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Ben Mendelsohn spielt einen unglücklichen Zocker, der sich durch verschiedene Glücksspiele bei aller Welt verschuldet hat. Darüber ist auch seine Ehe gescheitert und die Beziehung zu seiner kleinen Tochter in die Brüche gegangen. Nun lernt er am Pokertisch einen Fremden, gespielt von Ryan Reynolds, kennen, mit dem er sich anfreundet. Die beiden beschließen, den Mississippi hinabzufahren und an einem Pokerturnier teilzunehmen, bei dem sie einen großen Gewinn einstreichen könnten.

Dass das Zocker-Drama „Mississippi Grind“ in Deutschland unter dem Titel „Dirty Trip“ erschien, kann eigentlich nur Teil einer billigen Vermarktungsstrategie gewesen sein, denn der Titel geht meilenweit am Inhalt des Films vorbei. Es geht nicht um eine Sauf-Tour durch Vegas, um Alkohol, Drogen und leichte Frauen, sondern vielmehr um die beiden Protagonisten, insbesondere um den von Ben Mendelsohn gespielten Verlierer.

Dem Regie-Tandem Anna Boden und Ryan Fleck, das bereits bei „It`s Kind of a Funny Story“ zusammengearbeitet hat, ist ein durchaus vielschichtiger und nachdenklicher Film über einen unglücklichen Menschen gelungen, der seinen Job hasst, keinen Kontakt mehr zu seinem Kind hat und seine finanziellen Einkünfte am Pokertisch verzockt. Diese Rolle könnte gar nicht besser besetzt sein als mit dem zerknitterten, grandios aufspielenden Ben Mendelsohn, der das ganze Bedauern über die eigene, gescheiterte Existenz nicht eindringlicher verkörpern könnte. In dieser Situation trifft seine Figur auf den Fremden, die ihn mit auf seine Reise nimmt. Der wird von einem ebenfalls sehr überzeugenden Ryan Reynolds verkörpert, welcher sich in angenehmer Weise zurücknimmt.

Boden und Fleck gelingt es im Verlauf des Films dann zwar ganz gut, die Charaktere überzeugend herauszuarbeiten und mit den guten Darstellern auch längere Phasen des Schweigens einigermaßen zu füllen, doch „Dirty Trip“ kommt trotz allem aufgrund des gemächlichen Tempos viel zu langsam in Fahrt. Dass die Szenen am Spieltisch oder an der Pferderennbahn bewusst unspektakulär gehalten sind, ist in Anbetracht der Thematik zwar konsequent, aber in Hinblick auf den Unterhaltungswert auch nicht gerade förderlich. So bleibt es insgesamt bei wenigen Höhepunkten, in denen der Film das durchaus vorhandene Potential mal entfaltet, wie etwa dem Besuch bei der Ex-Frau, einem ansonsten jedoch sehr schleppenden Verlauf. Es hätte sich wohl angeboten, das Ganze entweder narrativ zu beschleunigen oder verstärkt auf Humor zu setzen.

Fazit:
Zwar kann der Zocker-Film mit einer gelungenen Charakterkonstruktion und den starken Darstellern aufwarten, doch das gemächliche Erzähltempo sorgt für einen allzu schleppenden Verlauf. Der Mischung aus Drama und Feel-Good-Film gehen sowohl die Dramatik als auch Pointen ab.

51 %

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