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Eine mächtige Company will den Gütertransport von der Schiene in den Luftraum verlegen. Zwei Eisenbahnangestellte, der betagte Bremser Haney und sein kauziger Freund Leo, kapern kurz entschlossen eine Lokomotive zur Rettung ihrer Arbeitsplätze und ihres bedrohten Heimatortes. Die Reise führt sie bis nach Chicago, wo sie die Company zur Umkehr bewegen wollen. Dort werden sie bereits vom neuen Präsidenten Gerber erwartet, der die Abenteurer aus dem Mittelwesten für eigene PR-Zwecke einzuspannen versucht. Erst als Haney und Leo den Vater des Unternehmens für sich gewinnen, gelingt es den beiden, ihre Existenz und die ihres Heimatortes zu sichern.

Ich weiß gar nicht, warum der Film so eine schlechte Note aktuell hat. Mit Volldampf nach Chicago ist ein schön melancholisches Roadmovie (naja, auf Schienen halt), das einen wärmenden Drama Part aufweist aber auch angenehm subtilen Humor durch seine beiden Hauptprotagonisten mitbringt. Wir bekommen eine Reise, in der zwei alternde Bahnmitarbeiter auf naivste Weise versuchen von Chicago zum Firmensitz der Southland Railroad Company antreten und dort dem Firmenchef zu überreden, das Frachtgeschäft und damit sowohl den Job, das Leben und auch die Zukunft der Familien und dem Kleinkaff Clifford (Pop. 2506 lt Straßenschild), beizubehalten und nicht auf eine vermeintlich lukrativere Luftfrachtgesellschafft umzusteigen.
Haney und Leo sind dabei die typischen Landeier mit dem Herz am rechten Fleck. Allein die ruhigen, aber immer unterschwellig lustigen Dialoge der beiden, die oft gezeigte Angst vor der eigenen Courage oder deren Reaktionen auf das Leben in der Großstadt Chicago sind absolut unterhaltsam. Im Grunde sind wir hier in der leisen Ausgabe von Archie und Harry können es nicht lassen. Dabei geht es gar nicht einmal direkt um Kritik an Konzernen oder Kapitalismus, denn die Southland Oberen sind eigentlich nette Leute, sogar der Präsident der den Vorfall als PR Kampagne nutzen möchte und so etwas wie der nominelle Bösewicht sein soll, ist eigentlich kein übler Kerl und nimmt sogar das Ende fair und sportlich hin.
Das ganze entwickelt sich zu einer entspannten Ballade mit durchaus realistischen Bezügen, denn der Niedergang alter Betriebe (Bahn, Bergbau oder generell die Ablösung des klassischen hard working man durch Maschinen oder Computern) ist ja ein absolut durchlebtes Szenario. Gut finde ich auch, das man nicht ein typisches Happy End mit Gewalt hingezimmert hat, sondern den Film offen aber optimistisch ausklingen läßt. Ich bin jetzt kein besonderer Fan von Dramen, aber wenn sie ansprechend präsentiert werden, weiß ich das durchaus zu schätzen. End of the Line bietet meiner Meinung genau das.
7/10

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