Review

Aus Kostengründen zieht es nicht nur Produktionen aus Hollywood regelmäßig nach Bulgarien, wo der eine oder andere markante Schauplatz bereits zur Geltung kam. Mit „Roseville“ feiert Regisseur Martin Makariev nicht nur sein Spielfilmdebüt, es ist nach eigenen Angaben auch der erste Psycho-Thriller aus Bulgarien.

1985: Die Flitterwochen verbringen Vassil und Nadya im Balkangebirge, wo sie Gastgeber George im alten Hotel herzlich empfängt. Auch mit den beiden anderen Gästen Dora und dem amerikanischen Fotografen Stephen versteht sich das Paar gut. Doch dann macht Vassil eine Veränderung durch, eine unheimliche Naturgewalt scheint sich seiner zu bemächtigen, was mit der Zeit auch auf die übrigen überzugehen scheint…

Eingebettet ist die Geschichte in eine kurze Rahmenhandlung, in der ein ehemaliger Ermittler über ein bis heute ungeklärtes Verbrechen berichtet. Es gibt eine kurze Tatortbegehung, die jedoch noch nicht allzu viel von den eigentlichen Abläufen vorwegnimmt, zumal jene „Archivaufnahmen“ von massiven Bildstörungen begleitet werden.

Die Vorgänge selbst weisen derweil einige Parallelen zu „Shining“ auf: Ein isolierter Schauplatz, nur wenige Figuren und nicht beeinflussbare Wesensveränderungen, einschließlich dem Spiel mit Träumen, Visionen und Wirklichkeit.
Makariev geht das zunächst geschickt an und baut kleine Geheimnisse der Individuen ein, setzt auf eine kontrastarme Bebilderung und verlässt sich auf die intensive musikalische Untermalung, die von A bis Z sehr genau abgestimmt ist und in hohem Maße zur unheilvollen Grundstimmung beiträgt.

Allerdings mäandert das Treiben phasenweise arg vor sich hin, aufgrund des kammerspielartigen Charakters erscheint das Geschehen oftmals zu ereignislos, zudem macht sich ein mangelndes Gespür fürs Timing bemerkbar. Hinsichtlich der satten zwei Stunden Laufzeit werden darüber hinaus zu wenige Anhaltpunkte zum Miträtseln geliefert: Die angeblich einzige Eiche auf dem Balkan, ein vermeintlicher Wolf und ein Dreiecksymbol lassen nur vage erahnen, inwieweit dies im Kontext mit den Charakterveränderungen steht.

Darstellerisch werden durch die Bank gute Leistungen erbracht, die Mimen performen nuanciert und bodenständig, selbst die dazugehörige Synchro arbeitet auf einem hohen Niveau.

Allerdings ist es aufgrund der Figurenkonstellation und einiger Entwicklungen nicht leicht, eine Identifikationsfigur auszumachen, was sich gegen Finale ein wenig zuspitzt. Wobei der Ausgang nicht jenen zusagen dürfte, die mehr als nur Ansätze von Erklärungen benötigen.
Der größte Knackpunkt in dem ansonsten visuell und atmosphärisch stimmigen Werk bleibt die schleppende und schwelgende Erzählweise, der eine Straffung um rund 30 Minuten gut getan hätte. Wer also keine sonderlichen Erschreckmomente oder donnernde Spezialeffekte benötigt, könnte einen vorsichtigen Blick wagen.
Knapp
6 von 10

Details
Ähnliche Filme