Review

"Whether you like it or not, you and me, we're the master race. We are Gods. Gods among cattle."
(Sadie legt ihre Sicht der Dinge anschaulich dar)

In der Realität, im echten Leben, hasse ich Überraschungen. Eigentlich gibt es keinen bestimmten Grund dafür (zumindest fällt mir keiner ein), es ist einfach so, schon seit Kindheitstagen. Im Filmbereich hingegen lasse ich mich umso lieber überraschen. Ich lese im Vorfeld selten Kritiken, ignoriere Filmclips komplett und schalte bei Werbetrailern sofort auf Durchzug, um zu verhindern, daß ich zu viel über den Film bzw. dessen Handlung erfahre. Diese Vorgangsweise kann natürlich in gewaltige Enttäuschungen münden, aber da ich mich auf mein Gefühl, welche Filme mir prinzipiell zusagen sollten, verlassen kann, halten sich diese zum Glück stark in Grenzen. Es gibt jedenfalls wesentlich mehr Treffer als Fehlschläge. Was uns zu Blood Soaked bringt. Dieser Streifen wanderte in meine Sammlung, weil ich vor einigen Monaten den Trailer gesehen habe und ich den Titel daraufhin mit dem Vermerk "interessant" auf meine Einkaufsliste setzte. Und so landete die amerikanische DVD schließlich und endlich erst in meinem Briefkasten und ein paar Tage später in meinem Player. Und die Überraschung war groß.

Denn Blood Soaked ist so überhaupt nicht das, was man erwarten durfte. Nicht aufgrund der Handlung, sondern in Bezug auf die extravagante Umsetzung des Geschehens. Die Story ist nichts Besonderes und bestenfalls Exploitationfilm-Standard. Zwei junge Photographie-Studentinnen, Piper (Heather Wilder) und Ashley (Rachel Corona), treffen bei der Heimreise nach einer Party in der Wüstengegend New Mexicos auf die ebendort in einem alten, unterirdischen Bunker lebenden Geschwister Sadie (Laina Grendle) und Katie (Hayley Derryberry). Sadie und Katie sind durchgeknallte Nazis, die mit einem mysteriösen, von ihrem verstorbenen Vater entwickelten Serum Tote wiederbeleben und auf diese Weise eine abgerichtete Zombiearmee auf die Beine zu stellen gedenken. Wegen Weltherrschaft, Viertes Reich, und so weiter. Für Ashley und insbesondere für Piper beginnt ein schrecklicher Alptraum, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Blood Soaked ist eine spottbillige, mit Motiven der Backwoods- und Naziploitation-Subgenres angereicherte Re-Animator-Variante, welche es dem geneigten Genrefan nicht gerade leichtmacht.

Thematisch kann man dem in sechs Tagen abgedrehten Blood Soaked eine Verwandtschaft mit Nazi-Zombie-Streifen à la Revenge of the Zombies (1943), Shock Waves (Shock Waves - Die aus der Tiefe kamen, 1977), La tumba de los muertos vivientes (Oase der Zombies, 1982) oder Frankenstein's Army (2013) gewiß nicht absprechen. Es gibt Nazis (ganze zwei Stück), und es gibt Zombies (eine Handvoll). Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch schon erschöpft. Viel eher erinnert der Film an Backwoods-Schocker wie The Hills Have Eyes (1977), wobei sich Sadie und Katie benehmen, als wären sie bei der Manson Family aufgewachsen. Womit Regisseur/Autor Peter Grendle viele Zuseher vor den Kopf stoßen dürfte, ist nicht nur seine Weigerung, ihnen das zu geben, was sie wollen, sondern vor allem seine eigenwillige Bildsprache. In dem Moment, als den Studentinnen endgültig klar wird, daß sie in der Hölle gelandet sind und daß Sadie und Katie die dort herrschenden Teufel sind, die ihren sadistischen Neigungen freien Lauf lassen, wird dem Bild im wahrsten Sinne des Wortes die Farbe entzogen. Von da an läuft das Geschehen in Schwarzweiß ab.

Und es ist nicht nur irgendein Schwarzweiß, es ist ein extrem kontrastreiches, markantes Schwarzweiß, welches dem ganzen Szenario ein überaus unwirkliches, alptraumhaftes (Underground-)Flair verleiht. Durch den stark stilisierten Look scheint das Geschehen der Realität so sehr entrückt, als ob man sich in einer höllischen Parallelwelt befinden würde. Der Ton ist grimmig und humorlos, der Stil roh und ungeschliffen, die Gewaltdarstellungen sind ungemütlich und schonungslos, und wenn Blut fließt, ist es nicht rot, sondern schwarz wie die tiefste Nacht. Oft ist es schwierig, Details zu erkennen, weshalb man all die Brutalitäten eher ahnt als sieht. Da spielt es auch keine große Rolle, daß die Spezialeffekte praktischer Natur sind. Immerhin macht Grendle schon früh klar, daß Blood Soaked keine Spaßgranate sein wird. Kurze, in den Vorspann eingebettete Archivaufnahmen von Hitler, Militäraufmärschen und Nazigräuel deuten an, daß es hier nichts zu lachen gibt. Blood Soaked ist weder ein guter noch ein besonders unterhaltsamer Film. Er ist Exploitation der ruppigen Sorte, welcher immerhin auf formaler Ebene überrascht und durchaus auch beeindruckt.

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