Immer noch Publikumsliebling oder mittlerweile ein Indikator für Kino-Flops? Johnny Depp und "Der Fluch der Karibik" scheint sich zumindest zum Fluch an den Kinokassen zu entwickeln, denn die rund 60 Millionen Dollar schwere Gaunerkomödie konnte noch nicht einmal die Hälfte des Budgets einfahren. Am hochkarätigen Cast liegt es jedoch nicht, vielmehr scheitert das Drehbuch an vielen Ecken und Enden.
Aristokrat, Kunsthändler und Gelegenheitsdieb Charlie Mortdecai (Depp) und seine Frau Johanna (Gwyneth Paltrow) haben Schulden, da kommt ihnen ein gestohlener Goya eigentlich gerade entgegen, da auf der Rückseite des vermissten Gemäldes ein geheimer Code verzeichnet sein soll. Allerdings haben Mortdecai und sein loyaler Gehilfe Jock (Paul Bettany) die Rechnung ohne Mi5-Ermittler Martland (Ewan McGregor), russische Gauner und international gesuchte Terroristen gemacht...
Johnny Depp in seiner Paraderolle als leicht tölpeliger Exzentriker ist mittlerweile ein wenig überstrapaziert und so wird man mit der titelgebenden Figur auch nicht wirklich warm.
Der dekadente Snob und Trinker sieht vielfach zu sehr nach Comicfigur aus, der Running Gag mit seinem Moustache läuft sich bereits nach einer Viertelstunde tot und auch die Interaktionen mit Ehefrau Johanna erinnern an Screwball unterer Kajüte. Nicht unsympathisch, aber auch nicht wirklich charmant.
Diener Jock bringt demgegenüber wesentlich bessere Voraussetzungen für kleine Aufheiterungen mit, denn dieser ist nicht nur für die Action zuständig, sondern hält neben rechter und linker Wange eigentlich gleich alles hin, gabelt zwischen den Einsätzen immer mal wieder eine Tussi für schnelle Nummern auf, nur gegenüber arg vergammeltem Käse reagiert er empfindlich.
Der Agenten-Mischmasch leidet allerdings an einer unausgegorenen Dramaturgie, da diverse Versatzstücke ins Leere laufen und die Geschichte um den Kunstraub mit all seinen Konsequenzen durchweg altbacken und wenig originell daherkommt.
Regisseur David Koepp, der zuletzt noch mit "Premium Rush" überzeugen konnte, ist zwar handwerklich versiert, wartet mit ansehnlichen Kulissen, einem zeitweilig gelungenem typisch britischen Ambiente auf und auch die Kamera des Braunschweigers Florian Hoffmeister weiß zu gefallen, doch Spannung stellt sich bei alledem kaum ein.
Stationen wie London, Moskau und LA werden fragmentartig abgeklappert und man merkt dem total unerfahrenen Drehbuchautor Eric Aronson an, wie er fieberhaft versucht hat, eine Essenz aus der Mortdecai-Trilogie von Bonfiglioli zu filtrieren. Das Ergebnis ist harmlos, nur selten witzig und oft klamaukartig, vor allem aber wirkt der Stoff in vielen Momenten zu gewollt, wobei der Funke eben nie so recht zündet.
Namhafte Mimen wie Jeff Goldblum und Olivia Munn sind zwar nur schmückendes Beiwerk, doch die Spielfreude sämtlicher Mimen hält das weitgehend farblose Treiben am Leben. Johnny Depp ist zweifelsohne in seinem Element, doch ohne Paul Bettany würde die One-Man-Show zu einseitig und unpointiert ablaufen.
Unterhaltungswert mittelmäßig, der mutlose Film mit viel Wohlwollen auch.
5 von 10