ein zäher Lappen, über dessen Ende ich dann doch ganz glücklich war – kein Wunder, dass sich seit der VHS-Ära noch niemand darum gerissen hat, den Film dem Vergessen zu entreißen. Auf Youtube aus eben diesesn Gründe gerade noch so als VHS-Rip erhalten, doch von einem Anthony weit und breit keine Spur.
(4/10)

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