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Johannesburg in einer nicht allzu fernen Zukunft: Um der Kriminalität in einer der gefährlichsten Städte der Welt endlich Herr zur werden, arbeitet die Polizei Hand in Hand mit Polizeirobotern, die bisher überzeugende Arbeit leisten. Dev Patel spielt den Angestellten eines Rüstungskonzerns, der die Roboter entwickelt hat. Er arbeitet nun sogar an künstlicher Intelligenz, was seine Chefin, gespielt von Sigourney Weaver, aber nur mäßig interessiert, weil sie nicht wirklich in das Portfolio des Rüstungskonzerns passt. Daher nimmt er einen schrottreifen Polizeiroboter mit nach Hause, um sein Programm einem Test zu unterziehen. Dumm nur, dass er auf dem Weg von drei Gangstern gekidnappt wird, die den Roboter für ihre Zwecke umschulen möchten. Währenddessen arbeitet ein neidischer Ingenieurskollege, gespielt von Hugh Jackmann, an einem Plan, die Polizeiroboter aus dem Weg zu räumen, um eine eigene Version auf den Markt bringen zu können.

Mit seinem sehenswerten Debüt „District 9“ konnte sich der Südafrikaner Neill Blomkamp den Ruf des Autorenfilmers des Sci-fi-Kinos erarbeiten und sogar eine Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch einstreichen. Auf seine Sci-fi-Parabel über Apartheid und Diskriminierung folgte mit „Elysium“ der erneute Versuch, eine Geschichte in der Zukunft zu erzählen und dabei die gesellschaftlichen Zustände in der Gegenwart zu kritisieren. Er setzte dabei aber zu sehr auf den moralischen Dampfhammer, sodass der Film hinter den Erwartungen zurückblieb. Vielleicht hat Blomkamp deshalb mit seiner dritten Arbeit „Chappie“ nun formal Unterhaltungskino abgeliefert und auf tiefergehende Gesellschaftskritik weitgehend verzichtet. Damit ist ihm letztendlich jedoch ein durchaus sehenswerter Streifen gelungen.

„Chappie“ beginnt mit einer groß angelegten Action-Sequenz, bei der die Polizeiroboter eindrucksvoll unter Beweis stellen können, was sie so alles auf dem Kasten haben. Dabei wird, wie auch bei den vorherigen Blomkamp-Filmen, mit Wackelkamera gefilmt, wobei eine hohe Dynamik zustande kommt. Die Effekte überzeugen dabei auf ganzer Linie, obwohl „Chappie“ mit einem Budget von nicht einmal 50 Mio. Dollar vergleichsweise kostengünstig war. Überhaupt ist die gute Animation einer der Trümpfe des Films, sodass der Roboter, der über keinerlei Mimik und eine blecherne Stimme verfügt, durchaus glaubhafte menschliche Regungen transportiert, weil seine Art sich zu bewegen und seine Animation vollkommen echt erscheinen.

Nach der Eingangssequenz treibt Blomkamp dann seinen Plot voran. Er präsentiert uns den menschlichen Protagonisten, der endlich ein Programm mit künstlicher Intelligenz entwickelt hat und es kaum erwarten kann, dieses zu testen. Dazu ist er sogar bereit, einen Deal mit seinen Entführern einzugehen und Firmeneigentum zu entwenden. Er erweckt den Roboter zum Leben, entwickelt schnell eine Art Vatergefühl für sein zunächst hilfloses und orientierungsloses Geschöpf, muss die Erziehung aber den Gangstern überlassen. Damit präsentiert Blomkamp eine Menge guter, teilweise auch sehr innovativer Ideen sowie einen Plot, der immer wieder unverhoffte Wendungen nimmt, sodass das Geschehen selten langweilt. „Chappie“ gipfelt nach einem relativ actionarmen Mittelteil schließlich in ein furioses Finale, das dann noch einmal mit gelungenen Action-Sequenzen und hohen Schauwerten überzeugt und einen insgesamt gelungenen Film abrundet.

Störend sind bei „Chappie“ allein die vielen Momente, bei denen sich Blomkamp sichtlich schwer tut, den richtigen Ton zu treffen. Nach einigen humorvollen Momenten, in denen sich der Roboter das Auftreten seiner Gangster-Eltern abschaut, die mitunter auch mal etwas infantil daherkommen, wird er dann wieder mit seinem Anderssein und seiner Sterblichkeit konfrontiert. Nur vertragen sich der seichte Humor und die anschließenden Versuche, Dramatik zu erzeugen und tiefere Ansätze zu verfolgen oft nicht wirklich gut. Auch die teilweise sehr drastischen Gewalteskalationen wollen nicht so recht ins Bild passen, wenngleich sie durchaus Spaß machen. „Chappie“ schwankt so auch zwischen Kinderfilm und brutaler Action. Hinzu kommt noch das kitschige Ende, das ebenfalls nicht so recht ins Bild passen will. Überhaupt überlädt Blomkamp seine Story ein wenig, deutet immer wieder Denkansätze an, die er anschließend wieder aus den Augen verliert und spätestens dann, wenn auch noch der von Hugh Jackman verkörperte Kollege des Protagonisten eingreift, tanzt der Südafrikaner auf mindestens einer Hochzeit zu viel. Beachtlich ist aber, dass Blomkamp trotz seiner sehr wechselhaften Erzählweise auch sehr emotionale Momente gelingen, mit denen er durchaus authentische Emotionen transportiert und vor allem zum Ende hin auch Spannung und Dramatik erzeugt. Die Kehrseite der Medaille ist in jedem Fall, dass es sich bei „Chappie“ eben auch um einen sehr innovativen Sci-fi-Film handelt, der erfrischend anders ist als die uninspirierte Massenware a la „Jupiter Ascending“.

Angesichts der hervorragenden visuellen Umsetzung und einiger guter Grundideen ist es also schade, dass Blomkamp seine Geschichte etwas konfus erzählt und das Potential nicht gänzlich ausschöpft. Gewöhnungsbedürftig sind auch die Frisuren und Aufmachungen, mit denen die Kriminellen in „Chappie“ so herumlaufen, selbiges gilt auch für die schauerliche Musik, die Blomkamp für seinen Film ausgewählt hat. Dagegen überzeugt die Besetzung voll und ganz. So zeigt Dev Patel, der sich seit seinem Durchbruch mit „Slumdog Millionär“ schwer tut, gut Rollen zu finden, hier eine sehr gelungene Vorstellung, was auch für die eher unbekannten südafrikanischen Darsteller wie Yolandi Visser oder Watkin Tudor Jones gilt. Sigourney Weaver und Hugh Jackman sind dagegen in eher verzichtbaren Nebenrollen zu sehen.

Fazit:
„Chappie“ ist innovativ und jederzeit überraschend, weist viele gute Ansätze auf und unterhält, auch aufgrund der visuell sehr überzeugenden Umsetzung, durchgehend auf hohem Niveau. Schade, dass Blomkamps drittes Werk zu sehr zwischen seichter Komik, brutaler Gewalt, tieferen Ansätzen, verrückten Ideen und authentischen Emotionen schwankt. Dennoch handelt es sich um einen sehenswerten Film, der sich in wohltuender Art und Weise vom aktuellen Sci-fi-Mainstream abgrenzt.

74 %

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